Marokko und Spanien: Eine Partnerschaft unter wachsendem politischem Druck
Die Beziehungen zwischen Marokko und Spanien sind seit 2022 enger geworden. Doch Ceuta, Melilla, die Sahara und die innenpolitische Debatte in Spanien bringen sensible Fragen zurück auf die Tagesordnung. Die Zusammenarbeit funktioniert weiterhin – steht aber vor ihrer ersten ernsthaften politischen Belastungsprobe.

Seit der Neuordnung ihrer Beziehungen 2022 haben Marokko und Spanien eine bemerkenswert enge Partnerschaft aufgebaut. Migration und Sicherheit, Handel und Investitionen sowie die gemeinsame Fußball-Weltmeisterschaft 2030 verbinden beide Länder inzwischen auf zahlreichen Ebenen.
An diesen gemeinsamen Interessen hat sich nichts Grundsätzliches geändert. Doch der politische Ton ist rauer geworden. Die Ereignisse von Ceuta Ende Juli und die wieder offenere Debatte über Ceuta und Melilla haben Fragen zurückgebracht, die Rabat und Madrid in den vergangenen Jahren weitgehend aus ihrer praktischen Zusammenarbeit herausgehalten hatten. Die Hintergründe dieser Entwicklung haben wir bereits ausführlich dargestellt: Ceuta und Melilla: Worum es bei der aktuellen Situation geht. Inzwischen sind jedoch weitere politische Spannungen hinzugekommen.
Rabat reagiert auf die spanische Debatte
In Spanien hält sich der Vorwurf, Marokko habe die außergewöhnliche Migrationsbewegung nach Ceuta zumindest begünstigt. Die inzwischen veröffentlichten spanischen Sicherheitsinformationen liefern dafür jedoch keinen Beleg. Auch Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte ausdrücklich, es gebe keine Hinweise darauf, dass die marokkanischen Behörden die Ereignisse organisiert hätten.
Rabat reagierte am 10. September dennoch ungewöhnlich deutlich auf die anhaltenden Anschuldigungen. Das marokkanische Außenministerium erklärte, das Land werde sich weder zum Instrument des spanischen Vorwahlkampfes noch zum Sündenbock innenpolitischer Auseinandersetzungen machen lassen. Damit richtet sich die Kritik weniger gegen die spanische Regierung als gegen eine politische Debatte, in der das Verhältnis zu Marokko zunehmend zum innenpolitischen Thema wird.
Auch die Sahara kehrt zurück
Fast gleichzeitig hat das spanische Parlament einen erleichterten Zugang zur Staatsangehörigkeit für Sahrauis beschlossen, die während der spanischen Verwaltung der Westsahara geboren wurden. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen auch deren Nachkommen einbezogen werden.
Die Entscheidung ändert nichts an der offiziellen Haltung der Regierung Sánchez zum marokkanischen Autonomieplan. Sie zeigt jedoch, dass die Sahara-Frage innerhalb Spaniens weiterhin eine eigene politische Dynamik besitzt.
Damit stehen innerhalb weniger Wochen gleich mehrere sensible Themen wieder im Raum: Migration, Ceuta und Melilla sowie die Sahara. Keines davon hat bislang die strategische Zusammenarbeit zwischen beiden Regierungen grundsätzlich verändert. Zusammen erhöhen sie jedoch den politischen Druck auf eine Beziehung, deren Stabilität seit 2022 gerade darauf beruhte, solche Konflikte von den gemeinsamen Interessen zu trennen.
Die Zusammenarbeit hält
Das zeigt sich besonders bei der Migration. Selbst während der Ereignisse in Ceuta standen die Innenminister Fernando Grande-Marlaska und Abdelouafi Laftit in engem Kontakt. Madrid bezeichnete die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden ausdrücklich als vorbildlich. Auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch gibt es bislang keine Anzeichen für eine Abkehr vom eingeschlagenen Kurs.
Die gegenwärtige Situation ist deshalb keine neue Krise zwischen Marokko und Spanien. Sie ist vielmehr die erste ernsthafte politische Belastungsprobe für die seit 2022 aufgebaute Partnerschaft. Rabat und Madrid verbindet inzwischen ein dichtes Netz gemeinsamer Interessen. Gerade diese gewachsene Zusammenarbeit bietet beiden Seiten die Möglichkeit, auch sensible politische Fragen auszuhalten, ohne die strategische Partnerschaft aus dem Gleichgewicht zu bringen.