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Marokko und Dänemark schufen 1753 eine besondere Verbindung

#VergesseneVerbindungen: Mitte des 18. Jahrhunderts lagen zwischen Kopenhagen und Marrakesch nicht nur Tausende Kilometer. Es waren zwei politische und wirtschaftliche Welten, deren Wege sich auf den ersten Blick kaum hätten kreuzen müssen. Im Norden Europas regierte Frederik V. über Dänemark und Norwegen, im Süden herrschte die Dynastie der Alaouiten über Marokko. Und doch entstand zwischen beiden Reichen eine Verbindung, die über Handel und Diplomatie hinausging und für einige Jahre Dänen an die marokkanische Atlantikküste führte.

1753 begann eine besondere Verbindung zwischen Marokko und Dänemark. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstellt

Dänemark war damals weit mehr als das vergleichsweise kleine Land, das wir heute kennen. Frederik V. regierte seit 1746 in einer absoluten Monarchie über das Doppelreich Dänemark-Norwegen und weitere Besitzungen. Seine Kaufleute blickten zunehmend über Nord- und Ostsee hinaus. Dänisch-norwegische Schiffe drangen stärker in den Mittelmeerhandel vor, während Kopenhagen versuchte, sich einen Platz in jenem internationalen Handel zu sichern, den die großen europäischen Seemächte längst beherrschten. Verträge mit den Herrschaften an der nordafrikanischen Mittelmeerküste sollten dabei auch die freie Passage der eigenen Schiffe sichern. 1746 hatte Dänemark einen Friedensvertrag mit der osmanischen Regentschaft Algier geschlossen, die innerhalb des Osmanischen Reiches über weitreichende Eigenständigkeit verfügte; Anfang der 1750er Jahre folgten entsprechende Vereinbarungen mit den ebenfalls zum osmanischen Herrschaftsraum gehörenden Regentschaften Tripolis und Tunis.

Auch auf der anderen Seite befand sich ein Land in Bewegung. Marokko hatte die schweren inneren Auseinandersetzungen der Jahrzehnte nach dem Tod Moulay Ismaïls allmählich hinter sich gelassen. Sultan Moulay Abdallah herrschte über das Land, während sein Sohn Sidi Mohammed ben Abdallah in Marrakesch bereits erhebliche politische Verantwortung trug. Der spätere Mohammed III. trat damit schon vor seiner Thronbesteigung 1757 als eigenständig handelnde politische Figur hervor.

So blickten Mitte des 18. Jahrhunderts beide Seiten auf das Meer – allerdings aus unterschiedlichen Richtungen. Dänemark suchte sichere Handelswege und neue Märkte. Für Marokko eröffneten die europäischen Handelskontakte zusätzliche wirtschaftliche und diplomatische Möglichkeiten.

Als dänische Schiffe nach Safi kamen

Kopenhagener Kaufleute hatten bereits vor den offiziellen Verhandlungen Schiffe nach Safi und Agadir geschickt. In europäischen und auch dänischen Quellen jener Zeit erscheint Agadir teilweise noch unter Bezeichnungen wie Santa Cruz oder St. Croix. Sie gehen auf den portugiesischen Stützpunkt Santa Cruz do Cabo de Gué zurück, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts dort errichtet und 1541 von den Saadiern eingenommen wurde.

Die gelegentlich bis heute anzutreffende Aussage, Agadir sei 1505 von den Portugiesen gegründet worden, verkürzt allerdings die Geschichte des Ortes auf diese portugiesische Episode. Bereits der damalige lokale Name Agādīr-n-Arbāʿa verweist auf einen vorhandenen marokkanischen Ort. „Agadir" ist ein Begriff aus dem Tachelhit beziehungsweise Amazigh und bezeichnet eine befestigte Anlage oder einen befestigten Speicher. Die Portugiesen gründeten also nicht Agadir, sondern errichteten dort ihren eigenen Handels- und Militärstützpunkt.

Für die dänischen Kaufleute des 18. Jahrhunderts lag diese Geschichte längst zurück. Ihre ersten Handelsfahrten an die marokkanische Küste erschienen vielversprechend. Daraus erwuchs in Kopenhagen die Vorstellung, den Handel mit Marokko dauerhaft zu organisieren.

Doch die Annäherung verlief keineswegs geradlinig.

1751 kam eine dänische Delegation unter Leitung des in dänischen Diensten stehenden Oberstleutnants Longueville nach Marokko, um über weitreichende Handelsrechte zu verhandeln. Die Gespräche führten zunächst zu Vereinbarungen, deren Umfang jedoch Konflikte auslöste. Andere europäische Kaufleute sahen ihre Interessen bedroht, die Situation verschärfte sich. Schließlich wurden Longueville und etwa zwanzig seiner Begleiter festgesetzt und nach Marrakesch gebracht. Was als Handelsmission begonnen hatte, entwickelte sich zu einer diplomatischen Krise.

