Marokkos Städtereisen rücken in den Fokus europäischer Veranstalter
Marokko wird im europäischen Reisemarkt zunehmend vielfältiger wahrgenommen. Lange bestimmten vor allem Marrakesch und die Badeorte an der Atlantikküste das Bild des Landes in den Programmen großer Reiseveranstalter. Nun rücken weitere Städte stärker in den Blick. Der deutsche Reisekonzern TUI erweitert sein Angebot für britische Urlauber um Fès, Rabat und Tanger – drei Städte, die jeweils eine andere Seite Marokkos zeigen.

Die Erweiterung erhält ihre eigentliche Bedeutung vor dem Hintergrund der Entwicklung des marokkanischen Tourismus. 2025 empfing das Land 19,8 Millionen Besucher, 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei der britische Markt: Die Zahl der Besucher aus dem Vereinigten Königreich stieg um 18 Prozent. Auch die Übernachtungen in klassifizierten Beherbergungsbetrieben nahmen landesweit zu und erreichten 43,4 Millionen.
TUI reagiert nun auf diese Entwicklung, indem der Veranstalter sein Marokko-Programm für britische Kunden breiter aufstellt. Neben Agadir und Taghazout sowie Marrakesch werden inzwischen auch Fès, Rabat und Tanger als eigenständige Reiseziele angeboten. TUI beschreibt Marokko dabei ausdrücklich als Kurzstreckenziel, das Sonne und Kultur mit vergleichsweise kurzen Flugzeiten verbindet. Der Veranstalter will damit unterschiedliche Reiseinteressen bedienen – vom klassischen Badeurlaub über Städtereisen bis zu weniger bekannten Reisezielen.
Drei Städte, drei unterschiedliche Seiten Marokkos
Gerade die Auswahl der neuen Ziele ist bemerkenswert. Fès steht wie kaum eine andere Stadt für das historische und kulturelle Erbe des Landes. Die Medina Fès el-Bali gehört zum UNESCO-Welterbe; Handwerk, Architektur und die jahrhundertealte Stadtstruktur machen Fès zu einem Ziel, bei dem das kulturelle Erlebnis im Mittelpunkt steht. TUI vermarktet die Stadt entsprechend als Alternative zum wesentlich bekannteren Marrakesch. Rabat bietet ein anderes Bild. Die Hauptstadt verbindet historische Monumente und Medina mit einer modernen, vergleichsweise ruhigen Metropole am Atlantik. Auch TUI positioniert Rabat ausdrücklich als Städtereiseziel und hebt dabei die Souks, Gärten und UNESCO-Stätten hervor. Tanger wiederum steht für Marokkos mediterrane Seite und seine Lage an der Nahtstelle zwischen Afrika und Europa. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und städtebaulich stark verändert und verbindet historische Medina, Hafenstadt und moderne Metropole. Für europäische Reisende bietet sie damit ein anderes Marokko-Erlebnis als die klassischen Ferienzentren.
Dass solche Städte stärker in die Programme großer Veranstalter aufgenommen werden, erweitert das touristische Angebot des Landes. Der internationale Marokko-Tourismus muss dadurch nicht mehr überwiegend über wenige bekannte Destinationen funktionieren. Kultur, Architektur, Geschichte, Gastronomie und das urbane Leben können selbst zum Anlass einer Reise werden.
Bereits vor der jüngsten Zuwachsphase, in den ersten zehn Monaten 2024, zeigte sich die Bedeutung dieser Städte in den Zahlen des Observatoire du Tourisme: Tanger, Fès und Rabat gehörten bei den Übernachtungen in klassifizierten Unterkünften zu den bedeutenderen marokkanischen Städtedestinationen außerhalb von Marrakesch, Agadir und Casablanca. In diesem Zeitraum wurden in Tanger rund 1,51 Millionen Übernachtungen registriert, in Fès knapp 800.000 und in Rabat gut 713.000.
Vom Reiseziel zur Vielfalt der Reiseziele
Je mehr Regionen und Städte international als eigenständige Reiseziele wahrgenommen werden, desto breiter streuen sich die wirtschaftlichen Effekte des Tourismus: Profitieren können davon nicht nur Hotels, sondern auch Restaurants, Kulturangebote, lokales Handwerk und der Verkehrssektor. Die Entscheidung von TUI fügt sich in diesem Sinn in die zunehmende Vielfalt des marokkanischen Tourismus ein: Ein Land, das lange über wenige international bekannte Ziele vermarktet wurde, bietet europäischen Reisenden zunehmend mehr Gründe für einen Besuch – und mehr davon zu entdecken, sobald sie da sind.