Reisebericht: 2 Wochen Essaouira - Ab nach Marrakesch

Seite 4 von 6: Ab nach Marrakesch

Samstag:

wir stehen bereits um 5:00 h auf und machen uns um halb sieben auf den Weg nach Marrakech. Bisher war es die ganze Zeit bewölkt aber heute scheint die Sonne und wir haben zum ersten Mal wirklich blauen Himmel. Um halb zehn erreichen wir ein chaotisches und heißes Marrakech. Den Weg ins Zentrum finden wir recht schnell und nach dem wir uns nach der Parkgebühr erkundigt haben (10DH für den ganzen Tag) parken wir unsere Luxuskarosse direkt an der Stadtbibliothek. Von dort laufen wir zum Djemaa el Fna-Platz wo wir von den am Morgen noch trägen Souvenirhändlern überfallen werde. Da sich die Souvenirs nicht im Wesentlichen von dem Angebot in Essaouira unterscheiden, kaufen wir nach zähen Verhandlungen lediglich eine hölzerne Klapperschlange für 15DH. Wieder mache ich dabei meinem Spitznamen alle Ehre, denn unter 20DH war sie in Essaouira nicht zu bekommen und schon gar nicht das seltene Modell mit dem großen Schlangenkopf (die mit den kleinen Köpfen gibt es nämlich an jeder Ecke). Das Besondere an dieser Schlange ist, dass sie auch lauter kleinen Holzwirbeln besteht, die alle mit einem Faden und Kleber zusammengehalten werden. Durch diese Bauweise imitiert das Spielzeug täuschend echt die Bewegungen einer echten Schlange und fast tut es mir leid, dass ich nicht auch eine für mich gekauft habe. Die von uns erstandene ist nun auf jeden Fall im Besitz eines 10-jährigen ukrainischen Jungen aus unserem Bekanntenkreis, dem sie hoffentlich genauso viel Freude bereitet. Das letzte was ich von ihr gehört habe ist, dass sie ihre Gummizunge (die wohl abgefallen ist) im Mund versteckt hat

Wer nun auf die Beschreibung der vielen Sehenswürdigkeiten wartet, den muss ich leider enttäuschen und an die Homepage und Linkliste von Edith Kohlbach verweisen. Wir durchqueren zwar die halbe Stadt und laufen vom Djemaa el Fna-Platz bis zum heutigen Königspalast und den Jardins sehen aber keinen der vielen Paläste von innen, weil sie über Mittag geschlossen sind. Dafür besuchen wir aber einige der Gässchen des jüdischen Viertels, treffen einen echten arabischen Computerverkäufer und unterhalten uns mit der königlichen Palastgarde. Das von uns durch Zufall entdeckte Computergeschäft besteht aus einem kleinen Pult in einer überdachten Galerie, in der alle nur erdenklichen Modelle vor allem neuerer PC Generationen sowie der ein oder andere Flachbildschirm ausgestellt sind. Außerdem entdecken wir echtes Recycling an dem sich selbst Deutschland noch ein Beispiel nehmen kann. In zahlreichen Geschäften werden alle nur erdenklichen Waren aus gehrecycelten Autoreifen angeboten. Über Sandalen, Schuhe, Bilderrahmen, Töpfe und Eimer gibt es hier fast nichts, was nicht aus dem alten Gummi hergestellt wird. Die aus Danone und anderen Plastikverpackungen hergestellten Tüten und Taschen haben wir aber auch schon in Essaouira gesehen. Vor dem El-Badi Palast werden wir von recht unsympathischen, dicken, bis auf die Augen verhüllten Frauen zum Kauf einer ihrer Souvenirs gedrängt. Nach dem wir freundlich (na ja nicht mehr so ganz freundlich) ablehnen um sie loszuwerden, drücken sie uns Geschenke in die Hand. Nach dem wir ihnen aber kein Gegengeschenk geben wollen, reißen sie es uns auf der Hand und ziehen endlich ab. Später beobachten wir wie sie nach dem Verkauf eines Souvenirs ihren "Umsatz" bei einem noch unsympathischeren Mann abliefern (müssen?). Besonderen Gefallen finden wir auf diesem Platz aber an den Storchennestern, die überall auf den Palastmauern zu sehen sind und nach einer Weile bekommen wir sogar einen Storch vor die Linse unserer immer hungrigen Fotoapparate. Inzwischen ist es 11 Uhr und da leider alle Paläste über die Mittagspause geschlossen haben entscheiden wir uns in einer klimatisierten Bar einzukehren. Inzwischen liegen unsere Nerven blank, die Hitze tut das Seine und ich erinnere mich an die Ratschläge vieler Marokkoreisenden Marrakech nur oder besser hauptsächlich nachts zu besuchen. Nachdem sich auch die Bedienung in unserer Bar äußerst unfreundlich zeigt (was sie letztendlich das Trinkgeld kostet) beschließen wir aus Marrakech in das Atlasgebirge zu fliehen. Zuvor müssen wir uns aber noch einmal mit unserem Parkwächter rumstreiten, der nun auf einmal 25DH verlangt, sie aber schließlich nicht bekommt.

