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Digitale Souveränität: Marokko stärkt Glasfaserproduktion

Mit der Inbetriebnahme einer neuen Glasfaserfabrik in Berrechid baut Marokko seine digitale Industrie gezielt aus. Die Investition stärkt die nationale Versorgung mit Schlüsselkomponenten für Breitband- und Mobilfunknetze, reduziert Importabhängigkeiten und positioniert den Standort im wachsenden afrikanischen Markt für digitale Infrastruktur. Der Schritt zeigt, wie industrielle Politik, Digitalisierung und wirtschaftliche Souveränität zunehmend zusammenspielen.

 

Fiktive Produktionshalle für Glasfser. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstelltMit der Einweihung einer neuen Industrieanlage in Berrechid setzt Marokko einen wichtigen Schritt beim Ausbau seiner digitalen Infrastruktur. Das Unternehmen FBR CABLES nahm im Februar 2026, im Beisein von Industrie- und Handelsminister Ryad Mezzour eine moderne Produktionsstätte für Glasfaser- und Netzwerkkabel in Betrieb. Die Investition von rund 200 Millionen Dirham zielt darauf ab, die nationale Versorgung mit optischen Kabeln deutlich zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.

Die neue Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund 15.000 Quadratmetern und verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 70.000 Kilometern Glasfaserkabel. Nach Angaben des Unternehmens entspricht dies einem erheblichen Anteil des aktuellen marokkanischen Bedarfs, der je nach Ausbauprogrammen zwischen 120.000 und 130.000 Kilometern pro Jahr liegt. Damit könnte die Anlage perspektivisch bis zu 60% des nationalen Marktes abdecken.

Aus sozialer Sicht entstehen mit dem Projekt 165 direkte Arbeitsplätze, ergänzt durch mehr als 500 indirekte Stellen entlang der Liefer- und Dienstleistungsketten. Die industrielle Ansiedlung stärkt damit die wirtschaftliche Rolle der Provinz Berrechid innerhalb der Metropolregion Casablanca-Settat.

Minister Ryad Mezzour hob bei der Einweihung hervor, dass die neue Einheit einen wichtigen Beitrag zur industriellen Souveränität Marokkos im Bereich digitaler Infrastrukturen leiste. Die Anlage erweitert die bestehende Produktionsbasis erheblich und schafft die Voraussetzungen für eine stärkere regionale Positionierung, insbesondere in Richtung afrikanischer Märkte, deren Bedarf an Glasfaserinfrastruktur stark wächst.

Glasfaser gilt heute als Schlüsselressource der digitalen Wirtschaft, vergleichbar mit Strom- oder Wassernetzen. Sie bildet die Grundlage für den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsinternet (FTTH), Rechenzentren sowie für die Anbindung von Mobilfunknetzen der vierten und fünften Generation. Auch wenn 4G- und 5G-Netze drahtlos funktionieren, sind sie im Hintergrund auf leistungsfähige Glasfaserverbindungen angewiesen, um Antennenstandorte, Netzknoten und Datenzentren zu verbinden.

FBR CABLES, gegründet 1991 in Bouskoura, beliefert bereits heute die großen nationalen Telekommunikationsanbieter Maroc Telecom, Orange und Inwi. Das Unternehmen gibt an, aktuell rund 30% des marokkanischen Marktes zu bedienen, wobei die tatsächliche Bedeutung stark von der Zahl der im Kabel enthaltenen Einzelfasern abhängt - ein technischer Aspekt, der in öffentlichen Debatten oft übersehen wird.

Mittelfristig plant FBR CABLES, die Produktionskapazität bis 2027 auf bis zu 140.000 Kilometer pro Jahr zu erhöhen. Diese Ausweitung soll den steigenden Bedarf durch den Netzausbau, große Infrastrukturprojekte sowie internationale Ereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 begleiten, deren Anforderungen an Konnektivität, Sicherheit und digitale Dienste erheblich sind.

Besonders ambitioniert ist die Perspektive einer lokalen Herstellung von optischen Glasfasern selbst, also der technologischen Vorstufe zum Kabel. Ein solcher Schritt würde erhebliche Investitionen und technologisches Know-how erfordern, könnte aber langfristig eine tiefere Integration der Wertschöpfung ermöglichen. Derzeit bleibt dieses Vorhaben jedoch eine strategische Option, deren Umsetzung von Marktbedingungen und Partnerschaften abhängt.

Neben der industriellen Dimension betont das Unternehmen den Aufbau nationaler Kompetenzen. Über Programme zum Technologietransfer und zur Qualifizierung von Fachkräften soll langfristig ein lokales Know-how-Ökosystem entstehen, das die Nachhaltigkeit der Investition absichert.

Mit der neuen Anlage in Berrechid positioniert sich FBR CABLES als zentraler Akteur im marokkanischen Glasfaser-Ökosystem. Das Projekt steht exemplarisch für den Versuch, digitale Abhängigkeiten schrittweise in industrielle Kapazitäten zu überführen - ein Ansatz, der für die digitale Souveränität des Landes zunehmend an Bedeutung gewinnt.