Al-Achabine - Der Zauber eines Platzes und seines Kinos in der Medina von Fès
Seit den ersten bewegten Bildern der Brüder Lumière hat das Kino eine Welt geschaffen, die die Neugier der Menschen weckt. Bis heute umgarnt es mit seinen Illusionen und seinem verführerischen Spiel der Fantasie die Wahrnehmung des Publikums und lässt seine Emotionen in allen Teilen der Welt mitschwingen. Kaum jemand entzieht sich seiner Faszination - weder Kinder noch Erwachsene, weder Frauen noch Männer.

Das Kino hat die Herzen der Bewunderer und Träumer erobert und sie mit der Macht seiner magischen Vorstellungskraft in seinen Bann gezogen. Diese Kraft entfaltet sich in besonderen Räumen, die ihre eigenen Rituale und Gewohnheiten besitzen - Orte, die zugleich öffentlich und geheimnisvoll erscheinen. Sie können luxuriös sein oder schlicht und einfach, je nach sozialem Gefüge der Stadtviertel und Wohngebiete, in denen sie entstehen.
Auch das Kino unserer Kindheit in der Medina von Fès - das „Al-Hilal“ - bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Seine Welt unterschied sich kaum von jener, die Giuseppe Tornatore in seinem berühmten Film „Cinema Paradiso“ aus dem Jahr 1988 erschaffen hat. In vieler Hinsicht ähnelte sie ihr sogar erstaunlich. Das Kino stand stolz in der Nähe unseres Wohnviertels, auf einem Platz namens al-Achabine. Von diesem Platz übernahm es den Namen (Cinema Al-Achabine), unter dem es bekannt wurde, und mit der Zeit wurden beide so eng miteinander verbunden, dass sie wie zwei Seiten derselben Wirklichkeit erschienen. Als unser Kino entstand, war es das vierte Kino innerhalb der Altstadt von Fès. Zwei befanden sich im Viertel Adwat al-Andalus - eines trug den Namen des Viertels selbst, das andere hieß al-Malakiyya. Die beiden übrigen lagen im Viertel Adwat al-Qarawiyyin: das Kino Boujloud und unser Kino Al-Hilal. Mit den Jahren sollte die Stadt noch weitere Kinos kennenlernen, doch damals gehörte unseres zu den wenigen Orten, an denen die Medina dem Zauber der Leinwand begegnete.
Während die drei anderen Kinos eher an den Rändern der Altstadt in der Nähe ihrer Tore lagen, befand sich unser Kino tief im Inneren der Medina - auf einem Platz, der zugleich begehrt und gefürchtet war. Gefürchtet wegen seines zweifelhaften Rufes. Menschen passierten ihn aus allen Richtungen, freiwillig oder widerwillig, weil er mitten im Geflecht der Handelsmärkte lag. Gleichzeitig zog er jene an, die nach bestimmten Vergnügungen suchten.
Der Platz selbst besaß keine Wohnhäuser. Stattdessen gab es dort mehrere Cafés, die nach ihren Besitzern benannt waren: das Café Ben Sassi, das Café Aamar ar-Rifi oder das Café al-Khattabi, dessen Besitzer der Vater des Schriftstellers und Filmaktivisten Azzeddine al-Khattabi war.
In diesen Cafés spielte man Kartenspiele andalusischen Ursprungs, deren Namen noch aus dem Spanischen stammten: Ronda, Tris, al-Balot oder Tutti - ein Spiel, das besonders in Fès verbreitet war. Auch Dame wurde gespielt, sowohl in seiner europäischen als auch in seiner lokalen Variante. All diese Spiele wurden von Gläsern mit Minztee oder Kaffee begleitet.
In denselben Cafés rauchte man auch Ssebsi-Pfeifen mit Kif. Dieses Kif konnte man auf dem Platz selbst - heimlich - in kleinen Mengen kaufen. Meist handelte es sich um Portionen von etwa dreißig Gramm, die „al-Bitaqa“ genannt wurden, oder um kleine Bündel, „Maschmum“ (Kif Strauss), wie sie aus der Natur der Region Ketama im Rif-Gebirge stammen. Von dort wurden sie in großen Paketen in die Städte geschmuggelt. Auch Flaschen billigen Rotweins wurden auf dem Platz und in seiner Umgebung heimlich verkauft. Vermittler, die man „Qaraba“ nannte, brachten sie aus der Neustadt in die Altstadt.
