Wasser als Ordnung - das urbane Gedächtnis der Stadt Fes
Wasser war in Fes nie bloß Ressource. Es ordnete Stadt, Gesellschaft und Moral, verband Architektur mit Fürsorge und Alltag mit Spiritualität. Die Brunnen der Stadt erzählen von einer urbanen Kultur, in der Gemeinsinn, Schönheit und Verantwortung selbstverständlich ineinandergriffen - leise, dauerhaft und bemerkenswert zeitlos.

Wasser war und ist - und wird es bleiben - der unverzichtbare Motor allen Lebens und die Grundlage seiner Fortdauer. Es war der erste und entscheidende Faktor bei der Entstehung von Städten und der Bildung von Siedlungen, ganz gleich, ob diese an Süßwasserquellen wie Flüssen, Brunnen, Quellen und Seen lagen oder an den Ufern des salzigen Meeres. Wasser sicherte die landwirtschaftliche Ernährung, ermöglichte Jagd und Fischfang zu Land und zu Wasser, und auf seinen Wegen wurden handwerkliche wie landwirtschaftliche Erzeugnisse transportiert. Von diesem Grundsatz ausgehend war die Stadt Fes bei ihrer Entstehung keine Ausnahme unter den Städten der Welt. Gegründet an einem Fluss, war Wasser im Leben von Fes von Anfang an mehr als eine Ressource - seine Bedeutung lebt bis heute im Gedächtnis der Stadt fort.
Diese Bedeutung hat sich in den Namen zahlreicher Viertel, Gassen und Durchgänge eingeschrieben - als sprachliche Zeugnisse des einstigen Überflusses dieses lebensnotwendigen Elements und der Vielfalt seiner Quellen. So begegnet man in Fes Bezeichnungen wie Quellenviertel, Pferdequelle, Quelle des Räubers ‘Allu, Wassergasse, öffentliche Quelle, Haus der Quelle, Pilgerquelle. Hinzu kommen Orte außerhalb der Stadt, die dennoch in direkter Beziehung zu ihr stehen, wie Ras el-Ma (Quelle des Wassers), Ain Allah (Gottesquelle) oder Ain Chifa (Gesundheitsquelle), ebenso wie die beiden Thermalorte Moulay Yacoub und Sidi Harazem, die seit jeher als Sommer- und Winterbäder zur Erholung genutzt werden.
Der französische Historiker Roger Le Tourneau hebt in seinem Werk Fès avant le Protectorat die außergewöhnliche Wasserfülle der Stadt hervor und stellt sie in einen Vergleich mit großen westlichen Metropolen. Dabei greift er auf frühere Reiseberichte zurück, unter anderem auf die Beobachtungen des reisenden L. Coustaud, der Marokko bereiste und seine Beobachtungen schriftlich festhielt. Vor diesem Hintergrund zählt Le Tourneau die Stadt zu den wasserreichsten urbanen Zentren der Welt. Zur Veranschaulichung dieses Reichtums verweist er auf zeitgenössische Durchschnittswerte, die sich auf die gesamte städtische Wasserversorgung beziehen - also auf Haushalte, Werkstätten, Bäder, religiöse Einrichtungen und öffentliche Brunnen. Demnach entfielen in Fes rechnerisch bis zu 3.000 Liter pro Sekunde und Einwohner, während selbst als besonders begünstigt geltende Städte wie Rom oder Marseille lediglich etwa 1.000 Liter pro Sekunde erreichten. In großen Metropolen wie London, Paris oder Philadelphia lagen diese Mittelwerte nach damaligen Angaben nur zwischen 150 und 250 Litern pro Sekunde. Auch wenn diese Zahlen nicht im heutigen technischen Sinn zu lesen sind, verdeutlichen sie eindrucksvoll den im zeitgenössischen Vergleich nahezu einzigartigen Wasserreichtum der Stadt.
