Reiseführer-Landkarte L11: Es ist immer zehn nach zwölf!

Reiseführer-Landkarte, Foto: Im Siroua Gebiet von marokko-erfahren.deDer Djebel Siroua ist ein westlich von Ouarzazate gelegener Gebirgszug. Wissenschaftler sind sich nicht einig darüber, ob er geografisch zum Anti Atlas oder zum Hohen Atlas gehört. Taliouine, das Tor zum Djebel Siroua ist bekannt durch Safrananbau. Der ganze Gebirgszug ist dünn besiedelt, größere Städte fehlen und man findet einen reichen Schatz nahezu unerforschter Besonderheiten mit viel Potential für individuelle Entdeckungstouren.

 Reiseführer-Landkarte, Foto: Im Siroua Gebiet von marokko-erfahren.deWanderungen auf wenig befahrenen Pisten und Straßen sind völlig unproblematisch. Dörfer in den Bergregionen trifft man in ihrer ursprünglichen Form an, hier erhält der Besucher noch einen authentischen Eindruck vom Leben im Dorf weit ab der immer schneller voranschreitenden technischen Entwicklung. Der Weitblick des im Volksmund liebevoll als „M6“ bezeichneten Königs hat aber selbst in den entlegensten Bergdörfern für die notwendige Elektrifizierung gesorgt. Neben der flächendeckenden Handyversorgung und den nicht zu übersehenden obligatorischen „Schüsseln“ auf den Dächern bleiben es trotzdem die einzigen Neuerungen vielerorts.

Unsere Michelin-Karte, Blatt Nr. 742, Maßstab 1:1.000.000 liegt griffbereit im Auto, als wir von Ouarzazate über Tazenakht nach Taliouine in Anzal eine Kaffeepause einlegen. Von dieser touristisch wenig erschlossenen Region gibt es neben der von uns mitgeführten Karte nur noch das EWP / WPC Blatt. Ein Blick auf beide Karten bestätigt uns, dass der Wegweiser Richtung Askaoun eine erhebliche Streckenverkürzung bedeutet. Das Navi zeigt hier Asphalt. Wir jubeln, freuen uns über die unerwartet gefundene Verbindungsstrasse durch das Gebirge und genießen eine Straße, auf der wir scheinbar allein unterwegs sind.

Reiseführer-Landkarte, Foto: Ungewoehnliches Minarett 10 nach 12 von marokko-erfahren.deLandschaftlich idyllisch schmiegen sich kleine Dörfer in eine üppig grüne, von einem Flusslauf durchzogene Landschaft. Ein außergewöhnlicher Anblick fesselt uns: zwei runde, farbige und filigran verzierte Minarette. Sie ragen über die rosafarbigen Lehmhäuser des am Hang liegenden Dorfes Amassine heraus. Ein Turm ist verziert mit einer betonierten Uhr, die stets eine Zeit von 12:10 Uhr zeigt!

Reiseführer-Landkarte, Foto: Speicherburg über dem Ort Amassine von marokko-erfahren.de Reiseführer-Landkarte, Foto: Im Ighrem nOumasine Amassine von marokko-erfahren.de Reiseführer-Landkarte, Foto: Felsformation Nähe Tamazirte von marokko-erfahren.de

Noch mehr reizt uns natürlich der über dem Dorf gelegene Speicher, zu dem wir hochsteigen. Noch während wir die schöne Eingangspforte bewundern, wird von innen geöffnet, wir werden hineingebeten. Verblüfft betreten wir einen Hof und stehen vor dem Eingang zu einem vollkommen verwinkelten Steinbau. Der im Jahr 1540 erbaute Speicher mit 162 Kammern ist noch in voller Nutzung. Glücklicherweise haben die Dorfbewohner, die den Speicher gemeinsam pflegen hier für elektrische Beleuchtung gesorgt, so dass man treppauf und treppab sicher laufen und die schön bemalten Kammertüren bestaunen kann.

Tief beeindruckt rollen wir in gemäßigtem Tempo weiter und genießen die uns überall entgegengebrachte Freundlichkeit, wundern uns nur am Rande, dass wir uns mehr in nördlicher, statt wie in der Karte gezeigten westlichen Richtung bewegen.

Abgelenkt durch einen fahrenden Händler, der ca. 50 km hinter dem von uns entdeckten Wegweiser seine Waren beinahe auf der Straße ausgebreitet hat, halten wir erneut, stellen unser Auto ab und gesellen uns zwischen die einkaufenden Menschen. Lange fesselt das überschaubare Warenangebot unser Interesse nicht, wir lassen die Blicke schweifen - und richtig, auch in diesem Dorf entdecken wir ein Igherm - so heißen die Speicher in dieser Region. In den umliegenden Geschäften versuchen wir, nach dem Amin - dem Wächter - zu fragen. Der koranlesende Inhaber eines Ladens kann oder will uns nicht verstehen, hat er doch Wichtigeres zu tun. Wir ziehen weiter, haben dann mehr Glück. Mit einem eindeutigen „jallah“ (vorwärts, los) verschließt der befragte Ladeninhaber sein Geschäft, stürmt uns voraus Richtung Moschee, spricht mit einigen Männern und bedeutet uns dann, nachdem er sein verdientes Bakschisch erhalten hat, wir mögen warten.

