Auf alten Karawanenrouten von Ouarzazate nach Essaouira

Zu Fuß von Ouarzazate nach Essaouira:

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Jean Pierre Datcharry  machte sich in Begleitung seiner Freunde Brahim und Addi und fünf Kamelen auf den Weg, um von Ouarzazate nach Essaouira - auf den Spuren der alten Karawanen - zu laufen. Marokko.com veröffentlicht in lockerer Folge das Tagebuch seiner 21tägigen Tour.


Jean Pierre DatcharryIch hatte etwa dreißig Etappen geplant. Die Energie und die Freundschaft mit Brahim und Addi ermöglichten es uns, in 21 Tagen, 129 Gehstunden und 571 zurückgelegten Kilometern von Ouarzazate nach Essaouira zu gelangen. Das heißt, durchschnittlich 27 km und 6 Stunden 15 Minuten pro Tag.

Geholfen haben mir die mir zur Verfügung stehenden Karten, auf denen ich diese Route nachgezeichnet habe, die die Wege dieser alten Karawanen kreuzt.

Auch trieb mich ein mehr als 15 Jahre währender Traum an, diese Reise zu Fuß auf den Pfaden der großen Reisenden zu machen. Das war der richtige Moment.Brahim und Addi

Ich wollte all diesen gegenwärtigen Zukunftssorgen entfliehen, indem ich das Lebenselexier meiner Existenz für so viele Jahre wiederfand: die Natur und die Pfade des Atlas. Die Reise beschloss ich weniger als eine Woche vor dem Aufbruch. Nichts war geplant oder vorbereitet.

Als ich Brahim und Addi vorschlage, mich zu begleiten, sehe ich ihre Augen vor Freude funkeln. Auch sie sind Männer der Wüste und der Räume, der Emotionen und Herausforderungen. Ich verstehe, dass wir gehen können. Brahim nimmt ein Taxi nach N'Kob, wo unsere Kamele grasen. Er bringt allein fünf Kamele in dreieinhalb Tagen zum Dar Daïf in Ouarzazate.

Erster Tag: Zu Fuß auf den Spuren der alten Karawanen

Ich werde den Wegen folgen, auf denen die Kamelkarawanen ihre Waren vom anderen Ende der Sahara bis ins Drâa-Tal transportierten, um dann den Atlas über den Tizi n'Telouet zu überqueren und so Marrakesch zu erreichen. Dann geht es am Fuße des Atlas auf seiner Nordseite entlang auf der Straße der Marabouts, um zum Atlantik und nach Essaouira zu gelangen.

Charlesde Foucauld 1886, Bildrecht: Babouba, Public domain, via Wikimedia CommonsWir wandeln zweimal in den Fußstapfen von Vicomte Charles de Foucauld. Während seiner Reise „Reconnaissance au Maroc“ [Buch: „Erkundung in Marokko“] in den Jahren 1883-1884 zu einer Zeit, als die Stämme noch nicht befriedet waren. Er verkleidete sich als jüdischer Händler, der mit Rabbi Mordechai reiste. Allen Gefahren trotzend legte er in 12 Monaten fast 3000 Kilometer zurück.

Er wird den Atlas über den Tizi n'Telouet überqueren und nach Aït Ben Haddou, in das untere Tal des Drâa, gelangen. Er wird durch den Souss und dann entlang der Küste des Atlantiks laufen, um Mogador [Essaouira] und das französische Konsulat zu erreichen.

Versteckt unter seinem Burnus auf den Terrassen der Häuser der Mellah, notierte er seine Beobachtungen und zeichnete Karten. Was für ein Abenteuer mit erheblichen Risiken, die er auf seiner Reise eingeht.

Erster Tag: Zu Fuß auf den Spuren der alten KarawanenDiese Reise wird für mich die Gelegenheit sein, die Route für unsere nächste Kulturkarawane Kafila, ein Projekt in Partnerschaft mit dem Französischen Institut Marokkos, zu überprüfen. Kafila startet im März 2022 und wird Foum Zguid über Ouarzazate und Marrakesch mit Essaouira verbinden.Erster Tag: Zu Fuß auf den Spuren der alten Karawanen

Erster Tag: Zu Fuß auf den Spuren der alten Karawanen

Tag 1

Abmarsch vom Riad Dar Daïf in Talmasla, Ouarzazate entlang der Palmenhaine am Wadi von Ouarzazate nach Tifoultout. Süße Luft, fröhliche Amseln und Damaszener-Rosen, die in den Gärten duften. In Richtung Atlas-Kette folgen uns zwei lachende Fliegenschnäpper.

Erster Tag: Zu Fuß auf den Spuren der alten Karawanen

Tag 2

Sehr schöne Nacht in einem Hain von Palmen. Ich schlafe gerne an Orten, wo die Brise in den Palmen weht, der Gesang der Frösche und Vögel eine echte Erholung für den Körper und die Seele sind.

Start mit den Farben der orangefarbenen Sonne. Das gesamte Noor-Solarkraftwerk wird von den ersten Sonnenstrahlen beleuchtet, sein Leuchtfeuer ist schon von den Gipfeln des Toubkal und des M'goun zu sehen.

Ocker-weiße Hügellandschaft. Auf dem Pass von Afella n'Ifri sehen wir das Dorf Aït Ben Haddou und es ist majestätisch, sich ihm zu Fuß zu nähern. Wir gehen am Rande des Dorfes und der Gärten entlang. Was für eine schöne Restaurierung dieses Dorfes, bravo für seine Realisierung.

Wir gehen entlang des Dorfes Tamdakht, dessen zinnenbewehrte Türme der Kasbahs kaum aus seinen üppigen Gärten herausragen.

Die Geologie bietet uns Ocker- und Beigetöne.

Tag 3

Wir geben den Kamelen Gerste, sie brauchen Kraft. Gestern sind sie sieben Stunden am Stück gelaufen und haben nicht gegrast.

Auf dem Weg nach oben sahen wir drei Tumuli, das ist recht merkwürdig, da es im Atlas nur wenige gibt. Die Grabhügel, die die Sahararouten von Nador nach Drâa und Smara markieren.

Ein gut markierter Weg führt durch herrliche Täler, erd- und ockerfarbene und graue Felsen. Wir befinden uns auf einem alten Meeresboden, der durch die Faltung des Atlas angehoben wurde und sich an den Hängen wiederfindet. Zahlreiche Fossilien mit verschiedenen Schnecken, Muscheln, Austern.

Der zerkleinerte Wermut verströmt einen ähnlichen Duft wie Thymian, nur etwas saurer, es ist ein Genuss.

Sechs Stunden Gehzeit, ca. 23 km.

Die Grillen singen. Habe heute Morgen zwei Turmfalken gesehen.

Die Karawanen und Reisenden zogen immer in Gruppen, um sich vor den Angriffen von Stämmen, aber auch von Tieren wie Panthern, Löwen des Atlas, der letzte wurde 1920 getötet, zu schützen und zu verteidigen. Wir können uns vorstellen, dass sie vor ein paar Jahrhunderten zahlreich waren, die Wälder erlaubten hier Antilopen und Affen und in den Ebenen Straußen zu leben.

Die Wälder wurden von den Bewohnern, den Hirten, verbrannt, damit diese gefährlichen Tiere verschwinden. Zunächst entstanden so riesige Weideflächen, doch Erosion, Winde und heftige Regenstürme verwandelten diese Gebiete in Wüsten. Dem Kalkstein dieser Plateaus wurde Platz gemacht.

 

Tag 4, 5 und 6
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