Diese Faszination für das fließende Wasser der Stadt, von dem zahlreiche für das öffentliche Leben zentrale Gewerbe abhingen, fand ihren Ausdruck nicht nur in der Organisation des Alltags, sondern auch in der poetischen Wahrnehmung. Wassermühlen zur Getreideverarbeitung, Werkstätten zur Trennung von Wolle und Leder, Gerbereien, Badehäuser, Moscheen und die Räume der rituellen Waschung - all diese Einrichtungen waren untrennbar mit der Bewegung des Wassers verbunden.
Diese allgegenwärtige Präsenz des Wassers fand ihren Ausdruck auch in der literarischen Wahrnehmung der Stadt und wurde von Dichtern verschiedener Epochen aufgegriffen. Einer von ihnen war der Rechtsgelehrte und Richter Abu Abdallah al-Maghissi, der Fes in seiner Dichtung als eine von göttlichem Segen durchdrungene Stadt erscheinen lässt. Er entwirft das Bild eines Ortes, dessen Erde vom Regen genährt wird und dessen Wasser klar und wohltuend in Becken und Kanälen fließt, eingebettet in üppige Gärten. Das Wasser erscheint bei ihm zugleich als Quelle des Lebens und als ästhetisches Prinzip, das Ordnung, Schönheit und Fülle miteinander verbindet.
Wasser, Handwerk und Poesie
Das Wasser war im täglichen Leben der Bewohner von Fes allgegenwärtig. Seine lebensnotwendige Bedeutung zeigte sich offen in der Vielzahl der Brunnen und öffentlichen Wasserstellen, die zu den unverzichtbaren Elementen jeder gewachsenen Nachbarschaft gehörten. Eine Haouma (Stadtteil) - verstanden als eng verflochtene soziale Einheit - gründete auf Einrichtungen, die einander ergänzten und gemeinsam das Fundament des städtischen Lebens bildeten: die Moschee, das Badehaus, der Gemeinschaftsofen (Ferrane) und die Koranschule. Der Brunnen nahm in diesem Gefüge eine zentrale Stellung ein - als Ort der Versorgung ebenso wie der Begegnung.
Kein Wohnviertel und kein Handelsplatz blieb ohne eine solche Wasserstelle. Besonders in den großen Märkten der Stadt - in der Qissariya, auf den Märkten für Wollgewänder, Tücher, Henna oder Goldschmiedearbeiten - gehörte der Brunnen zur selbstverständlichen Grundausstattung.
Der Brunnen strukturierte Wege und Aufenthalte, erleichterte den Rhythmus des Handels und prägte den öffentlichen Raum ebenso nachhaltig wie das soziale Miteinander.
Über diese unmittelbare Funktion hinaus bildeten die Brunnen ein charakteristisches und zugleich unverzichtbares Element der marokkanischen Architektur. Sie waren eine der wenigen Erscheinungen, in denen sich private und öffentliche Bauformen begegneten. Man fand sie in den alten Wohnhäusern ebenso wie im Straßenraum. Selbst dort, wo traditionelle Häuser über eigene Wasserbecken oder Springbrunnen im Innenhof verfügten, fehlte die Brunnenanlage nicht. Ebenso selbstverständlich waren sie in den Wohnvierteln, entlang der Straßen und Gassen sowie auf den Märkten präsent.
In der Regel waren diese Brunnen an Moscheen, Heiligengräber oder Handelsplätze angebunden; nur selten standen sie isoliert, losgelöst von religiösen oder wirtschaftlichen Einrichtungen. Außerhalb der Wohnhäuser galten sie als sichtbares Zeichen wohltätigen Handelns. Manche bewahrten bis heute den Namen ihres Stifters, andere haben die Erinnerung an ihre Erbauer im Laufe der Zeit verloren. Doch unabhängig davon erfüllten sie denselben Zweck: Wasser bereitzustellen - für die Bewohner der Stadt ebenso wie für jeden Vorübergehenden.
Aus dieser Praxis heraus entstand auch ihre zweite Bezeichnung as-Sebbala, die das Wasser ausdrücklich als Gabe „auf dem Weg Gottes“ versteht. Wohlhabende Bürger wetteiferten darin, Brunnen zu errichten, nicht aus Repräsentationsbedürfnis, sondern aus dem Wunsch heraus, durch diese Tat bleibenden Verdienst zu erlangen.