Nun kamen Diplomatie und Seemacht gleichzeitig ins Spiel. Sidi Mohammed entsandte Samuel Sumbel nach Kopenhagen. Der aus einer sephardisch-jüdischen Familie stammende marokkanische Vermittler reiste an den Hof Frederiks V. Der dänische König wiederum entsandte vier Fregatten nach Marokko, um auf die Freilassung der Gefangenen hinzuwirken.

Zu dieser Flotteneinheit gehörte die Fregatte Christiansborg, an deren Bord sich der junge Seeoffizier Peter Schiønning befand. Seine erhaltenen Tagebücher machen die Ereignisse bis heute ungewöhnlich anschaulich. Sie berichten von der Fahrt nach Marokko, den Verhandlungen in Safi und schließlich von einer Katastrophe.

Am 3. Juni 1753 stieg vor Safi dichter Rauch aus der ebenfalls dort liegenden dänischen Fregatte Falster. An Bord war ein Feuer ausgebrochen. Rettungsboote wurden ausgesetzt, Seeleute sprangen ins Wasser, auch Menschen vom marokkanischen Ufer beteiligten sich an der Rettung. Doch für 132 Männer kam jede Hilfe zu spät. Noch am folgenden Morgen waren die Überreste des Schiffes vor der Küste zu sehen.

Zwei Wochen später fanden die langwierigen Verhandlungen zu einem Ergebnis.

Am 18. Juni 1753 schlossen Frederik V. von Dänemark-Norwegen und Sidi Mohammed ben Abdallah als Regent von Marrakesch einen neuen Vertrag. Er regelte unter anderem den Schutz dänischer Schiffe, den Handel und die künftigen Beziehungen zwischen beiden Reichen. Dänemark verpflichtete sich zugleich zu regelmäßigen Leistungen an die marokkanische Seite. Vorgesehen war außerdem die Gründung einer privilegierten dänischen Handelsgesellschaft für den Marokkohandel.

Aus einer schwierigen Begegnung war eine institutionalisierte Verbindung geworden.

Eine Handelsgesellschaft für Marokko

Zwei Jahre später nahm dieses Vorhaben konkrete Gestalt an. Außenminister Johann Hartwig Ernst von Bernstorff gehörte auf dänischer Seite zu den treibenden Kräften. 1755 erhielt die Dänisch-Afrikanische Kompanie ihre königliche Oktroy. Damit entstand etwas, das die große Entfernung zwischen beiden Reichen plötzlich sehr konkret machte. Die Gesellschaft unterhielt Handelsstationen in Safi, Agadir und Salé. Daneben gab es einen dänischen Konsul, der nicht Angestellter der Gesellschaft war, sondern den König in Kopenhagen vertrat. Sein Sitz befand sich zunächst in Safi und später in Essaouira. Handel und staatliche Vertretung waren damit organisatorisch getrennt, auch wenn ihre Aufgaben vor Ort eng miteinander verbunden waren.

Schiffe brachten europäische Waren nach Marokko und nahmen marokkanische Erzeugnisse für die europäischen Märkte auf. Kaufleute investierten Kapital, Seeleute liefen marokkanische Häfen an, und Nachrichten über das Land gelangten nach Kopenhagen.

Für Kopenhagen war Marokko damit nicht länger nur ein fernes Reich jenseits des Mittelmeers. Menschen reisten zwischen beiden Ländern, Waren wechselten die Küsten, und an die Stelle gelegentlicher Kontakte traten dauerhaftere Beziehungen.

Doch für Marokko war Dänemark nur ein Teil einer wesentlich größeren Entwicklung.

Ein Sultan öffnet Marokko zur Welt

Als Sidi Mohammed 1757 seinem Vater auf den Thron folgte, weitete er die internationalen Beziehungen des Landes erheblich aus. Mohammed III. schloss Verträge mit einer bemerkenswerten Zahl europäischer Mächte und Staaten. Die Verbindung mit Dänemark erscheint aus dieser Perspektive nicht mehr als isoliertes Ereignis, sondern als früher Bestandteil einer breiteren außenwirtschaftlichen Orientierung Marokkos.

Besonders sichtbar wurde diese Politik an der Atlantikküste. Mohammed III. ließ Mogador, das heutige Essaouira, zu einem königlichen Hafen und wichtigen Zentrum des Außenhandels ausbauen. Auch die dänische Vertretung verlagerte sich später dorthin.