Der Platz al-Achabine bildete zugleich die letzte Station für Reisende, die durch das westliche Stadttor Hisn Ben Saadoun in die umliegenden ländlichen Gebiete aufbrachen. Dieses Tor war im Jahr 876 vom Maghraoui-Prinz Ajissa ibn Dunas errichtet worden. In seiner Nähe befand sich auch das Grab des Dichters Malik ibn al-Morahhal, der am Ende der Almohaden Zeit und zu Beginn der Meriniden Dynastie lebte.
Hier kamen auch Bauern vorbei, die in den frühen Morgenstunden zu ihren Feldern außerhalb der Mauern von Fès aufbrachen. In den kleinen Geschäften des Platzes kauften sie Proviant für ihre Reise - Schwämme, Brot oder andere Lebensmittel wie Kefta, Kebab, gebratenen Fisch oder Bissara (dicke Bohnen Suppe). All diese Speisen wurden in der kleinen Gasse verkauft, die vom Platz abzweigte. Dort gab es auch Süßigkeiten, die Reisende als Geschenk für ihre Kinder und Angehörigen mitnahmen: Kandiszucker, getrocknete Pflanzen, getrocknete Früchte, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse oder gekochte Eier.
Einer der bekanntesten Verkäufer des Platzes war Onkel Aamar al-Jabali, dessen Stand sich direkt am Straßenrand befand. Er war ein großer, kräftiger Mann, der mit dem rechten Bein hinkte. Er erzählte, dieses Hinken stamme aus seiner Zeit im Widerstand gegen die französische Kolonialmacht. Nach der Niederlage im Juni 1967 gegen Israel tobte er wochenlang auf dem Platz, schäumte vor Wut und verlor beinahe den Verstand. Mit seinem Bergdialekt rief er immer wieder: „Ein paar Juden haben uns besiegt! Bei Gott, gäbe man mir nur ein Gewehr, ich würde Palästina ganz allein befreien.“

Der Platz der Frommen und der Sünder
Der Name al-Achabine geht auf die traditionellen Apotheken des Platzes zurück - auf die Läden der Kräuterhändler, die dort Heilpflanzen verkauften. In ihren Geschäften lagen nicht nur Kräuter, sondern auch lebende und tote Tiere, Tierhäute, Straußeneier sowie verschiedenste Gewürze und Pflanzen, die sowohl zur Heilung als auch für magische Praktiken verwendet wurden.
Die Welt des Kräutermarktes war eine Welt für sich - eine Welt, die keiner anderen in der Stadt glich. Sie war ein Geflecht aus Gegensätzen, wie eine Insel, umgeben von Moscheen, Heiligengräbern und Märkten. Es war ein Ort mit vielen Gesichtern: Hier lebten Asketen und Heilige, Derwische und Verrückte, Sünder und Fromme, Gläubige und Rebellen. Es gab geheime Schenken ebenso wie heilige Stätten, ein Kino, ein Hammam und einen öffentlichen Backofen. Die Bewohner der Stadt kamen hierher - ebenso Fremde und sogar Gelehrte. Unter ihnen befand sich der Gelehrte al-Abbas Bennani, der in Fès den Beinamen „Abu Hanifa von Fès“ trug. Er mischte sich unter die einfachen Leute, setzte sich zu ihnen in die Cafés, und sie erwiesen ihm großen Respekt. Wenn er erschien, versteckten sie ihre Ssebsi-Pfeifen und stellten das Karten- oder Damespiel ein. Wenn er sich verabschiedete, sagte er zu ihnen: „Nun habe ich euch in euren Versammlungen besucht - kommt nun auch ihr mich in meiner Versammlung besuchen.“ Damit meinte er seine Lehrstunden an der Qarawiyyin-Moschee.