Die religiöse Grundlage dieses Handelns findet sich in einer Überlieferung, die von Imam Ahmad und anderen überliefert wurde. Sie berichtet von dem Gefährten des Propheten, Saʿd ibn ʿUbāda, der nach dem Tod seiner Mutter den Propheten fragte, ob er in ihrem Namen Almosen geben solle. Als dieser dies bejahte, wollte Saʿd wissen, welche Form der Wohltätigkeit die beste sei. Die Antwort lautete: Wasser zu spenden.
Stifter, Bauformen und die Sakralisierung des Wassers
Bis heute tragen zahlreiche Brunnen in Fes die Namen ihrer Erbauer. So etwa der Brunnen Ibn Hayyun im Viertel al-Makhfiyya. Sein Stifter war ein für seine Wohltätigkeit bekannter Mann; noch immer trägt auch die Gasse gegenüber der Moschee Qarawiyyin seinen Namen. Dort hatte er ein öffentliches Badehaus errichten lassen, das Studierenden und Lehrenden der Qarawiyyin unentgeltlich zur Verfügung stand. Darüber hinaus setzte er große Teile seines Vermögens für die Freilassung von Gefangenen sowie für die Unterstützung der Armen in Zeiten wirtschaftlicher Not ein.
Ein weiteres Beispiel ist der Brunnen der Lalla Yadduna nahe Wad Bin Lemdun (Fluss zwischen den Städten), gestiftet von einer frommen Frau und ausdrücklich der Allgemeinheit gewidmet. Hinzu kommt der von Abd al-Khaliq Adil errichtete Brunnen auf dem Platz der Schreiner, der jedoch weniger unter dem Namen seines Stifters bekannt wurde als unter der Bezeichnung des angrenzenden Marktes. Ebenso verhält es sich mit dem Brunnen des Wohltäters aus Demnat, nach dem schließlich ein ganzes Viertel benannt wurde. An nahezu jedem Stadttor von Fes befand sich zudem ein Brunnen, der sowohl den Menschen als auch den Lasttieren als Tränke diente, bevor sie die Stadt verließen.
Typologie und architektonische Gestalt der Brunnen
Die Altstadt Fes mit ihren beiden historischen Teilen, al-Andalus und al-Qarawiyyin, verfügt über mehr als hundert Brunnenanlagen, von denen die meisten durch ihre charakteristische marokkanische Bauweise geprägt sind. Es handelt sich überwiegend um wandgebundene Brunnen in Form rechteckiger Wandnischen, die von einem Bogen überspannt und mit Zellij-Kacheln geschmückt sind. Davor befindet sich ein Becken, dessen Oberfläche häufig aus einer Marmorplatte besteht und das sich mit dem Wasser füllt, das aus einem oder mehreren Zapfhähnen strömt. Diese sind meist aus gelbem oder rotem Kupfer gefertigt und zentral in der Brunnenwand angebracht.
Über der Brunnenanlage erhebt sich in der Regel ein hölzernes Vordach mit fein gearbeiteten Konsolen, das Schutz vor Sonne und Regen bietet. Hinzu kommen kunstvolle Stuckverzierungen, die den Brunnen zusätzlich aufwerten. Nahezu alle diese Anlagen lehnen sich an eine Mauer an; nur wenige Ausnahmen durchbrechen dieses Prinzip, etwa der Brunnen im Goldschmiedemarkt oder jener, der einst frei im Zentrum des Platzes von al-Baṭḥa- stand. In dieser architektonischen Sprache finden sich zahlreiche Brunnen der Stadt wieder, darunter der Brunnen von an-Nejjarin, der Brunnen von Bab al-Ajissa, der al-Hasaniyya-Brunnen in der Talaa as-Sghira, mehrere Brunnen in der Talaa al-Kbira sowie der Brunnen in der Lamṭi-Gasse im andalusischen Stadtteil.
