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Qantara Med: Neue Energiebrücke zwischen Marokko und Frankreich

Nach dem Rückzug Großbritanniens richtet das Unternehmen Xlinks sein Großprojekt Qantara Med auf Frankreich aus. Die geplante Untersee-Stromverbindung soll erneuerbare Energie aus Marokko direkt in das französische Netz einspeisen und markiert einen strategischen Schritt zur Diversifizierung europäischer Energiequellen sowie zur Vertiefung der energiepolitischen Partnerschaft zwischen Rabat und Paris.

Verlegen eines Tiefseekabels. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstellt

Die mediterrane Energiewende steht vor einer strategischen Neuordnung. Nach der endgültigen Absage durch die britische Regierung richtet das britische Unternehmen Xlinks seine Ambitionen nun offiziell auf Frankreich aus. Dieser Kurswechsel, über den Africa Intelligence berichtete, mündet in ein Großvorhaben mit dem Namen „Qantara Med“. Ziel ist der Aufbau einer bislang beispiellosen submarinen Stromverbindung, über die in Marokko erzeugter grüner Strom direkt in das französische Netz eingespeist werden soll. Damit zeichnet sich eine neue Phase der energiepolitischen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ab.

Das Projekt basiert auf einer hochmodernen Infrastruktur, die die Region Nador - einen sich rasch entwickelnden Industrie- und Energiestandort im Norden Marokkos - mit einem strategisch wichtigen französischen Hafen, voraussichtlich Marseille, verbinden soll. Zur Umsetzung hat Xlinks bereits eine spezialisierte Tochtergesellschaft mit dem Namen Elemental Power gegründet. Deren Leitung übernimmt der französische Energieexperte Luis Blanluet Terrou. Aufgabe der neuen Einheit ist es, das marokkanische Solar- und Windpotenzial in eine stabile, CO₂-arme Stromquelle für den europäischen Markt zu überführen. Damit festigt Marokko seine Position als zentraler Energiepartner im westlichen Mittelmeerraum.

Die Neuausrichtung nach Frankreich folgt auf den definitiven Rückzug Großbritanniens aus dem ursprünglich geplanten Xlinks-Projekt. Die Regierung von Keir Starmer hatte im vergangenen Juni entschieden, das Vorhaben nicht weiter zu unterstützen und stattdessen nationale Erzeugungskapazitäten zu priorisieren - trotz der zuvor von der Regierung Rishi Sunak verliehenen Einstufung als Projekt von nationaler Bedeutung. Mit der Ablehnung des auf rund 29 Milliarden Euro veranschlagten Vorhabens öffnete London faktisch den Weg für eine europäische Alternative. Frankreich, das seine Energiequellen diversifizieren und die strategische Partnerschaft mit Rabat vertiefen möchte, tritt nun als zentraler Ansprechpartner in den Vordergrund.

Der britische Rückzug schmälert dabei nicht den energiepolitischen Wert des marokkanischen Angebots - im Gegenteil. Der Übergang von Xlinks zum Projekt Qantara Med unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeit des marokkanischen Energiemodells. Die direkte Anbindung marokkanischer erneuerbarer Erzeugungskapazitäten an das französische Stromnetz verspricht sowohl eine Reduzierung fossiler Abhängigkeiten als auch eine Stärkung der Versorgungssicherheit in Frankreich.

Für Marokko eröffnet die geplante Interkonnektion zugleich neue Perspektiven. Sie ermöglicht die Exportverwertung heimischer erneuerbarer Ressourcen und verleiht der nationalen Energiepolitik zusätzliche wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung. Sonne und Wind werden damit zunehmend zu strategischen Faktoren in den Beziehungen zwischen Nordafrika und Europa.