Der Platz al-Achabine vereinte viele widersprüchliche Welten: Handel und Trägheit, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Erlaubtes und Verbotenes, Offenes und Verborgenes, Ausgesprochenes und Verschwiegenes. Doch die Welt des Cinema al-Achabine war eine sichtbare Welt - eine Welt der Faszination. Jede Woche schenkte sie uns neue Träume und Fantasien, ließ uns in ferne Zeiten und Orte reisen und erfüllte unsere Gespräche mit Vermutungen und Deutungen über Ereignisse, die wir nur aus der Vorstellung kannten. Mein Bruder Ahmed, der zwei Jahre älter war als ich, und ich gehörten zu den treuesten Besuchern dieses Kinos - wenn nicht sogar zu seinen süchtigsten Anhängern. Oft standen wir lange vor dem Kino und versuchten allein anhand des Filmplakats zu erraten, worum es im Film der kommenden Woche gehen würde.
Der Freitag war für uns und für die Kinder der umliegenden Viertel ein Festtag. Wir warteten ungeduldig darauf und baten unsere Mutter inständig um das Geld für eine Eintrittskarte, damit wir in diese magische Flasche eintreten konnten - eine Flasche, die uns aus der Wirklichkeit in den Traum entführte und uns mit Geschichten voller Abenteuer weit weg aus unserer labyrinthartigen Stadt trug.
Eine Zeit der Filme und der Erwartung
Eine Zeit lang waren es Filme über die römische Geschichte, dann wieder Spionagefilme, dann Geschichten aus der arabischen und islamischen Vergangenheit. Der Film selbst war jedoch nicht das Wichtigste. Wichtiger war die erwartete, aufregende Spannung des Kinos. Die Momente des Wartens auf den Beginn der Vorstellung erschienen uns länger als der Film selbst.
Nach der Vorführung spielten wir die Szenen, die wir gesehen hatten, in unserem Viertel oder draußen in der Natur nach - in jener Landschaft, die die Altstadt von Fès im Süden und Westen umgab. Mit den Holzstücken und Ästen, die wir fanden, stellten wir uns Schwerter vor, und aus den Metallbändern, mit denen Waren zusammengebunden wurden, fertigten wir Helme und Rüstungen. All diese Fantasien wurden von jenem weiten, schweren Bau inspiriert, der uns gegenüberstand. Dieses Gebäude war einst eines der Gasthäuser gewesen, wie sie früher in der Altstadt verbreitet waren - Orte, die Reisende und ihre Tiere beherbergten. Später wurde es zu einem Kinosaal aus nacktem Beton umgebaut.
Unsere erste Begegnung mit diesem Ort fand an einem Freitag im Sommer statt. Gemeinsam mit unserem älteren Bruder Mohammed betraten wir den halbdunklen Saal. Die Wände waren dunkel gestrichen und vollkommen schmucklos, ohne jede Dekoration oder prunkvolle Verzierung. Der Boden war noch mit Wasser benetzt, damit der Raum eine angenehme Kühle behielt - eine Kühle, die fast zu einem Mittagsschlaf einlud. Ich war damals fünf Jahre alt und zugleich angespannt und voller Erwartung auf das, was in dieser faszinierenden Welt geschehen würde. Die Zahl der Besucher war gering - vielleicht zehn bis fünfzehn Männer im Erdgeschoss. Frauen hatten dort keinen Zutritt. Verheiratete Frauen hingegen gingen mit ihren Männern in die Loge, also auf den oberen Balkon, für den ein höherer Eintrittspreis verlangt wurde als für unseren einfachen Platz.
Plötzlich erlosch das Licht. Dunkelheit erfüllte den Raum, und gleichzeitig erhoben sich unsere Stimmen. Wie durch Zauberei erschienen auf der großen Leinwand vor uns schwarz-weiße Bilder, und wir hörten Stimmen, die scheinbar aus allen Richtungen kamen. Doch woher kamen diese Bilder und diese Echos? Von unseren groben Holzsitzen im unteren Teil des Saales aus konnten wir ihre Quelle nicht erkennen. Erst später erfuhr ich, dass sie aus einer kleinen Öffnung in der hinteren Wand des oberen Stockwerks der Halle stammten.
