Afrika finanziert Afrika - Marokko öffnet die Korridore für Kapital und Zukunft
Afrika beginnt, seine wirtschaftliche Zukunft selbst zu gestalten. Weniger Abhängigkeit von externen Geldflüssen, mehr lokales Kapital, stärkere institutionelle Strukturen - „Africa First“ steht für eine neue finanzielle Souveränität. Marokko nimmt dabei bereits heute eine Schlüsselrolle ein.

Der finanzielle Kurs soll künftig nicht mehr maßgeblich von externen Kreditgebern bestimmt werden, sondern vom Kontinent selbst. Weniger Abhängigkeit von internationalen Finanzierungsmechanismen, mehr Kontrolle über Kapitalströme und eine klare Priorisierung afrikanischer Interessen - das ist der Kern von „Africa First“. Dieser Paradigmenwechsel nimmt Form an und wurde beim Africa Investment Forum 2025 in Casablanca deutlich sichtbar. Die zentrale Botschaft: Afrika möchte nicht länger nur Empfänger von Kapital sein, sondern dessen Richtung und Nutzen selbst bestimmen.
Der von Brahim Benjelloun Touimi präsentierte Strukturansatz setzt auf sechs klare Achsen, um afrikanische Projekte bankfähig, planbar und souverän zu machen. Erstens müssen Investitionen auf realen, belastbaren Projektpipelines beruhen, nicht auf Ankündigungen. Zweitens sollen kleinere Vorhaben zu größeren Finanzpaketen gebündelt werden, um den Zugang zu internationalen Kapitalmärkten zu erleichtern. Drittens wird die Nutzung von Garantien durch Entwicklungsbanken verstärkt, um Risiken zu reduzieren. Viertens soll afrikanisches Kapital - Sparvermögen, Fonds, Pensionsgelder - stärker im Kontinent investiert werden, anstatt in ausländische Märkte abzuwandern. Fünftens spielt Blended Finance, die gemischte Finanzierung zwischen Staat und Privatsektor, eine Schlüsselrolle. Und sechstens sollen regionale Finanzkorridore entstehen, die Kapitalströme innerhalb Afrikas vereinfachen und beschleunigen.
Europa zeigt sich offen für diesen Kurs, allerdings unter neuen Bedingungen. Die Europäische Investitionsbank konzentriert sich zunehmend auf direkte Investitionen in private afrikanische Unternehmen - und zwar in lokaler Währung. Die Unterstützung soll nicht länger ausschließlich über Staaten laufen, sondern über wirtschaftliche Strukturen, die unabhängig von politischer Instabilität bestehen können. Ein Satz bringt die neue Haltung prägnant zum Ausdruck: Initiativen müssen afrikanisch sein - in Idee, Struktur und Umsetzung. Afrika übernimmt die Regie, Europa bleibt Partner.
Diese Entwicklung betrifft Marokko in besonderem Maße. Das Königreich verfügt über stabile Finanzinfrastrukturen, verlässliche Institutionen und eine strategische Lage zwischen Sahel, Atlantik und Europa. Casablanca Finance City fungiert dabei als Brücke zwischen internationalen Investoren und afrikanischen Realprojekten. Marokkanische Banken und Fonds haben ihre Präsenz in West- und Zentralafrika in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Damit ist Marokko nicht nur Teilnehmer, sondern aktiver Motor dieser finanziellen Neuausrichtung.
„Africa First“ ist kein Abschottungsmodell, sondern ein Schritt hin zu Gleichgewicht und Selbstbestimmung. Kapital bleibt nicht länger extern gebunden, sondern fließt zurück in den Kontinent, wo es Innovation, Infrastruktur und soziale Entwicklung ermöglicht. Marokko besitzt die Strukturen, um diese Bewegung zu stabilisieren und auszubauen. Die Zukunft Afrikas entsteht nicht mehr nur in Washington, Paris oder London - sie formt sich zunehmend in Casablanca, Dakar, Abidjan oder Kigali. Afrika schreibt seine eigene Investitionslogik. Und Marokko - wachsend, vernetzt, souverän - ist eines ihrer stärksten Zentren.