Das Leben und Wirken des Ibn Rušd

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Ibn Rušd war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Viele seiner Schriften sind Kommentare zu den Schriften des Aristoteles. Er sah die Philosophie als notwendigen Aspekt religiösen Lebens, wobei diese nur einem gebildeten Kreis von Menschen vorbehalten sein sollte.

 

Das Denkmal von Ibn Rushd in Cordoba

Ungefähr einhundert Jahre nach dem Tod des Propheten (saw) wurden in der islamischen Welt Texte aus dem Griechischen, Syrischen und Mittelpersischen ins Arabische übersetzt.

Populäre Philosophen wie al-Kindī (gest. um 866), al-Fārābī (gest. um 950) und Ibn Sīnā (lat. Avicenna, gest. 1037) waren nicht nur maßgeblich daran beteiligt, dass das Wissen der griechischen Philosophen bewahrt werden konnte, sondern fügten auch einige neue Erkenntnisse hinzu.

Durch die Kritik des bedeutenden Philosophen, Theologen und Mystiker al-Ġazzālīs (1058-1111) an den Lehren der beiden letztgenannten Philosophen wurde allerdings die Abwendung vieler Gelehrter von der sogenannten falsafa- Bewegung angestoßen. Nur in al-Andalus kam es durch die religiöse Erneuerungsbewegung der Almohaden zu einem erneuten aufblühen dieser Tradition. Ihr bedeutendster Vertreter war der Gelehrte Ibn Rušd der das Werk „Die entscheidende Abhandlung“ (Faṣl al-maqāl) verfasste (Ibn Rushd, übersetzt von Griffel, 2010, S.61- 69). Auch wegen dieses Werks, welches erst ab dem 19.Jahrundert wieder Teil des wissenschaftlichen Diskurses wurde, wird er oft als freier Denker, Vorgänger der Aufklärung und Gegner der islamischen Fundamentalisten angesehen (Griffel, 2010, S.134-142; Renan, 1882, S.2).

Ibn Rušd, der im Westen unter dem lateinischen Namen „Averroes“ bekannt ist, gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Er wurde 1126 in Córdoba, al-Andalus, geboren und genoss als Jugendlicher eine umfangreiche Ausbildung in den Fächern Koran-Interpretation, Jurisprudenz, Theologie und Medizin und wurde zudem zum mālikitischen Rechtsgelehrten ausgebildet. Um 1155 lernte Ibn Rušd den späteren Kalifen der Almohaden Abū Yaʿqūb Yūsuf (reg. 1163-1184) kennen (Griffel, 2000, S.417). Der Anführer bedurfte jemandem, der Zusammenfassungen einiger Werke des Aristoteles erstellt, um einen leichteren Zugang zu diesen zu bekommen. Dies war allerdings nicht die einzige Aufgabe, der sich Ibn Rušd annahm. Während er seine Kommentare verfasste, war er Rechtsgelehrter im Dienste der Almohaden und wurde 1169 in Sevilla und 1171 in Córdoba zum Richter ernannt. Im Jahr 1182 war er in Marrakesch als Leibarzt des Kalifen tätig. Ibn Rušd verstarb am 11. Dezember 1198 im Alter von 72 Jahren (Griffel, 2010, S.75-90).

Von seinem Lebenswerk sind heute 108 Schriften bekannt, wobei nur etwa die Hälfte noch im Original existiert. Die meisten dieser Schriften sind Kommentare zu den Schriften des Aristoteles (Schaerer, 2010, S.244). Mit dem Niedergang der Almohaden verlor die Philosophie des Ibn Rušd für viele Jahrhunderte an Bedeutung. Und auch die Frage nach dem Verhältnis zwischen Religion und Philosophie spielte keine wesentliche Rolle mehr. Nur bei den arabischsprachigen Juden gewann die Abhandlung einen erheblichen Einfluss (Schupp, 2009, S. L-LIV). Trotz dieses Erfolges stand das Werk auch in starker Kritik: So bezeichnete ihn beispielsweise Thomas von Aquin als den „Entsteller der aristotelischen Philosophie“ (De Unitate Intellectus c4, zitiert nach: Manser, 1911, S.10).

In der islamischen Welt war die „Inkohärenz der Inkohärenz“ noch die geläufigste, allerdings lag die Popularität weit hinter den Werken al-Ġazzālīs zurück (Griffel, 2010, S.97).

Einige Schriften von Ibn Rušds wurden 1277 an der Sorbonne- Universität in Paris verbrannt, weil sie auch mit der christlichen Dogmatik als unvereinbar erschienen (Schupp, 2009, S. 137).

Erst im 19.Jahrundert versuchte Marcus J. Müller den Ruf des Kommentators wiederherzustellen (Manser, 1911, S.11). Er entdeckte Ibn Rušds Texte wieder und sorgte dafür, dass diese zum ersten Mal gedruckt wurden.

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Durch Müllers Ausgaben erwuchs sowohl in Europa, als auch in der islamischen Welt ein großes Interesse an Ibn Rušds Werken und weitere Übersetzungen in anderen Sprachen folgten (Schaerer, 2010, S.261f.).

 

Methoden des „Für-wahr-Haltens“
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