Das Kino und der kahle Vorführer
Die Vorführungen im Kino begannen mit der Wochenschau, und manchmal wurden dieselben Nachrichten mehrere Wochen lang erneut gezeigt. Danach folgte ein Werbeblock. Eine der Reklamen, an die ich mich noch erinnere, war die für das Shampoo „Doub“, präsentiert vom Theatermacher Tayeb Saddiki.
Der erste Film, den wir sahen, war „Abu al-Layl“, mit Mahmoud al-Meligy und Ahmed Ramzi in den Hauptrollen. Ägyptische Filme standen damals an der Spitze der Programme in den Kinos. Doch als die Beziehungen zwischen Marokko und Ägypten während der Krise des Sandkriegs von 1963 belastet wurden - nachdem Gamal Abdel Nasser Algerien mit zweitausend ägyptischen Soldaten gegen Marokko unterstützt hatte - verschwanden ägyptische Filme plötzlich vollständig aus den Kinos. An ihre Stelle traten einige wenige historische iranische Filme, etwa „Khagan“ oder „Rostam“. Doch diese fanden beim Publikum keinerlei Anklang. Darauf folgte eine Welle indischer Filme, angeführt von Produktionen wie „Mangala al-Badawiyya“ (1952) und „Mother India“ (1957), dem ersten indischen Film, der für einen Oscar nominiert wurde. Diese Filme begeisterten die einfachen Menschen, die aus den umliegenden und weiter entfernten Vierteln ins Kino al-Achabine strömten. Sie lebten vor allem von Gesang, Tanz und der romantischen Dramaturgie des Traums. In den ersten Jahren wurden sie von Ibrahim as-Sayeh synchronisiert. Der starke Zustrom von Menschen vom Land in die Städte, der Marokko Mitte und Ende der 1960er Jahre prägte, trug wesentlich zur Popularität dieser indischen Produktionen bei. Später folgten auch Filme aus Hongkong und Taiwan.
In dieser Zeit herrschte im Kino al-Achabine eine ganz besondere Atmosphäre - besonders am Freitag, dem Ruhetag der Altstadt. Handwerker, Kunsthandwerker, Schüler, Arbeitslose und viele andere Gruppen strömten dorthin. Oft drängte sich eine Menschenmenge am Eingang, die bis zur Hälfte des Platzes al-Achabine reichte. Jeder tat sein Möglichstes, um zum Ticketschalter vorzudringen und eine Eintrittskarte zu ergattern. Manche kletterten sogar über die Köpfe der Menge, um ihr Ziel zu erreichen. Gegen diese aufgewühlte Menschenmasse halfen weder Drohungen noch das Einschreiten der Kinoangestellten. Wer es schaffte, sich aus diesem wogenden Meer von Menschen zu lösen und in den Saal zu gelangen, hatte gewonnen. Trotz des Gedränges standen am Eingang zwei Aufseher, deren eigentliche Aufgabe darin bestand, die Besucher zu ihren Plätzen zu führen. Der eine hieß Salam. Er war ein rauer Mann, der fluchte und drohte und mit seinem Ledergürtel drohend in der Luft fuchtelte, wenn er nicht die zehn Francs erhielt, die jeder Besucher ihm zustecken musste. Der andere hieß Onkel Ali. Er war ein freundlicher und großzügiger Mann, der manchmal darüber hinwegsah, wenn jemand ihm keine Münze gab - allerdings heimlich, damit Salam es nicht bemerkte und ihn dafür nicht zurechtwies.
Selten erlebten wir eine Filmvorführung ohne technische Probleme mit dem Filmstreifen. Wenn der Film riss, brach im Saal sofort ein Tumult aus. Die Zuschauer schrien, fluchten und beschimpften den Vorführer. Sie nannten ihn „den Kahlen“ - ein Spitzname, der übrigens allen Kino-Vorführern gegeben wurde. Wenn der Film schließlich wieder zusammengeklebt war - manchmal dauerte das lange, manchmal nur kurz - begann die Vorführung an einer ganz anderen Stelle. Dann brach im dunklen Saal erneut ein Sturm der Empörung aus. Diesmal nannten sie den Vorführer nicht nur „den Kahlen“, sondern auch „den Dieb“, weil sie überzeugt waren, er habe ihnen einen Teil des Films gestohlen. Doch wenn wir nach der Vorstellung das Kino verließen und der Vorführer selbst vor dem Eingang stand, wagte keiner von uns auch nur ein Wort gegen ihn zu sagen.
