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Marokko und USA setzen auf Kontinuität in der Sicherheitsallianz

Der Besuch hochrangiger US-Kongressdelegationen in Rabat unterstreicht die strategische Tiefe der marokkanisch-amerikanischen Beziehungen, die militärische Zusammenarbeit, gemeinsame Sicherheitsinteressen sowie die Rolle Marokkos als stabilisierender Akteur in Afrika unterstreicht.

Marokko und USA setzen auf Kontinuitaet. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstellt

Es gibt Begegnungen, die nicht auf Ankündigungen zielen, sondern auf Bestätigung. Der Austausch zwischen Vertretern des US-Kongresses und der marokkanischen Verteidigungsführung gehört zu dieser Kategorie. Er fügt sich ein in eine lange Linie strategischer Verständigung, die weniger von spektakulären Wendepunkten lebt als von einer bemerkenswerten Kontinuität.

Die Beziehungen zwischen Marokko und den Vereinigten Staaten zählen zu den seltenen Fällen transatlantischer Partnerschaft, die weder von ideologischen Schwankungen noch von kurzfristigen geopolitischen Moden getragen werden. Sie beruhen auf einer historischen Tiefe, die sich im Laufe der Zeit in belastbare sicherheits- und verteidigungspolitische Strukturen übersetzt hat. Dass eine Delegation des US-Kongresses unter Führung von Jason Smith diese Kontinuität in Rabat erneut bekräftigte, war weniger ein politisches Signal nach außen als ein Zeichen gegenseitiger Verlässlichkeit.

Im Zentrum dieser Beziehung steht seit Jahren die militärische Zusammenarbeit. Sie ist nicht nur operativ dicht, sondern institutionell verankert - durch regelmäßige Konsultationsformate, strategischen Austausch auf hoher Ebene und gemeinsame Übungen. Das Manöver African Lion hat sich dabei zu mehr als einer technischen Trainingsplattform entwickelt. Es fungiert als Labor multinationaler Interoperabilität und zugleich als Ausdruck eines sicherheitspolitischen Selbstverständnisses, das Kooperation über Abschottung stellt.

Diese sicherheitspolitische Dimension ist jedoch untrennbar mit einer politischen Haltung verbunden. Die klare Position der Vereinigte Staaten zur Souveränität Marokkos über sein gesamtes Staatsgebiet wird in Rabat nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines umfassenderen Verständnisses von Stabilität. Sie signalisiert Anerkennung für ein Staatsmodell, das territoriale Integrität, institutionelle Kontinuität und regionale Verantwortung miteinander verbindet.

In diesem Zusammenhang verweist Marokko zunehmend auf seine Rolle über die eigene Nachbarschaft hinaus. Unter der Führung von Mohammed VI hat das Königreich eine Afrika-Strategie entwickelt, die Sicherheit, wirtschaftliche Integration und Süd-Süd-Kooperation zusammendenkt. Marokko versteht sich dabei nicht als Vorposten externer Interessen, sondern als eigenständiger Akteur, der Stabilität als gemeinschaftliches Projekt begreift - getragen von Infrastruktur, Diplomatie und sicherheitspolitischer Kooperation.

Gerade hierin liegt der eigentliche Kern der marokkanisch-amerikanischen Verständigung. Sie ist weniger ein klassisches Bündnis als eine strategische Resonanz: Washington findet in Rabat einen Partner, der regionale Komplexität kennt und handlungsfähig bleibt; Marokko wiederum setzt auf Beziehungen, die nicht von Abhängigkeit, sondern von gegenseitigem Nutzen geprägt sind.

In einer internationalen Ordnung, die zunehmend von Brüchen, Unsicherheiten und wechselnden Allianzen bestimmt wird, gewinnt diese Art von Partnerschaft an Bedeutung. Nicht, weil sie laut ist, sondern weil sie trägt. Kontinuität wird hier zur strategischen Ressource - und Vertrauen zu einer politischen Währung, die selten geworden ist.