Der blaue Vogel - Der Weg des schwarzen Prinzen

Seite 3 von 4: Der Weg des schwarzen Prinzen

Er ritt lange Zeit weiter. Er durchquerte Täler und Flüsse, kletterte Berge hinauf und hinunter, durchquerte Schluchten voller Gefahren und ging durch dorniges Dickicht. Zu keiner Zeit war er verängstigt oder entmutigt, nie kam ihm der Gedanke, umzukehren, er schritt voran, entschlossen, den blauen Vogel zu seinem Vater zu bringen.

Als er im Land der Ungeheuer und des Grauens ankam, fand er einen alten Mann, bei dem er sich erkundigte. Der alte Mann sagte zu ihm:

  • „Nun, mein Sohn, der blaue Vogel lebt, er befindet sich in einem einsamen Haus im Herzen des Waldes, das von einem Ungeheuer bewohnt wird.“

Der schwarze Prinz setzte seinen Weg durch den Wald fort, der so dicht war, dass dort völlige Dunkelheit herrschte. Als er das Haus fand, klopfte der schwarze Prinz an die Tür, ein Mädchen öffnete ihm. Sie war von einer fesselnden und betörenden Schönheit. Sie sah aus wie eine Fee. Sie ließ ihn herein und fragte ihn nach dem Grund seines Besuches. Der schwarze Prinz erzählte ihr alles, was er bisher erlebt hatte. Er gefiel ihr und sie entschied sich, ihm zu helfen. Sie flüsterte ihm leise zu:

  • „Weißt du, alles hier steht unter einem Bann, ich, die Mägde, die Gegenstände und sogar der blaue Vogel. Wenn jemand versucht, ihn zu berühren, stirbt er. Um diesen Bann zu brechen, musst du dieses Ungeheuer töten. Es kommt nur einmal im Jahr hierher und kurz vor seiner Ankunft toben die Winde, grollt der Donner, zerreißen die Blitze den Himmel, die Erde wird erschüttert und es regnet heftig.“

Das Mädchen versteckte den schwarzen Prinzen in seinem Haus und wartete auf den schicksalhaften Tag. Viele Tage vergingen, während der schwarze Prinz geduldig wartete. Eines Tages hörte er den Wind brausen und den Donner grollen, dann zerriss ein Blitz den Himmel und er spürte, wie die Erde unter seinen Füßen bebte. Er öffnete die Tür und ging hinaus in den sintflutartigen Regen.

Er spürte, dass das Ungeheuer sofort erscheinen würde, er nahm seine Waffen, bestieg sein Pferd und ritt dem Ungeheuer entgegen. Er brauchte nicht lange zu warten, eine große Kreatur, die den Horizont verdeckte, bewegte sich langsam auf ihn zu, sie hatte Augen, die Feuer spien, und ihre Zähne erinnerten an eine gewaltige Mistgabel. Sobald das Ungeheuer den schwarzen Prinzen erblickte, begann es zu schreien:

  • „Wie kommt es, dass die Menschen keine Angst mehr vor mir haben?
  • Das Ungeheuer griff den Prinzen an, aber dieser wich ihm aus, zog sein Schwert und rief ihm zu:
  • „Friss mich nicht auf, wenn du ein Mann bist, komm und kämpfe!“

Das Ungeheuer fragte ihn, ob er keine Angst vor ihm habe, und der Prinz antwortete ihm:

  • „Warum sollte ich mich vor dir fürchten? Ich fürchte nur Allah, den Allmächtigen.“

Sie begannen zu kämpfen und jeder versuchte, seinen Gegner zu besiegen. Das Ungeheuer nutzte seine übernatürliche Kraft, wohingegen der Prinz sich mehr auf seine Vernunft und Geschicklichkeit verließ.

Der Kampf dauerte sieben Tage und sieben Nächte. Durch eine List brachte der Prinz das Ungeheuer zu Fall und durchbohrte ihm das Herz. Mit einem donnernden Grollen wurde seine Seele ausgehaucht, und der Fluch des Hauses wurde dadurch gebrochen.

Der schwarze Prinz kehrte zum Haus des Ungeheuers zurück, nahm den blauen Vogel und lud das Mädchen ein, mit ihm zu kommen.

Als sie an dem Ort ankamen, an dem sich die Brüder getrennt hatten, suchte er nach ihnen und fand sie bettelarm vor. Er gab ihnen neue Kleider und Nahrung... Die beiden erkannten die außergewöhnliche Schönheit des Mädchens und entdeckten den blauen Vogel. Neidisch wie sie waren, schmiedeten sie einen Plan. Sie schickten das Mädchen Holz sammeln und baten ihren Halbbruder, Wasser aus dem Brunnen zu holen. Da der Brunnen fast leer war, musste der schwarze Prinz in den Brunnen hinabsteigen. Sie ließen ihn mit einem Seil hinunter, und als er unten ankam, warfen sie das Seil in den Brunnen. Alles Flehen, ihn wieder hinaufzuziehen, half nicht.

  Der Sultans und seine drei Söhne
  Der Weg des schwarzen Prinzen
  Der schwarze Prinz im Brunnen
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Die beiden Prinzen nahmen den blauen Vogel und das Mädchen und ritten nach Hause. Als sie dort ankamen, feierte ihr Vater, der Sultan, ihre Rückkehr und fragte sie nach ihrem Bruder. Sie antworteten, dass sie nichts über seinen Verbleib wüssten.

Der Sultan hängte den Käfig des blauen Vogels in der Mitte des Plastes auf und wartete auf das lang erhoffte Wunder... vergeblich.

Währenddessen wurde das Herz des Mädchens schwer, sie wollte nicht mehr sprechen. Während die beiden Brüder sich um ihre Gunst stritten.

Nach einigen Tagen des Wartens verlor der Sultan jegliche Geduld und rief seine beiden Söhne zu sich, tadelte sie, da der Vogel nicht sang.

Der schwarze Prinz im Brunnen
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