Schneeberge und Sanddünen - Trekking in Marokko

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Schroffe 4000er-Gipfel und tiefe Schluchten, Sanddünen und Steinwüste, grüne Flusstäler und Palmenoasen – die vielfältigen Landschaften Marokkos sind ein Wanderparadies. Marokko-Expertin Astrid Därr stellt die schönsten Regionen vor.

 

Gipfelglück im Hohen Atlas

  Leseprobe aus:
 

Leseprobe aus dem Reiseführer "Südmarokko mit Marrakesch, Agadir und Essaouira", Foto: Reise-Know-How-Verlag

„Bonjour, ça va?“ ruft uns der kleine Berberjunge vom Rücken eines kugelbäuchigen Esels entgegen und grinst. Wir winken ihm zu und setzen unseren Weg entlang der Bewässerungskanäle und Terrassenfelder mit Mandel-, Walnuss- und Apfelbäumen fort. Unsere mehrtätige Trekkingtour im Hohen Atlas führt durch karge Gebirgslandschaften, über Pässe mit knorrigen Wacholderbäumen auf bis zu 4000 m hohe Gipfel, in grüne Flusstäler und durch abgelegene Berberdörfer, in denen die Menschen in ihren Hütten aus Lehm oder Bruchstein noch zu leben scheinen wie vor hundert Jahren.

Im gemütlichen Tempo marschieren wir jeden Tag etwa drei Stunden vormittags und zwei bis drei Stunden nachmittags. Die Orientierung auf den vielen verzweigten und unmarkierten Hirtenpfaden fällt schwer. Dafür begleitet uns ein lizenzierter, marokkanischer Bergführer, der den Hohen Atlas wie seine Westenstasche kennt. Unser Gepäck, die Zelte, Matten, Verpflegung und Küchenausrüstung transportieren Maultiere, die sich jeden Morgen von den einheimischen Mulitreibern geduldig bepacken lassen. Ohne diese Mannschaft wäre eine Trekkingtour nur unter größeren Strapazen möglich und eine Verständigung mit der lokalen Bevölkerung, die häufig nur Berberdialekte oder Arabisch spricht, schwierig. Zudem sichern wir den Mulitreibern, dem Koch und dem Guide auf diese Weise ein kleines Einkommen. Unser Koch überrascht uns jeden Abend aufs neue mit einem 3-Gänge-Menü: Suppe, Tajine mit frischem Gemüse und Wassermelone oder Orangen mit Zimt als Nachspeise. Dazu gibt es das marokkanische Nationalgetränk: Thé à la menthe, grüner Tee mit Minze.

Endziel unserer Runde durch die marokkanische Bergwelt ist der 4167 m hohe Djebel Toubkal, der höchste Gipfel Nordafrikas. Unterwegs campen wir inmitten der großartigen Natur des Atlasgebirges, meist nahe einfacher Schäfereien, die Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden im Sommer als Zwischenquartier bei ihrem Zug über die Hochweiden nutzen. Nach ein paar Tagen haben wir eine Dusche nötig und übernachten in einem Dorf in einer Gîte d´étape. Im bescheidenen, aber blitzsauberen Haus einer Berberfamilie richten wir auf Matratzen am Boden unser Lager ein und genießen eine Körperwäsche im Hammam.

Der Hohe Atlas dehnt sich vom Atlantik bei Agadir auf einer Länge von etwa 700 km in Richtung Nordosten aus. Die Gipfelketten von über 4000 m um den Djebel Toubkal und Djebel M´Goun sowie über 3000 m Höhe im Osten um den Djebel Ayachi trennen den mediterranen Norden vom wüstenhaften Süden. Die Flüsse Dadès, Todra und Ziz und gruben tiefe Schluchten in den Hohen Atlas – von Dezember bis März liegt hier Schnee.

Unsere Wanderroute führt von Oukaimeden entlang des Imenane-Tals durch ursprüngliche Berberdörfer und über karge Pässe. Nach drei Tagen steigen wir ins Mizane-Tal nach Imlil ab. Der Touristenort mit Gästehäusern, Restaurants und Souvenirhändlern ist Ausgangspunkt für die Besteigung des Djebel Toubkal. Hinter dem Dorf Aroumd auf 1900 m Höhe führt ein breiter Pfad vom Flussbett den Hang hinauf. 2 Std. Marsch sind es von hier bis zum Pilgerort Sidi Chamharouch (2500 m) zwischen violett-blauen Felsen an einem Gebirgsbach. Hinter den Teebuden liegt das Heiligtum: ein weiß gestrichener Fels, zu dem die muslimischen Gläubigen pilgern, um einen unerfüllten Wunsch wahr werden zu lassen. Nach etwa 2.30 Std. erreichen wir einen imposanten Kessel zwischen dem Toubkal-Massiv und der Ouanoukrim-Kette. Unterhalb der beiden Hütten schlagen wir unsere Zelte auf. Frühmorgens beginnt der langsame Marsch über Geröllfelder zum Gipfel.

Seite 2: Kullerfelsen im Antiatlas

Seite 3: Praktische Informationen: Trekking in Marokko

Nach drei Stunden Aufstieg haben wir es geschafft: Wir stehen vor der pyramidenförmigen Stahlkonstruktion auf dem Gipfel des Djebel Toubkal (4167 m). Trotz der grandiosen Aussicht auf die dunkle Steinwüste unter dem tiefblauen Himmel, halten wir es im eisigen Wind nicht lange hier oben aus. Erschöpft erreichen wir gegen Mittag unser Camp und freuen uns nach den staubigen Trekkingtagen auf den Komfort im warmen Marrakesch. 

Kullerfelsen im Antiatlas
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