Reiseführer-Landkarte K15: Auf steiniger Spurensuche

Adrar Zerzem Museumsgebäude, Foto: marokko-erfahren.deSteine sind nicht nur für Geologen von großem Interesse, sie können auch viel von der Vergangenheit erzählen. Das haben wir im Kopf, als wir von mehreren Seiten hören, dass es an der R 102 zwischen Bouizakarne und Icht zahlreiche Gravuren Fundstellen geben soll. Selbst ein kleines Museum soll dort zu finden sein. Wie oft mögen wir schon von Amtoudi oder Taghjijt kommend Richtung Icht gefahren sein? Nie ist uns etwas aufgefallen.

Diesmal wollen wir genauer hinschauen, nehmen uns Zeit für die Strecke. Und richtig, wir entdecken an den Hängen des Djebel Zerzem zwei kleine Häuser. Wenig Verkehr auf der Straße, also stellen wir das Auto kurzerhand am Straßenrand ab, laufen querfeldein, bis wir am ersten Haus ankommen. Dort werden wir schon erwartet, lächelnd zeigt uns der freundliche Mann im blauen Kittel eine Piste, auf der wir bequem bis vor das Haus hätten fahren können. Das nächste Mal! Außerdem hat der kleine Fußmarsch uns nicht geschadet…

Reiseführer-Landkarte K15: Auf steiniger Spurensuche, Foto: Zeitstrahl Gravuren von marokko-erfahren.deWir dürfen in das vordere der beiden Häuser eintreten, stehen unvermittelt vor einer kleinen Fotopräsentation über Fundgebiete in Marokko sowie historischen Informationen über deren Geschichte. Sehr interessant, liebevoll gestaltet, alles auf Französisch. Im Anschluss bekommen wir das Angebot, zu einer Führung durch die Gravuren der Umgebung. Begeistert stimmen wir zu, starker Wind und Temperaturen über 30°C bremsen unser Interesse keineswegs! Herrlich, was er uns da alles zeigt – hauptsächlich Tierabbildungen und zur großen Freude für mich ist sogar ein Elefant dabei. Auch Abbildungen von Wagen finden wir dazwischen.

Aber es bleibt nicht nur bei diesen faszinierenden Funden, unsere Augen erspähen noch mehr materielle Zeugnisse menschlicher Besiedlung: Tumuli, oft rätselhafte Steinmonumente, die sich dem faszinierten Betrachter in verschiedensten Formen präsentieren. Steinhaufen, Steinräder oder halbmondförmig angeordnete Steine. Hier sind es die Steinhaufen, Hügelgräber.

Adrar Zerzem Elefant  Bildmitte gepickt, Foto: marokko-erfahren.de Adrar Zerzem Huegelkette mit zahlreichen Fundstellen, Foto: marokko-erfahren.de Adrar Zerzem im Vordergrund Tumulus, Foto: marokko-erfahren.de Adrar Zerzem Rind gepickt, Foto: marokko-erfahren.de

Den Informationen des Museums kann man entnehmen, dass in dieser Region gutes Klima sowie ausreichend vorhandenes Wasser die Menschen veranlasste, bereits seit Urzeiten hier zu siedeln.

An den Hängen des Djebel Zerzem hat ein marokkanisch - spanisches Wissenschaftlerteam tatsächlich gegraben, geforscht und analysiert. Drei Tumuli haben sie geöffnet, die Skelettfunde mit der Radiokarbonmethode untersucht sowie die Grabbeigaben gesichert. So lässt sich ziemlich eindeutig belegen, dass diese Funde vor ca. 1400 Jahren hier begraben wurden. In einem Fall wurde sogar nachgewiesen, dass ein Skelett zu einer ca. 20-40-jährigen Frau gehörte, die ein Kind bekommen haben könnte.

Das macht den Aufenthalt richtig spannend, weil man sich nicht in eigenen Spekulationen verliert, sondern mit dem Hintergrund gesicherter wissenschaftlicher Ergebnisse unterwegs ist.

Adrar Zerzem Ziege gepickt, Foto: marokko-erfahren.deEinmal sensibilisiert für das Erkennen dieser Steinmonumente fällt es leicht, bei Fahrten durch das Land weitere zu entdecken - beispielsweise die Nekropole hunderter kleiner Steintumuli aus dem 8. oder 9. Jh. vor unserer Zeitrechnung zwischen Zagora und M’hamid.

Der faszinierenden und Phantasie anregenden Ausstrahlung dieser vorislamischen Denkmäler wird sich kaum ein Betrachter entziehen können. Auch hier hat uns wieder Alain Rodrigue mit seinem Fachwissen weitergeholfen. Die abgebildeten Steinmonumente stellen mit großer Sicherheit verschiedene Grabformen dar und zwar aus einer vermuteten Zeit von vor 1000 bis 7000 Jahren. Unvorstellbare Zeiträume – die aber von einer lebhaften Kultur in diesen heute so vegetationslosen, kargen Landstrichen zeugen. Die tatsächliche Grabstätte befindet sich meist geschützt unter einem leicht erhöhten „Steinhaufen“ und verbirgt oft eine in den Boden gegrabene Kammer, deren Wände aus senkrecht verlegten Platten bestehen.

