Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira - Tag 1 bis 5

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Tag 1

Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira, Foto: Jean-Pierre Datcharry

Abmarsch vom Riad Dar Daïf in Talmasla, Ouarzazate entlang der Palmenhaine am Wadi von Ouarzazate nach Tifoultout. Süße Luft, fröhliche Amseln und Damaszener-Rosen, die in den Gärten duften. In Richtung Atlas-Kette folgen uns zwei lachende Fliegenschnäpper.

Tag 2

Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira, Foto: Jean-Pierre Datcharry

Sehr schöne Nacht in einem Hain von Palmen. Ich schlafe gerne an Orten, wo die Brise in den Palmen weht, der Gesang der Frösche und Vögel eine echte Erholung für den Körper und die Seele sind.

Start mit den Farben der orangefarbenen Sonne. Das gesamte Noor-Solarkraftwerk wird von den ersten Sonnenstrahlen beleuchtet, sein Leuchtfeuer ist schon von den Gipfeln des Toubkal und des M'goun zu sehen.

Ocker-weiße Hügellandschaft. Auf dem Pass von Afella n'Ifri sehen wir das Dorf Aït Ben Haddou und es ist majestätisch, sich ihm zu Fuß zu nähern. Wir gehen am Rande des Dorfes und der Gärten entlang. Was für eine schöne Restaurierung dieses Dorfes, bravo für seine Realisierung.

Wir gehen entlang des Dorfes Tamdakht, dessen zinnenbewehrte Türme der Kasbahs kaum aus seinen üppigen Gärten herausragen.

Die Geologie bietet uns Ocker- und Beigetöne.

Tag 3

Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira, Foto: Jean-Pierre Datcharry

Wir geben den Kamelen Gerste, sie brauchen Kraft. Gestern sind sie sieben Stunden am Stück gelaufen und haben nicht gegrast.

Auf dem Weg nach oben sahen wir drei Tumuli, das ist recht merkwürdig, da es im Atlas nur wenige gibt. Die Grabhügel, die die Sahararouten von Nador nach Drâa und Smara markieren.

Ein gut markierter Weg führt durch herrliche Täler, erd- und ockerfarbene und graue Felsen. Wir befinden uns auf einem alten Meeresboden, der durch die Faltung des Atlas angehoben wurde und sich an den Hängen wiederfindet. Zahlreiche Fossilien mit verschiedenen Schnecken, Muscheln, Austern.

Der zerkleinerte Wermut verströmt einen ähnlichen Duft wie Thymian, nur etwas saurer, es ist ein Genuss.

Sechs Stunden Gehzeit, ca. 23 km.

Die Grillen singen. Habe heute Morgen zwei Turmfalken gesehen.

Die Karawanen und Reisenden zogen immer in Gruppen, um sich vor den Angriffen von Stämmen, aber auch von Tieren wie Panthern, Löwen des Atlas, der letzte wurde 1920 getötet, zu schützen und zu verteidigen. Wir können uns vorstellen, dass sie vor ein paar Jahrhunderten zahlreich waren, die Wälder erlaubten hier Antilopen und Affen und in den Ebenen Straußen zu leben.

Die Wälder wurden von den Bewohnern, den Hirten, verbrannt, damit diese gefährlichen Tiere verschwinden. Zunächst entstanden so riesige Weideflächen, doch Erosion, Winde und heftige Regenstürme verwandelten diese Gebiete in Wüsten. Dem Kalkstein dieser Plateaus wurde Platz gemacht.

Kühle Nächte, reiner Himmel

Tag 4

Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira, Foto: Jean-Pierre Datcharry

Ich nehme einen kleinen Pfad, um das Dorf Anguelz zu erreichen. Der kleine Ort ist aus Lehm gebaut, wie auch die prächtige, schlanke Kasbah. Um sich gegen feindliche Stämme zu verteidigen wurden diese  befestigten Kasbahs gebaut. Die feindliche Stämme hatten es meistens auf die reichhaltigen Vorräte abgesehen.