Ein Mann taucht mit Schlüssel auf, öffnet uns die Tür des gut erhaltenen Speichers und wir wissen mal wieder vor lauter Staunen gar nicht, wohin mit unseren Blicken. Während wir genießen, alles betrachten und fotografieren, füllt sich das Gebäude nach und nach mit neugierigen Menschen. Die Anwesenheit Fremder im Dorf spricht sich schnell herum! Gern und voller Stolz zeigen die Nutzer das Innere ihres Speichers und geben Einblick in die traditionellen Arbeitsabläufe. Gebrauchsgegenstände liegen griffbereit, eine Waage hängt an einem Balken und je nach Jahreszeit werden geerntetes Getreide, Mais oder andere Erntefrüchte der Dorfbewohner hier aufbewahrt.

Bereitwillig, fast ein wenig eitel lassen sich die Männer fotografieren, Foto: marokko-erfahren.deBereitwillig, fast ein wenig eitel lassen sich die Männer fotografieren. Immer wieder sind wir über solche spontanen Gesten überrascht und dankbar - schließlich ist es eine Seltenheit bei Muslimen, denen die Abbildung von Menschen und Tieren aus religiösen Gründen eigentlich verboten ist. Offenbar haben unser Interesse, unsere Freude und Hochachtung vor ihrer Kultur manch eine Tür im übertragenen Sinn geöffnet.

Zufrieden und voller neuer Eindrücke verlassen wir den Speicher und fragen, wo die Straße nach Askaoun weiter geht. Mit verständnislosem Kopfschütteln erklärt man uns gestenreich, dass der Asphalt hier in Aït Qalla endet und die weiteren Pisten ausschließlich mit Geländewagen befahrbar sind.

Ernüchtert erkennen wir, dass unsere erhoffte Abkürzung der Strecke in einer Sackgasse endet und uns nichts anderes übrigbleibt, als die 50 km zu unserem Abzweig zurückzufahren, um von dort die Route auf uns bekannten Straßen zu beenden. Das Erlebnis forderte uns geradezu heraus, von dieser sehenswerten Region eine Karte zu entwickeln, die neben den Sehenswürdigkeiten nur tatsächlich befahrbare Straßen und Pisten darstellt.

 

Reiseführer-Landkarte L11, Foto: L11-CoverUnseren Ausflug sowie weitere zahlreiche Ziele einschließlich GPS-Daten, Fotos und vielen Informationen können Sie nachvollziehen auf der touristischen Landkarte

L11: Asni - Imlil - Oukaïmeden - Setti-Fatma + Mit Wanderkarte Toubkal & Lac d`Ifni ISBN: 9783931099305

Blick auf die Textseite * Infos zur Karte * Autor & Herausgeber: Andreas und Barbara Conrad, marokko-erfahren * Kartographie: Almut Jäschke & Prof. Dr. Uwe Ulrich Jäschke * Wanderkarte Imlil • Toubkal • Lac d’Ifni mit Marie Herrmann, M. Eng. * Deutsch, Englisch und Französisch * Verlag ProjektNord * Erscheinungsjahr: 2021 * 841 x 594 mm, gefaltet 105 x 195 mm * 52 Farbfotos, 5 Grundrisse s/w

Dreisprachige (de / en / fr) äußerst detaillierte Landkarte / Reiseführer von Marokko mit 67 Zielen und fast alle mit Farbfoto und Koordinatenangabe.

  • Baukultur: Kasbahs und Speicherburgen an N7, P1510 und P1737
  • Prähistorie: Dinosaurier-Spuren am Tizi n‘Tichka, Gravurenfelder bei Tainant, Oukaïmeden und Tigheramt
  • Geologie: Felsformationen bei Tamazirte, unweit der N10 und Pilzfelsen an der N9
  • Religion: Moschee Tinmal und Marabout Sidi Chamarouch
  • Gesellschaftliches Leben: Wochenmarkttage (Souks)
  • Freizeit: Wandern um den Djebel Toubkal und Lac d`Ifni
  • Zeitzeugen: Hinweise zu Reiseberichten (1880 – 1960) von Dr. Werner Wrage, Marquis René de Segonzac und Dr. Oskar Lenz entlang der N7 zwischen Tizi n‘Test und Asni sowie an der N9

Hintergrund-Informationen zur Geschichte, zu Besichtigungsmöglichkeiten und weitere Besonderheiten. + Zusatzinformationen zum Toubkal-Nationalpark (PNTb) und den kollektiven Speicherburgen.

+ Enthalten ist eine sehr detaillierte Wanderkarte mit Höhenlinien, Wanderwegen und Nothütten.

Ob aktiv unterwegs oder bildungshungrig: Ausfahrten, Wanderungen und Spaziergänge können punktgenau durchgeführt werden.  

Ein Ausflug von Marrakesch in die Täler des Atlas-Gebirges, die Fahrt Richtung Ouarzazate oder Taroudant: Für jedes Interessensgebiet wird hier Wissenswertes und Interessantes an der Strecke geboten.

Reiseführer-Landkarte: Bereits erschienene KarteBereits in dieser Serie erschienen:

J12: Agadir - Taghazout - Imouzzer + Cityplan Agadir, 2019, ISBN: 9783931099282

K13: Tafraoute nord - Tizourgane - Igherm + Straße der „Agadire“ (Igoudar), 2019, ISBN: 9783931099275

K15: Amtoudi - Fam El Hisn - Ifrane - Taghjijt, 2022, ISBN: 9783931099329

L11: Asni - Imlil - Oukaïmeden - Setti-Fatma + Wanderkarte Toubkal &Lac d`Ifni, 2021, ISBN: 9783931099305

M11 Aït-Ben-Haddou - Ouarzazate - Skoura + Straße der Kasbahs I, 2022, ISBN 9783931099312

Stadtplan Agadir - Cityplan Inezgane 1:15.000 + Ausflugstipps, 2020, ISBN: 9783931099299

Weitere Informationen zur Serie:
www.marokko-erfahren.de/karten.html

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