Die Darstellung von Wagen gibt uns Rätsel auf, deshalb bitten wir später Alain Rodrigue, den Kenner marokkanischer Felskunst um fachliche Unterstützung. Er erklärt es uns so:

„Unter den Felsgravuren im Süden Marokkos ist die Abbildung eines zweirädrigen Fahrzeugs ("char") recht seltsam. Es besteht aus einer die Räder verbindenden Achse und einer Deichsel. Manchmal werden Ladefläche und/oder Speichen der Räder dargestellt. Meist wurde die Gravur gepickt bzw. gepunzt (Einschlagen von Vertiefungen). Es gibt auch geritzte Darstellungen (dünne in das Gestein gravierte Linien).

Grundsätzlich handelt es sich um Zweispänner ("bige"), deren Gespannführer nie zu sehen sind. In seltenen Fällen sind Zugtiere abgebildet.

Das Bild des “galop volant” (fliegender Galoppwagen) in der Sahara ist wohlbekannt und stellt sicherlich eine Realität dar. Niemand weiß, ob diese "chars" als Sportgeräte, für Kriegszüge, als Prestigefahrzeug oder einfach als Transportmittel verwendet wurden. …“

Zu den schematischen Typen der verschiedenen Monumente in Marokko, siehe folgende Skizze:

Schematische Typen der verschiedenen Monumente1 Hufeisenform
2 umgeben von einem Kreis
3 mit Antennen Monumente
4 halbmondförmig
5 + 6 mit Einfassung

© Alain A. Rodriges

Adrar Zerzem verschiedene Fahrzeugdarstellungent, Foto: marokko-erfahren.de

K15 Amtoudi Fam El Hisn Ifrane Taghjijt, Foto: marokko-erfahren.deK15 RückseiteUnseren Ausflug sowie weitere zahlreiche Ziele einschließlich GPS-Daten, Fotos und vielen Informationen können Sie nachvollziehen auf der touristischen Landkarte „K15: Amtoudi • Fam El Hisn • Ifrane • Taghjijt • ISBN 9783931099329“

Autor & Herausgeber: A. & B. Conrad www.marokko-erfahren.de 

Kartographie: Kartographische Werkstatt Prof. Uwe Ulrich Jäschke & Almut Jäschke

Dreisprachige (de. /en. /frz.) äußerst detaillierte touristische Landkarte / Reiseführer von Marokko mit fast 100 Zielen + Viele mit Koordinatenangabe + Hintergrund-Informationen zur Geschichte, zu Besichtigungsmöglichkeiten und weiteren Besonderheiten.

  • Baukultur: Agadir Id Aïssa, Agadir Aguelloui und Agadir Tadakoust, Ksar Icht, Khettaras
  • Prähistorie: Felsgravuren am Adrar Zerzem, um Amtoudi und Icht, Tumuli und sehr besondere Steinmonumente in Antennenform und mit Einfassung bei Fam el Hisn und südlich der N17
  • Geologie: warme und kalte Quellen, Dendriten
  • Religion: Marabouts, Synagogen in Tamanart und Ifrane Atlas-Saghir
  • Gesellschaftliches Leben: Wochenmarkttage (Souks)
  • Zeitzeugen: Auf den Spuren von Dr. Werner Wrage 1960/70 bei seiner abenteuerlichen Suche nach Agadir Id Aïssa in Amtoudi und Dr. Oskar Lenz 1879/80 auf seiner Reise nach Timbuktu entlang der heutigen R107.

Ein breites Kulturangebot von der Baukunst der Imazighen über die jüdische Vergangenheit bis hin zu präislamischen Denkmälern kann nach individuellem Interessensgebiet gezielt angesteuert werden.

Bereits erschienene Karten, Foto: marokko-erfahren.deBereits in dieser Serie erschienen:

  • J12: Agadir - Taghazout - Imouzzer + Cityplan Agadir, 2019, ISBN: 9783931099282
  • K13: Tafraoute nord - Tizourgane - Igherm + Straße der „Agadire“ (Igoudar), 2019, ISBN: 9783931099275
  • K15: Amtoudi - Fam El Hisn - Ifrane - Taghjijt, 2022, ISBN: 9783931099329
  • L11: Asni - Imlil - Oukaïmeden - Setti-Fatma + Wanderkarte Toubkal &Lac d`Ifni, 2021, ISBN: 9783931099305
  • M11 Aït-Ben-Haddou - Ouarzazate - Skoura + Straße der Kasbahs I, 2022, ISBN 9783931099312
  • Stadtplan Agadir - Cityplan Inezgane 1:15.000 + Ausflugstipps, 2020, ISBN: 9783931099299

Weitere Informationen zur Serie:
www.marokko-erfahren.de/karten.html

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