Zu den Dänen, die in diesen Jahren nach Marokko kamen, gehörte Georg Høst. 1760 trat er dort zunächst als Angestellter der Dänisch-Afrikanischen Kompanie seinen Dienst an. Er lernte Arabisch und wurde später Vizekonsul in Mogador. Dadurch konnte er das Land aus einer Nähe beobachten, die für europäische Besucher jener Zeit ungewöhnlich war.

Nach seiner Rückkehr veröffentlichte Høst seine Beobachtungen. Sein Werk erschien 1779 in Dänemark und wenig später auch in deutscher Übersetzung. Damit hinterließ die Verbindung zwischen beiden Ländern etwas, das weit über ihre wirtschaftliche Bilanz hinausreichte: Wissen über Marokko gelangte zu einem nordeuropäischen Publikum, dem dieses Land bis dahin weitgehend unbekannt gewesen war.

Høst war dabei nicht der Einzige. Die Begegnungen jener Jahre brachten Berichte von Seeleuten, Kaufleuten, Diplomaten und ehemaligen Gefangenen hervor. Einige wurden auch außerhalb Dänemarks verbreitet. Die Verbindung zwischen beiden Reichen hinterließ damit nicht nur Spuren in Handelsakten und diplomatischen Archiven, sondern auch in der europäischen Wahrnehmung Marokkos.

Die Dänisch-Afrikanische Kompanie bestand bis 1768. Danach wurden die vertraglichen Beziehungen zwischen Dänemark und Marokko neu geordnet. Die Gesellschaft selbst gehörte damit einer vergleichsweise kurzen Phase an – die Kontakte, die in diesen Jahren entstanden waren, reichten jedoch darüber hinaus.

Schiffe hatten neue Handelswege erschlossen, ein marokkanischer Gesandter war an den dänischen Königshof gereist, dänische Vertreter hatten in Marokko gelebt, und Menschen wie Georg Høst hatten ein Wissen über das Land nach Nordeuropa getragen, das dort zuvor kaum vorhanden gewesen war. Eine Handelsinitiative hatte sich damit zu etwas Dauerhafterem gewandelt: zu einer frühen diplomatischen und kulturellen Verbindung zwischen zwei geographisch weit voneinander entfernten Ländern.

Heute erscheinen Marokko und Dänemark auf der europäischen Landkarte wieder weit voneinander entfernt. Wer jedoch in ihre Geschichte zurückblickt, entdeckt, dass ihre Verbindung mehr als zweieinhalb Jahrhunderte zurückreicht. Und irgendwo zwischen den Kaufmannshäusern Kopenhagens, dem Hafen von Safi und dem Hof von Marrakesch begann 1753 eine jener Verbindungen, die aus dem allgemeinen historischen Gedächtnis weitgehend verschwunden sind – obwohl ihre Spuren bis heute erhalten geblieben sind.

 

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Quellen und weiterführende Literatur

Svein Atle Skålevåg: „Truths from Morocco: Knowledge Production and Danish-Moroccan Encounters in the Eighteenth Century“, Itinerario, Vol. 47, Cambridge University Press, 2023, S. 24-39. Zentrale moderne wissenschaftliche Untersuchung zu den dänisch-marokkanischen Beziehungen der 1750er und 1760er Jahre.

Peter Schiønning: Tagebuch der Fahrt der Christiansborg 1752-1753, Schiønnings Samling, Handschriftensammlung der Königlichen Bibliothek Kopenhagen; Auszüge veröffentlicht durch Danmarkshistorien/Lex. Zeitgenössische Quelle für die Flottenmission und den Brand der Falster vor Safi.

J. L. Rasmussen: Det under Kong Frederik den Femte oprettede Danske Afrikanske Compagnies Historie, Kopenhagen 1818. Frühe Darstellung der Geschichte der Dänisch-Afrikanischen Kompanie.

Georg Høst: Efterretninger om Marókos og Fes, Kopenhagen 1779; deutsch: Nachrichten von Marókos und Fes, im Lande selbst gesammlet, in den Jahren 1760 bis 1768, Kopenhagen 1781.

J. F. P. Hopkins: „Socioeconomic Dimensions of Reconquista and Jihad in Morocco: Portuguese Dukkala and the Saʿdid Sus, 1450-1557“, International Journal of Middle East Studies. Zur Geschichte von Santa Cruz do Cabo de Gué und zur bereits vorhandenen lokalen Bezeichnung Agādīr-n-Arbāʿa.

Pierre de Cenival (Hrsg. und Übers.): Chronique de Santa-Cruz du Cap de Gué (Agadir), Paris 1934. Edition einer portugiesischen Chronik des 16. Jahrhunderts zur Geschichte des portugiesischen Stützpunktes.

 

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