Icht: Unbekannte Oasen im weiten Süden

Zwischen Guelmim und Tata erheben sich karge Wüstenberge über grünen Palmenoasen. Astrid Därr gibt Tipps, um die Region bei Icht zu entdecken.

 

 

  Marokko Daerr Cover 40 Highlights 360 Medien
  Leseprobe aus „Marokko - 40 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade“ von Astrid Därr, 360° medien Verlag, Mettmann.
   

Schräg geschichtete Wüstenberge überragen grüne Palmenoasen in der braunen Steinwüste mit einzelnen Akazien. Nahe der Oase Icht etwas abseits der Ost-West-Route zwischen Guelmim und Tata lohnen der Traveller-Treffpunkt Borj Biramane und das eindrucksvolle Berberdorf Tadakoust einen Besuch. 

Die meisten Reisenden unternehmen nur einen kurzen Ausflug von Taroudannt, Tiznit oder Agadir nach Tafraoute und kehren wieder zu diesen Städten zurück. Wer mehr erleben möchte, der sollte sich die reizvolle Wüstenstrecke N12 zwischen Guelmim, Tata und Foum-Zguid vornehmen. Von Foum-Zguid kann man die Reise entweder (per Geländewagen) zu den Dünen des Erg Chegaga, nach Zagora ins Drâa-Tal oder über Tazenakht nach Ouarzazate bzw. Taroudannt fortsetzen. Zwei einsame Bergstrecken in Richtung Süden verbinden die Region um Tafraoute mit der N12 im Süden.

Eine Asphaltstraße bzw. später Schotterpiste (Asphaltierung in Vorbereitung) führt von Jemâa Ida Oussemlal über Tafighart, Souk Anefg und Targa nach Süden zur sehr sehenswerten, viel besuchten Speicherburg Id Aissa (Amtoudi) und weiter zur N12 bei Tarhjijt.

Eine weitere Route verläuft von Souk Afella Irhir nach Süden und mündet bei Ait Herbil in die N12. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer zur Oase Icht – ein winziger, unauffälliger Punkt auf der Landkarte. Die Palmenoase liegt inmitten der kargen Wüstenlandschaft. Beim Besuch des alten Ksar (Lehmdorfes) und einem Spaziergang durch die Oasengärten erfährt man viel über das Leben der Berber in dieser kargen Region. Einen Führer und jede Menge Tipps für andere Ausflüge in der Umgebung erhält man im Wüstencamp Borj Biramane der Franzosen Paul und Philippe Savonitto.

Auf dem mit Akazien, Oleander und Palmen begrünten Gelände in herrlich stiller Umgebung treffen sich Reisende mit eigenem Geländewagen (auf dem Campingareal) und andere Abenteuerlustige, die das Besondere suchen. Im Garten mit Terrasse, schattigen Pavillons und Mini-Pool liegen Bungalows mit geräumigen Zimmern und einfacher ausgestattete Nomadenzelte verteilt. Im Restaurant und an der Bar tauscht man sich abends über die Erlebnisse des Tages aus. Und nach Sonnenuntergang spannt sich eine Kuppel aus Myriaden Sternen über dem Borj Biramane - nirgendwo sonst ist der Sternenhimmel so eindrucksvoll wie in der Wüste.

Vom Borj Biramane kann man auf einer Geländewagenpiste das Dorf Tadakoust in Richtung Nordosten direkt ansteuern (ca. 35 Kilometer) oder auf der gut ausgebauten N12 etwa 39 Kilometer in Richtung Osten fahren und beim Ort Aït Oubali auf eine schmale Asphaltstraße nach Tadakoust (Norden) abbiegen.

Aus der Ferne kaum erkennbar, schmiegen sich die Häuser des Dorfes direkt an die Hänge einer imposanten Bergformation mit drei Felstürmen, die sich wie überdimensionale Kathedralen über einem Flusstal mit abertausenden Dattelpalmen erheben. Beim kleinen Platz am Dorfeingang fällt ein mit Steinplatten verschlossener Brunnen auf. Eine aufgestellte Steinplatte dient als Sonnenuhr: Ihr Schatten fällt auf Markierungen in der waagrechten Platte darunter. Jede Markierung steht für eine Uhrzeit, zu der eine Familie im Dorf ihre Gärten bewässern darf.

Durch zum Teil überdachte, schmale Gassen spaziert man durch den verfallenden Ksar mit seinen mühsam aus Bruchstein errichteten Gebäuden mit Portalen aus Tamariskenholz. Die auffälligen, kreisrunden Löcher neben den Türen dienen als Durchgriff, um den inneren Riegel zu öffnen. In den Gassen verbirgt sich der Eingang zum Eco Musée von Baba Ali in einem alten Gebäude. Ali freut sich über jeden Besucher und führt begeistert durch sein liebevoll mit zahllosen alten Sammelstücken (Gebrauchs- und Alltagsgegenstände) ausgestattetes Haus. Zudem erfährt man von ihm alles über die Geschichte von Tadakoust, das einst als Karawanenstützpunkt diente. Von der Dachterrasse des Museums bietet sich ein großartiger Blick auf das Palmenmeer unten im Tal und nach oben auf die Ruinen des alten Dorfes (gegründet im 8. Jahrhundert), deren Steinmauern sich kaum von den steilen Hängen abheben. Zuoberst auf dem Felssporn thront ein Agadir, eine ehemalige Speicherburg für Wertgegenstände der Dorfgemeinschaft oder "die Schweizer Bank von Tadakoust", wie Ali sie scherzhaft nennt.

In Tadakoust leben heute noch 540 Menschen, die den sehr wenigen Touristen, die sich hierher verirren, ausgesprochen herzlich begegnen. Eine Kooperative zum Erhalt des materiellen Erbes engagiert sich für die Dorfentwicklung – eine Spende im Museum ist herzlich willkommen und sicher eine gute Tat, um besondere Orte wie diesen zu bewahren.

Weitere Entdeckungen von Icht aus sind die Felsgravuren der Umgebung sowie der Ort Fam el Hisn (Foum el Hassane) mit einem interessanten Wochenmarkt am Mittwoch.

Praktische Informationen

  Camp Borj Biramane bei Icht ist Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge. Es gibt ein Restaurant mit Bar, einen Mini-Pool, ein großes Campingareal, komfortable Zimmer und günstigere Nomadenzelte im Garten. https://borj-biramane.com.
   

Lage: Die Wüstenoase Icht liegt zwischen Guelmim und Tata südlich des Anti-Atlas.  

Anfahrt: Von Tiznit nach Bou Izakarne (N1, 66 km), weiter auf der R102 Richtung Osten bis nach Icht (165 km ab Tiznit). Oder von den Orten Jemâa Ida Oussemlal bzw. Souk Afella Irhir im Anti-Atlas auf Piste (Asphalt in Vorbereitung) in Richtung Süden nach Amtoudi bzw. Ait Herbil. Busse und Grand Taxis von Tata, Bou Izakarne und Guelmim nach Icht.

Information: Informationen zu Attraktionen in der Souss Massa Region / Provinz Tata unter www.maroc-tourisme-rural.com

Öffnungszeiten: Das Eco Musée in Tadakoust hat keine festen Öffnungszeiten, wenn keiner die Tür öffnet im Ort nach dem Museumsbetreiber fragen.

Eintritt: Das Eco Musée in Tadakoust kostet 10 Dirham/Person plus eventuell Trinkgeld zur Unterstützung der Dorfgemeinschaft.

Aktivitäten: Besuch von Palmenoasen und alten Ksour (Berberdörfern), 4x4-Pistenfahrten, Wanderungen, Mountainbiketouren.

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