Brunnen zwischen Nutzung und Heiligkeit
Die Brunnen dienten als Wasserquelle sowohl für die Menschen als auch für die Tiere der Stadt. Einige von ihnen wurden mit Gittern versehen, um zu verhindern, dass Lasttiere aus ihnen tranken. Die Achtung, die diesen Anlagen entgegengebracht wurde, reichte jedoch über ihre praktische Funktion hinaus. In bestimmten Fällen führte sie sogar zur Vorstellung von der besonderen Heiligkeit ihres Wassers. Einzelnen Brunnen wurden segensreiche Eigenschaften zugeschrieben, etwa dem Brunnen von an-Nejjarin, dessen Wasser als stellvertretend für die Heiligkeit des Wassers von Moulay Idris galt. Auch dem Brunnen von Bab al-Wafa sowie dem Brunnen von Buṭwil im Viertel al-Qarawiyyin schrieb man heilende Kräfte zu.
Blütezeit der Brunnen und staatliche Ordnung
Die Brunnenanlagen erlebten eine ausgeprägte Phase des Aufschwungs, in der ihr Bau und ihre Verbreitung stark zunahmen - nicht nur in Fes, sondern in zahlreichen Städten Marokkos, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Dennoch nahm Fes in dieser Entwicklung eine herausragende Stellung ein. Während der Herrschaft der Meriniden, als die Stadt Hauptstadt des Reiches war, konzentrierte sich hier der größte Teil dieser Anlagen.
Diese Häufung war Ausdruck einer bewussten politischen und gesellschaftlichen Entscheidung. Die Rolle von Fes als Residenzstadt ging mit einem besonderen Engagement für öffentliche Infrastruktur einher, insbesondere für Einrichtungen, die unmittelbar dem Gemeinwohl dienten. Brunnen galten in diesem Zusammenhang nicht allein als funktionale Versorgungsbauten, sondern als Bestandteil einer Ordnung, in der Herrschaft, religiöse Verantwortung und soziale Fürsorge miteinander verknüpft waren.
Das öffentliche Wasserwesen
Die entscheidende Phase der Ausbreitung öffentlicher Brunnen in den marokkanischen Städten ist untrennbar mit Sultan Abu al-Ḥasan al-Marini verbunden, der zwischen 1331 und 1348 regierte. Sein Engagement zielte darauf ab, den Bedarf der Bevölkerung an trinkbarem Wasser ebenso zu decken wie den der Tiere, die als Transport- und Arbeitsmittel innerhalb und außerhalb der Städte unverzichtbar waren.
Zeitgenössische Chronisten berichten übereinstimmend von der außergewöhnlichen Dichte dieser Anlagen. Der Gelehrte und Historiker al-Khatib Ibn Marzuq at-Tilimsani (1302-1380) schreibt in seinem Werk, dass der überwiegende Teil der Brunnenanlagen für Trinkwasser und Tiertränken in Fes und im gesamten Maghreb auf die Bautätigkeit dieses Sultans zurückgehe. Gleiches gelte für die meisten Anlagen der rituellen Waschung. Ibn Marzuq betont dabei den besonderen Eifer Abu al-Ḥassans, der diese Werke im Streben nach religiösem Verdienst errichten ließ, und fügt hinzu, dass die Zahl der entsprechenden Einrichtungen in Fes kaum zu überblicken sei.
Wasserverteilung und urbane Organisation
Dass eine Stadt eine derart große Zahl öffentlicher Wasserstellen unterhalten konnte, war nur aufgrund ihres außergewöhnlichen Wasserreichtums möglich. Der Geograf und Reisende al-Ḥassan ibn Mohammad al-Wazzan, in Europa bekannt als Leo Africanus (1488-1554), beschreibt in seinem Werk Beschreibung Afrikas die Struktur dieses Systems. Demnach gelangte das Wasser von zwei Hauptzuflüssen in die Stadt: Ein Arm des Flusses führte südlich an Fes al-Jdid vorbei, während ein weiterer aus westlicher Richtung in die Stadt eintrat.
Nach seinem Eintritt wurde das Wasser über ein weitverzweigtes Netz von Kanälen verteilt. Diese versorgten die Wohnhäuser der Bevölkerung ebenso wie die Residenzen des Hofes und die öffentlichen Gebäude. Jeder Moschee und jedem Gebetsraum stand dabei ein festgelegter Anteil zu, ebenso den Karawansereien, Herbergen, Schulen und Badehäusern. Das Wasserwesen war damit kein zufälliges Nebeneinander einzelner Quellen, sondern Teil einer genau organisierten urbanen Infrastruktur.