Alleine die Fahrt in die Berge entschädigt uns schon für das laute, schmutzige und aggressive Marrakech. Zweimal nieselt es leicht und ich halte die ersten Tropfen zunächst für das Scheibenwischwasser des vorausfahrenden Fahrzeugs bevor ich einen großen Regenbogen am diesigen Himmel entdecke. Wir passieren romantische Bergdörfer und zahlreiche Aussichtspunkte und biegen schließlich von der Hauptstraße nach Oukaimeden ab, an einer Abzweigung die wir zunächst wegen den gerade durchgeführten Straßenarbeiten beinah übersehen hätten. Die Straße schlängelt sich von hier noch ca. 30 km bis zu einer grünen Hochebene. Gleich zu Anfang wurde ein kleiner Stausee (mehr ein Teich) angelegt und überall weiden Kühe und Schafe auf den Wiesen. Es gibt hier auch einen Skilift der für marokkanische Verhältnisse sicherlich eine Attraktion für echte Alpinisten im Winter aber eher eine Enttäuschung darstellen dürfte. Begeistert sind wir jedoch von der Almhütte eines Franzosen am Fuße der Hochebene, die uns in einem Quantensprung auf eine Alm in den Alpen versetzt. Leider können wir die Aussicht zunächst nicht allzu lange genießen, da wir vor sehr sehr aufdringlichen Einheimischen in das Bergrestaurant flüchten müssen. Nach einer kurzen Rast verlassen wir gestärkt das Restaurant und nach dem wir auch wirklich unsere allerletzten DH für irgendwelchen Ramsch ausgegeben haben, dürfen wir endlich weiterziehen. Da wir nur sehr wenig Zeit mitgebracht haben nehmen wir, obwohl eigentlich recht sportlich, unsere Luxuslimousine und funktionieren sie zu einem Geländewagen um. Das heißt an einigen Stellen aussteigen, damit wir nicht den Auspuff auf dem Berg lassen und nach dem wir auch noch den letzten Händler der uns mit einem Mofa verfolgt durch Steinwürfe vertrieben haben (auf Worte reagiert er leider nicht) nimmt uns der Ausblick vom Gipfel auf das Atlasgebirge den Atem.

Der Besuch der Berge wird für uns allen zu einer der schönsten Erinnerung Marokkos, obwohl wir nur knappe 2 Stunden bleiben können, bevor wir uns wieder auf den Weg ins Tal machen. Die spielenden Kinder am Straßenrand erinnern uns noch oft an das traurige Erlebnis vom Vortag aber die Berge geben der arabischen Floskel "Inschallah" irgendwie eine tiefere Bedeutung.

Beim Durchqueren von Marrakesch setzt das Schicksal dann aber noch einen drauf. Der Verkehr nimmt abends extrem zu, aus einspurigen Fahrspuren werden 3 spurige Schnellstraßen ohne Verkehrsregeln. Autos kämpfen mit Busen, Eseln und Mofas um ihre Existenz und (ich stütze mich hier auf einen anderen Reisebericht) Fußgänger haben in Marrakesch ein wenig mehr Rechte als Ziegen, die im Stellenwert immerhin noch über dem Hund stehen. Tatsächlich kommen wir auch prompt in einen Stau. An seinem Anfang halten 2 Männer einen auf der Straße liegenden Mann unter den Armen, der von Blut überströmt uns scheinbar bewusstlos ist. Daneben steht ein Polizist der sich etwas notiert, aber von "stabiler Seitenlage" geschweige denn Verbänden oder 1. Hilfe scheint auch in Marrakech noch niemand etwas gehört zu haben. Wir verlassen diese verrückte Stadt und erreichen gegen Mitternacht unser heimeliges Essaouira.

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