Während der Unterbrechungen stand manchmal ein Zuschauer auf und begann, die Handlung des Films zu erzählen oder sogar sein Ende zu erfinden. Er behauptete, er habe den Film bereits gesehen. Wenn sich jedoch herausstellte, dass die Handlung ganz anders verlief, wurde auch er am Ende mit Spott und Beschimpfungen bedacht.
Es gab auch den umgekehrten Fall: Zuschauer, die den Film tatsächlich schon mehrmals gesehen hatten und ihn auswendig kannten. Sie murmelten während der gesamten Vorstellung die Dialoge mit oder kündigten Ereignisse an, bevor sie auf der Leinwand geschahen. Das störte die anderen Zuschauer und verdarb ihnen die Spannung - weshalb auch sie ihre Portion Flüche abbekamen.
Während der Vorstellung gingen Verkäufer zwischen den Reihen hindurch: einer mit Erdnüssen, ein anderer mit Sonnenblumenkernen, ein dritter mit einem Eimer voller Limonaden. Laut riefen sie ihre Waren aus. Manchmal erschien auch ein Bote aus einem der umliegenden Cafés mit Gläsern Minztee, die jemand vor der Vorstellung bestellt hatte. Er rief laut den Namen des Bestellers, und oft blieb er stehen, das Glas noch in der Hand, um selbst einen spannenden Moment des Films mitzuerleben.
Winterkino und Sommerkino
Manchmal gelang es uns auf irgendeine Weise, das Geld für eine Eintrittskarte im Erdgeschoss aufzutreiben. Doch zuhause verriet uns bald der Geruch von Rauch, der an unseren Kleidern hing. Denn einige Zuschauer rauchten im Saal billige Zigaretten wie Casa Sport oder Favorite, manchmal sogar Kif. So verwandelte sich unsere Freude am Kino zuhause oft in eine kleine Strafpredigt. Zum festen Ritual eines Kinobesuchs gehörte es, während der Vorstellung Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse zu essen. Die Zuschauer im oberen Stockwerk - vor allem jene in den Logen - übten gelegentlich eine Art Sadismus gegenüber den Menschen im Erdgeschoss aus. Sie warfen Zigarettenstummel nach unten, die manchmal in die Kapuze einer wollenen Djellaba fielen. Dann sprang der Betroffene erschrocken auf und riss sich das Gewand herunter, als hätte ihn der Wahnsinn gepackt. Manchmal warfen sie Schalen der Sonnenblumenkerne nach unten. Den Getroffenen blieb nichts anderes übrig, als sie zu verfluchen und ihnen hinterherzurufen: „Möge Gott dir Zahnschmerzen schicken.“
Einige Kinder, die keinen Film sehen konnten, legten ihre Ohren an die Tür des unteren Eingangs neben der Leinwand. So lauschten sie den Dialogen und stellten sich die Szenen in ihrer Fantasie vor. Manchmal taten sogar diejenigen dasselbe, die den Film bereits gesehen hatten. Durch das Hören der Dialoge und der Filmmusik konnten sie die Bilder der Handlung erneut in ihrer Vorstellung entstehen lassen.
Im Winter tropfte Regen durch eine Öffnung im Dach des Gebäudes - eine Öffnung, die ursprünglich zur Belüftung im Sommer gedacht war, aber schlecht abgedeckt war. So fiel der Regen im Saal fast genauso wie draußen auf der Straße. Dann wurde es im Kino eisig kalt. Wir froren und schworen uns jedes Mal, nie wieder zurückzukehren. Doch kaum waren einige Tage vergangen, überkam uns wieder die Sehnsucht nach diesem Zauber - nach jenem Ort, der ein Teil unseres Lebens geworden war und jede Woche aufs Neue unser Paradies der Kindheit darstellte: das Paradiso unseres Cinema al-Achabine.