Die Bedeutung der Brunnen reicht jedoch über die Merinidenzeit hinaus. Bereits frühere Herrscher hatten dem öffentlichen Wasserwesen große Aufmerksamkeit gewidmet.
Kontinuität und historische Tiefe
Der Chronist Ibn Abi Zar berichtet, dass es zur Zeit des almohadischen Kalifen Yussuf Yaqub al-Manṣur (Regierungszeit 1184-1199) in Fes insgesamt 122 Anlagen zur Wasserversorgung und rituellen Reinigung gegeben habe. Davon seien 42 eigens für die Waschungen bestimmt gewesen, während die übrigen als Brunnen dienten - gespeist teils aus Quellen, teils aus Flusswasser.
Auch der in Tunis geborene Rechtsgelehrte, Literat und Reisende Abu al-Ḥasan Ali ibn Moḥammad, bekannt als Ibn Farḥun, der 1397 verstarb, hebt in seinem Werk hervor, dass er in den Ländern des Maghreb kaum je auf einen Brunnen oder eine Wasseranlage gestoßen sei, deren Nutzung für Trinkwasser oder rituelle Reinigung beschwerlich gewesen wäre, ohne dass sie auf die Initiative Sultan Abu al-Ḥassans zurückgegangen sei.
Brunnen, Tiere und urbane Ethik
Der Bau der Brunnen in Fes war kein zivilisatorisches Projekt, das sich allein am Menschen orientierte. Vielmehr bezog er auch die Tiere in all ihren domestizierten Formen mit ein - und dies viele Jahrhunderte, bevor in Europa die ersten organisierten Tierschutzbewegungen entstanden. Die Gründung der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals im Jahr 1824 markiert zwar einen wichtigen Meilenstein der europäischen Geschichte, doch die Praxis des fürsorglichen Umgangs mit Tieren war im urbanen Raum von Fes bereits lange zuvor fest verankert.
Neben Brunnen mit erhöhten Becken, in denen sich das aus den Zapfhähnen fließende Wasser sammelte und deren Höhe auf die Nacken großer Lasttiere wie Pferde, Maultiere und Esel abgestimmt war, damit diese ohne Mühe trinken konnten, wurden auch kleinere Tiere nicht übergangen. Katzen und Hunde waren ausdrücklich in diese wohltätigen und zivilisatorischen Maßnahmen einbezogen. Zu diesem Zweck entstanden in der Stadt zahlreiche niedrige Brunnen, deren Becken sich auf Höhe des Straßen- oder Gassenbodens befanden und den Tieren einen direkten Zugang zum Wasser ermöglichten.
Leider sind von diesen speziell für kleine Tiere bestimmten Brunnen nur noch zwei erhalten geblieben. Einer befindet sich am Ende des Marktes der Scherben- und Pantoffelmacher, der heute als at-Ṭerrafīn bekannt ist, unter dem Torbogen, der zur Moschee Schrabliyyin führt. Der andere liegt im Färbermarkt; dort handelt es sich um ein größeres Becken, das von Katzen und Hunden gemeinsam mit den Handwerkern der Färbereien genutzt wird, die es für ihre Arbeit benötigen.
Die Brunnen als urbane Erscheinung - in den Städten ebenso wie stellenweise in Dörfern oder Oasenlandschaften der Wüste - standen damit sinnbildlich für das Bewusstsein der früheren Generationen für die zentrale Bedeutung des Wassers. Es war ein Gut, das allen zugänglich sein sollte und niemandem verwehrt werden durfte. Diese Haltung hat sich bis in die Gegenwart erhalten. Noch heute werden Brunnenanlagen als ästhetisches Element der marokkanischen Architektur errichtet, in derselben Formensprache, die das Land seit Jahrhunderten prägt - sei es in den Gassen der Altstädte, in Hotels und Wohnanlagen oder in privaten Häusern, die sich bewusst an der marokkanisch-andalusischen Bautradition orientieren.