Perlen der Weisheit

Sufi-Literatur wird durch Gedichte, Geschichten, pädagogische oder metaphysische Vorstellungen oder in Form einer Literatur des Wissens bzw. der "Weisheit" (Hikam) oder Sätze der Weisheit ausgedrückt, die spirituelle Einblicke in die Enthüllung spiritueller Wege erlauben, sowohl innerlich als auch verhaltensmäßig.

 

Perlen der Weisheit, Foto: esther wechsler Ty3C3cIRhug unsplash.com

Diese Sätze, wie das "Hikam" von Ibn Atâ Allâh Al Iskandarî, nähren die Meditationen und die Herzen der „Schüler“, aber auch eine gemeinschaftliche Kultur, die von intellektuellen und spirituellen Werten und Vorstellungen durchdrungen ist.

Der Koran bezieht sich auf Hikma, Weisheit, als ein Geschenk der Vorsehung (Sure 2, Vers 269): Er (Allah) gibt Weisheit, wem Er will; und wem Weisheit gegeben wurde, dem wurde da viel Gutes gegeben. Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand (buchstäblich diejenigen, die das Lubb besitzen) besitzen“.

Es gibt eine andere Stelle im Koran, in der auf diese Gabe der unermesslichen Gnade Bezug genommen wird, die das nobelste Verhalten /Benehmen beschreibt und die "schöne Tat" nährt (Sure 41, Vers 34): "Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die schlechte) ab, dann wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund.“

Dies ist der Weg, der im Herzen des Sufismus vorgezeichnet ist und "ihsân" (Vollkommenheit) oder "makârim al akhlâq" genannt wird, eine Bezeichnung des denkbar nobelsten Verhaltens /Benehmen verkörpert. In einem Hadith sagte der Prophet Mohammed (sas) "Ich wurde gesandt, um Euer nobelstes Verhalten /Benehmen (Moral) zu vervollkommnen."

So wird berichtet, dass der Erzengel Gabriel zur Zeit der Offenbarung des Koranvers (Sure 7, Vers 199): "übe Vergebung, gebiete das Rechte und meide die Unwissenden" zum Propheten (sas) kam und zu ihm sagte: "Oh Muhammed, ich habe dir hervorragende Verhaltensweisen vermittelt (...). Es besteht darin, () demjenigen zu vergeben, der dir gegenüber ungerecht war, () den du dem einen gibst der dir sein Geschenk verweigert, () dass du den besuchst, der sich abgewandt hat, () dass du dich von dem entfernst, der dir gegenüber Unverständnis zeigt () und dass du dem gegenüber, der durch das Böse gegen dich handelt, Gutes tust"

Wie die Praxis der "Hikma" auf sozialer Ebene ausgeübt werden könnte und uns zu solchen Praktiken für die Ausübung spiritueller Unterstützung auf der Ebene eines Unternehmens und insbesondere zu was sie uns inspirieren könnte, kann sich aus unserer Fähigkeit ergeben, Konflikte zu verhindern, zu entschärfen oder zu lösen! Kurz gesagt, könnten wir uns dieses spirituelle Erbe als Quelle der Inspiration vorstellen, um Konfliktsituationen auf zwischenmenschlicher, familiärer, unternehmerischer oder diplomatischer Ebene zu lösen!

Tatsächlich war es eine historische Realität auf marokkanischer Ebene durch die Anweisung einer Vermittlerrolle, die oft bestimmten Persönlichkeiten übertragen wurde, Männern oder Frauen, die für ihre Redlichkeit und Spiritualität bekannt sind.

Die Weisheit oder Hikam sind die Früchte gelebter Erfahrungen, die das Bewusstsein wie ein Blitz durchqueren. Sie werden dann zu Prinzipien oder "Schlüsseln" der Weisheit, die durch eine Kultur ausgedrückt werden und durch ihre Anwendung im täglichen Leben aufschlussreich werden.

Eines dieser Prinzipien ist, dass die beste Lehre die ist, die durch Erfahrung und Probieren gemacht wird: "Die Realität des Staates, sagt ein Sufi-Sprichwort, verzichtet auf Sprache". Das gleiche Prinzip wird folgendermaßen ausgedrückt: Die richtige Einstellung besteht darin, zu versuchen, gute Ergebnisse zu erzielen, ohne andere dazu zwingen es genauso zu machen. Es ist eine besondere Art des Seins, deren Ergebnis eine Form von Meditation und Arbeit an sich selbst ist.

In vielen Traditionen der Weisheit der Menschheit finden wir dasselbe Prinzip: Wir bekämpfen Dunkelheit nicht durch Dunkelheit, sondern indem wir eine Kerze anzünden. So wie wir Hass nicht mit Hass bekämpfen. Hikam sind Weisheiten, die unsere Seele stärken und uns lehren, besser zu leben. Ein Teil der Kampfkünste in Japan ist die Anwendung solcher Prinzipien. Anstatt sich von roher Gewalt inspirieren zu lassen, bleiben sie in einer Art dynamischer Meditation und Selbsterkenntnis gegenüber einem "Feld oder einer Bewegung des Seins" aufmerksam.

Anstatt sich in Aktionismus zu stürzen, in dem wir nichts mehr kontrollieren können, warten wir darauf, dass sich eine bestimmte Konstellation einstellt, um dann zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen. Es wurde gesagt, dass Weisheit darin besteht, gerecht zu denken und zu handeln. Wir könnten hinzufügen "und auch zum geeigneten Zeitpunkt". Der Unterschied zwischen der Praxis der Weisheit und einem einfachen theoretischen Wissen besteht darin, dass das erste aus dem Bewusstsein des eigenen "Ichs" (nafs) und der Notwendigkeit, es zu überwinden, resultiert.

Wenn man die Möglichkeit "zu sehen" nutzt, durch die meditative Praxis von "Dhikr" (Erinnerung), fallen illusorische psychische Bindungen oder "Schleier" auseinander oder lösen sich auf natürliche Weise auf. Es findet ein Prozess der inneren Erleuchtung statt, der diese Geistesblitze hervorruft, wie die des Hikam von Ibn Atâ Allâh. Sie sind Perlen der Weisheit. Es wird nie gesagt, dass sich diese dort befinden, wo das “Ich“ glaubt, sie erfassen zu können.

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*) sas: steht für "Frieden und Gebete Gottes über ihn"
Arabisch: صلى الله عليه وسلم


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