Ceuta und Mellila: Worum es bei der aktuellen Situation geht
Die Ereignisse an der Grenze zu Ceuta haben eine alte politische Frage neu in den Vordergrund gerückt. Während Marokko und Spanien ihre unterschiedlichen Positionen deutlicher formulieren, bleibt die praktische Zusammenarbeit bislang bestehen.
Ende Juli kam es an der Grenze zwischen Marokko und der spanischen Stadt Ceuta zu einer außergewöhnlichen Migrationsbewegung: Innerhalb kurzer Zeit erreichten mehrere Zehntausend Menschen die Stadt. Die spanischen Behörden reagierten mit verstärkter Grenzsicherung sowie beschleunigten Rückführungen; nach Angaben der spanischen Regierung kehrte der überwiegende Teil der Menschen innerhalb weniger Tage wieder nach Marokko zurück.
Als Faktoren für den plötzlichen Anstieg nennen marokkanische und spanische Stellen unter anderem Fehlinterpretationen eines spanischen Gerichtsurteils zu den Rückführungsregeln in Ceuta und Melilla, die sich in sozialen Netzwerken verbreiteten, sowie die Aktivität von Schleusernetzwerken. Beide Regierungen haben ihre Zusammenarbeit bei der Grenzsicherung und den Rückführungen seither fortgesetzt. Für eine staatliche Organisation der Migrationsbewegung durch Marokko liegen nach Angaben der spanischen Regierung bislang keine belastbaren Belege vor.
Eine alte Frage rückt wieder in den Vordergrund
Die Ereignisse haben in beiden Ländern eine seit Langem bestehende Debatte neu belebt: die Frage nach dem Status von Ceuta und Melilla. Marokko erhebt seit Langem Anspruch auf Ceuta und Melilla, während Spanien beide Städte als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets betrachtet. Diese unterschiedlichen Positionen sind nicht neu – sie reichen historisch weit zurück und wurden in unserem Beitrag „Wie eine marokkanische Stadt portugiesisch und später spanisch wurde“ ausführlich eingeordnet.
Wie sich beide Seiten derzeit positionieren
In den vergangenen Wochen haben Stimmen aus Politik und Öffentlichkeit beider Länder die jeweils eigene Sichtweise deutlicher als sonst artikuliert.
Auf spanischer Seite haben Regierung, Parlament und einzelne Parteien die Zugehörigkeit Ceutas und Melillas zu Spanien in den vergangenen Wochen wiederholt und mit Nachdruck bekräftigt. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte zudem an, die europäische Einbindung beider Städte ausbauen zu wollen, etwa durch eine engere Anbindung an die EU-Zollunion. Zusätzlich gab die Regierung bekannt, dass König Felipe VI. in den kommenden Wochen Ceuta und Melilla besuchen werde. Es wäre der erste Besuch Felipes VI. in beiden Städten seit seiner Thronbesteigung 2014. Zuletzt hatte Juan Carlos I. Ceuta und Melilla 2007 als amtierender spanischer König besucht.
Auf marokkanischer Seite haben zwei Regierungsmitglieder öffentlich an die historische und geografische Verbundenheit Ceutas und Melillas mit Marokko erinnert und dafür geworben, diese Sichtweise stärker anzuerkennen. Parallel dazu kursieren seit Anfang September in sozialen Netzwerken Aufrufe zu einer Demonstration am 20. September, die sich auf die Zugehörigkeit der beiden Städte bezieht. Eine offizielle Unterstützung oder Organisation dieser Aufrufe durch die marokkanische Regierung liegt bislang nicht vor; die Behörden haben in der Vergangenheit erklärt, ähnliche Online-Mobilisierungen zu beobachten und gegen unerlaubte Grenzübertritte vorzugehen.
Zusammenarbeit bleibt die Grundlage
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Frage nach dem Status beider Städte auf beiden Seiten wieder stärker öffentlich verhandelt wird als in den Jahren zuvor. Gleichzeitig ist die praktische Zusammenarbeit zwischen Marokko und Spanien in den Bereichen Migration, Sicherheit und Wirtschaft davon bislang nicht grundsätzlich berührt. Beide Regierungen haben wiederholt erklärt, an den bestehenden Kooperationsmechanismen festhalten zu wollen. Mit dem angekündigten Besuch Felipes VI. und den Aufrufen für den 20. September wird sich bereits in den kommenden Wochen zeigen, ob die politische Symbolik die Zusammenarbeit belastet – oder ob beide Regierungen weiterhin beides voneinander trennen können.
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Quellen:
Offizielle Mitteilungen der marokkanischen und spanischen Regierung sowie ihrer Innenministerien; Tribunal Supremo; Europäische Kommission; ergänzende Berichterstattung von EFE, RTVE und SNRT News. Stand: 6. September 2026.