Casablanca und Paris als Pfeiler eines euro-afrikanischen Rechtsraums
Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Paris und Casablanca markiert einen strategischen Schritt zur Stärkung der Rechtssicherheit für grenzüberschreitende Investitionen zwischen Europa und Afrika. Durch die gezielte Verzahnung ihrer Schieds- und Rechtsstandorte positionieren sich beide Metropolen als komplementäre Pfeiler eines stabilen, investorenfreundlichen Rechtsraums mit wachsender globaler Bedeutung.

Die Annäherung zwischen Paris und Casablanca markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer stärkeren rechtlichen Absicherung grenzüberschreitender Investitionen zwischen Europa und Afrika. Durch die wachsende Komplementarität ihrer Schieds- und Rechtsstandorte entsteht ein stabiler Rahmen für internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen - mit Bedeutung weit über die beiden Länder hinaus.
Die Kooperation zwischen den beiden Metropolen zielt darauf ab, Investoren mehr Rechtssicherheit, Vorhersehbarkeit und institutionelle Stabilität zu bieten. Internationale Schiedsgerichtsbarkeit wird dabei nicht länger nur als Instrument zur Streitbeilegung verstanden, sondern zunehmend als strategisches Element wirtschaftlicher Souveränität. Paris und Casablanca positionieren sich als miteinander verbundene Knotenpunkte eines gemeinsamen Rechtsraums, der Investitionen absichern und wirtschaftliche Dynamik fördern soll.
Vor diesem Hintergrund empfing der Allgemeine Unternehmerverband Marokkos (CGEM) im Februar 2026 eine hochrangige französische Delegation. Der französische Justizminister Gérald Darmanin betonte bei seinem Besuch in Casablanca die Bedeutung einer vertieften juristischen Zusammenarbeit, um Finanz- und Investitionsströme zwischen Europa und Afrika dauerhaft zu stabilisieren. Ziel sei es, durch institutionelle Nähe und gegenseitige Anerkennung der Rechtsrahmen Vertrauen in grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen zu stärken.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Idee einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung zwischen den beiden Rechts- und Schiedsstandorten. Anstelle eines Wettbewerbs um Zuständigkeiten tritt zunehmend ein koordiniertes Modell, das auf gegenseitiger Ergänzung basiert. „Paris und Casablanca haben ein gemeinsames Interesse daran, Investitionen durch komplementäre Strukturen zu begleiten“, erklärte Darmanin vor Vertretern der marokkanischen Wirtschaft.
Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung ist die Reform des marokkanischen Schieds- und Mediationsrechts von 2022. Sie gilt als Meilenstein der rechtlichen Modernisierung des Königreichs und orientiert sich an internationalen Standards. Chakib Alj, Präsident der CGEM, sieht darin ein klares Signal an internationale Märkte: Verfahren werden transparenter, schneller und besser planbar - ein entscheidender Faktor für Investoren, die Rechtssicherheit priorisieren.
Diese rechtliche Annäherung spiegelt die enge wirtschaftliche Verflechtung beider Länder wider. Mehr als 11.000 französische Unternehmen sind wirtschaftlich in Marokko aktiv. Frankreich ist weiterhin der größte ausländische Investor im Königreich, während Marokko seinerseits zu den wichtigsten afrikanischen Investoren in Frankreich zählt. Diese gegenseitige Präsenz sichert über 150.000 direkte Arbeitsplätze und unterstreicht die Notwendigkeit eines stabilen, verlässlichen Rechtsrahmens. Karim Mouttaki, Präsident der Rechts- und Gesetzgebungskommission der CGEM, betont, dass nachhaltige Investitionen ohne institutionelles Vertrauen nicht denkbar seien.
In diesem Kontext gewinnt Casablanca zunehmend an Bedeutung als regionaler Hub für internationale Schiedsgerichtsbarkeit. Die Stadt profitiert von ihrer strategischen Lage, einer wachsenden Zahl spezialisierter Richter, einer aktiven juristischen Fachwelt sowie international tätigen Wirtschaftskanzleien. Ihr Anspruch reicht über den nationalen Rahmen hinaus: Casablanca positioniert sich als juristisches Referenzzentrum für den afrikanischen Kontinent.
Die vertiefte Zusammenarbeit mit Paris verleiht dieser Entwicklung zusätzliche Glaubwürdigkeit. Gemeinsam könnten beide Städte zu tragenden Säulen eines euro-afrikanischen Rechtsraums werden, der Investitionen nicht nur ermöglicht, sondern langfristig absichert.