Wie sich Europas Position zur Sahara-Frage verändert hat
Die diplomatische Sprache Europas zur Sahara-Frage hat sich innerhalb weniger Jahre merklich verschoben. Der marokkanische Autonomieplan, der lange vor allem von einzelnen europäischen Staaten als ernsthafter oder glaubwürdiger Beitrag zum UN-Prozess bezeichnet wurde, findet sich inzwischen auch in gemeinsamen Erklärungen der Europäischen Union und im jüngsten Rahmen des UN-Sicherheitsrates wieder. Eine aktuelle Erklärung Dänemarks macht diese Entwicklung erneut sichtbar.

Bei einem Treffen mit Nasser Bourita bekräftigte Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen die bereits 2024 vertretene Haltung, wonach der marokkanische Autonomieplan eine glaubwürdige Grundlage für eine politische Lösung darstellt. Neu ist der diplomatische Rahmen: Rasmussen verwies ausdrücklich auf die Position der EU und die Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrates von 2025. Diese hält am UN-geführten Prozess und einer gegenseitig akzeptablen Lösung unter Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts fest, weist dem marokkanischen Autonomieplan innerhalb dieses Rahmens jedoch einen stärkeren Stellenwert zu.
Von nationalen Positionen zur gemeinsamen EU-Formulierung
Diese Entwicklung wurde Anfang 2026 auch auf europäischer Ebene sichtbar. Beim 15. Assoziationsrat zwischen der Europäischen Union und Marokko griff die gemeinsame Erklärung wesentliche Elemente der neuen UN-Sprache auf. Darin wird auf Verhandlungen verwiesen, die den marokkanischen Autonomieplan als Grundlage nehmen sollen. Die EU begrüßte zugleich Marokkos Bereitschaft, die konkrete Ausgestaltung einer Autonomie unter marokkanischer Souveränität näher zu erläutern.
Im April wurde diese Position bei einem Besuch der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in Rabat erneut bestätigt. Die Europäische Union hielt dabei sowohl am UN-geführten Verfahren als auch an der im Januar formulierten Position fest.
Damit existiert neben den unterschiedlichen nationalen Positionen von EU-Mitgliedstaaten inzwischen eine gemeinsame europäische Formulierung, die dem Autonomieplan einen konkreteren Platz innerhalb des politischen Prozesses zuweist. Die dänische Erklärung vom September 2026 fügt sich in diesen Rahmen ein: Kopenhagen verändert damit nicht seine seit 2024 bekannte Haltung, sondern bestätigt sie unter ausdrücklichem Bezug auf die inzwischen weiterentwickelte Position der Europäischen Union und des UN-Sicherheitsrates.
Was die europäische Position bedeutet
Die offiziellen europäischen Erklärungen halten weiterhin an einem unter Leitung der Vereinten Nationen geführten politischen Prozess, einer gegenseitig akzeptablen Lösung und dem Selbstbestimmungsrecht fest.
Verändert hat sich vor allem die Rolle, die dem marokkanischen Autonomieplan innerhalb dieses Prozesses zugeschrieben wird. Während europäische Staaten darüber lange unterschiedliche Formulierungen verwendeten, ist der Vorschlag inzwischen ausdrücklich Bestandteil der gemeinsamen europäischen Diplomatie gegenüber Marokko.
Für Rabat ist diese Entwicklung von erheblicher außenpolitischer Bedeutung. Marokko bemüht sich seit Jahren darum, internationale Unterstützung für den Autonomieplan zu gewinnen. Spanien, Frankreich und weitere europäische Staaten haben ihre Positionen in den vergangenen Jahren entsprechend verändert oder präzisiert. Die gemeinsame EU-Erklärung von 2026 schafft darüber hinaus einen europäischen Bezugsrahmen, auf den sich auch Mitgliedstaaten wie Dänemark beziehen können.
Die jüngste Erklärung aus Kopenhagen ist deshalb weniger eine neue Position als ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die diplomatischen Koordinaten der Sahara-Frage in Europa verschoben haben.