Strategische und widerstandsfähige Partnerschaft mit der EU
In Brüssel hat Marokko deutlich gemacht, dass es seine Beziehungen zur Europäischen Union neu ausrichten will. Außenminister Nasser Bourita warb für eine strategische Weiterentwicklung, die über das klassische Nachbarschaftsmodell hinausgeht und stärker auf Stabilität, gemeinsame Entscheidungsmechanismen sowie langfristige Investitionen setzt.

Vor den Delegationen beider Seiten unterstrich Bourita, dass Marokko sich nicht allein als verlässlicher Partner, sondern als aktiver Mitgestalter eines gemeinsamen politischen und wirtschaftlichen Rahmens begreift. Das Königreich habe der EU ein strukturiertes strategisches Angebot vorgelegt, das auf Stabilität, wirtschaftliche Komplementarität, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und stärkere Vernetzung ausgerichtet ist. In diesem Kontext positioniert sich Marokko als verbindendes Element zwischen Europa, dem südlichen Mittelmeerraum und Afrika.
Nach Einschätzung des Ministers haben mehr als fünf Jahrzehnte bilateraler und regionaler Zusammenarbeit die Grundlage geschaffen, um die Beziehungen auf eine neue qualitative Ebene zu heben. Diese Entwicklung folge einer königlichen Leitlinie, die eine strategische Vertiefung anstrebt und die Logik bloßer Nachbarschaft zugunsten einer tragfähigen Allianz überwinden will.
Mit Blick auf die vergangenen Jahre seit dem Assoziationsrat von 2019 zog Bourita eine insgesamt positive Bilanz. Er verwies auf Fortschritte in Bereichen wie Werteannäherung, wirtschaftlicher Konvergenz und sozialem Zusammenhalt, Wissensaustausch sowie politischer Abstimmung und sicherheitspolitischer Kooperation. Zugleich betonte er, dass jede strategische Partnerschaft auf Vorhersehbarkeit und frühzeitiger Konsultation beruhen müsse.
Eine weitere Vertiefung der Beziehungen setze eine stärkere normative und regulatorische Annäherung, dauerhafte hochrangige Konsultationsmechanismen sowie gemeinsame Investitionen in Zukunftssektoren voraus. Bourita hob zudem hervor, dass Marokko in Entscheidungsprozesse, die das Land unmittelbar betreffen, frühzeitig eingebunden werden müsse, da Konsultation Vertrauen schaffe und die langfristige Tragfähigkeit der Partnerschaft sichere.
Die gemeinsam mit Spanien und Portugal geplante Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 bezeichnete der Minister schließlich als konkrete Chance, die Partnerschaft operativ zu beschleunigen. Sie ermögliche greifbare Fortschritte in Bereichen wie Verkehr, Logistik, Digitalisierung, nachhaltiger Infrastruktur, Sicherheit und verantwortungsvollem Tourismus und könne so zu einer engeren praktischen Verknüpfung beider Seiten des Mittelmeers beitragen.