Jacques Majorel, orientalistischer Maler, hielt sich in den Jahren 1935-40 in Dorf Anguelz auf, sein Freund René Euloge, Schriftsteller, Maler und großer Entdecker der Täler des Atlas, begleitete ihn oft.

Ich durchquere die saftig grünen Gärten und stelle mir diese beiden großen Maler vor, ihre Staffelei unter den Mandelbäumen aufgestellt, die Kühle ausnutzend, vor diesen inzwischen fast verschwundenen Kasbahs. Die Knospen der Damaszener-Rose leuchten in kräftigem Rosa.

Ich gehe das Wadi entlang und tauche über einen Umweg in ein kleines Tal ein, das auf der Höhe von einer Festungsruine bewacht wird. Dieses enge Tal, in die roten, ockerfarbenen Erde geschnitten und von einer Ader aus schwarzem Gestein gesäumt,  führt zum alten Salzbergwerk, dessen Stollen mit einer schweren Eisentür verschlossen ist. Diese Mine war berühmt für die Qualität ihres Salzes und Kamelkarawanen exportierten es in entfernte Länder.

Ein paar Täler weiter sehe ich entlang des Wadis die Gärten von Telouet. Ein äterer Mann geht mit einer geflochtenen Schleuder in der Hand durch die Gärten. Ich vermute, dass er auf Taubenjagd ist und begrüße ihn - ein paar Höflichkeitsfloskeln werden ausgetauscht. Er ist überrascht, dass ich zu Fuß aus Ouarzazate komme. Gefragt, was er mit seiner Schleuder jagt, entgegnet er: "Ich behüte meine Bienen". Und in der Tat kommen einige Vögel, um seine Bienen zu fressen, die mit Honig beladen zum Bienenstock zurückkehren.

Ich fahre zur riesigen Kasbah von Telouet, wo früher Karawanen Halt machten, bevor sie den Atlas überquerten. Echte Karawanserei, wo die Karawanenführer eine Steuer für die sichere Durchfahrt und den Schutz von Waren und Menschen zahlten. Die prächtige Kasbah des Pascha Glaoui ist heute leider nur noch eine Ruine. Schade, dass dieses architektonische Meisterwerk aus politischen Gründen (Pascha Glaoui kollaborierte mit den Franzosen) nicht restauriert wird. In ein paar Jahren wird diese Kasbah unwiederbringlich zerfallen sein.

Wir sind sieben Stunden gelaufen, etwa 30 km und ich bin sehr froh, mich hinzusetzen und über die Begegnungen des heutigen Tages nachzudenken.

Tag 5

Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira, Foto: Jean-Pierre Datcharry

Gestern Nachmittag hatten wir einen sehr starken Wind mit stürmischen Böen. Fünf Minuten vor dem Ramadan-Fastenbrechen um 19 Uhr kamen zwei junge Frauen aus dem Dorf, um uns das Ftor-Essen zu bringen. Zwei Sorten Brot, noch warm in eine kleine Decke eingewickelt, Pfannkuchen, Kaffee, Tee. Die Gastfreundschaft, die den Reisenden geboten wurde, machte uns nach einem langen Tag sehr glücklich.

Danke!

Wir durchqueren Tamjoucht, das letzte Dorf, das sich direkt am Fuße des Berges anschmiegt und von Terrassen aus grünem Getreide umgeben ist, die nun von den ersten Sonnenstrahlen beleuchtet werden. Das Dorf schläft noch. Wir begegnen einer Frau mit einem Eimer von 15 Litern aufgeschäumter Milch. Ein Kind blickt zu Boden, als es an uns vorbeigeht. Es ist sehr einfach gekleidet, wohl auf dem Weg zur Schule, in das vier Kilometer entfernte Telouet, mit grauen Plastiksandalen an den kleinen Füssen, wie bei den Kinder der Hirten üblich. Vielleicht hütet es am Nachmittag einige Ziegen oder Schafe. Dank der Schule wird sich das Kind eine bessere Zukunft aufbauen können.

Wir gehen zu den Atlas-Kämmen und über den Tizi n'Telouet auf 2600m. [Tizi = Pass]

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