Noor Atlas: Vier neue Solarkraftwerke erweitern Marokkos Energienetz
Marokko hat den Ausbau erneuerbarer Energien zu einem zentralen Bestandteil seiner Energiepolitik gemacht. Sonne, Wind und Wasserkraft sollen die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern verringern und zugleich den wachsenden Strombedarf von Bevölkerung und Industrie decken. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien mindestens 52 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität des Landes stellen. Dabei kommt der Solarenergie neben der Windkraft eine Schlüsselrolle zu.

Mit Anlagen wie dem Noor-Komplex bei Ouarzazate hat Marokko früh auf große Solarprojekte gesetzt. Inzwischen wird diese Strategie breiter: Neue Anlagen entstehen an unterschiedlichen Standorten und werden unmittelbar in das Stromnetz eingebunden. Genau hier setzt das Programm Noor Atlas an. Vier neue Photovoltaikkraftwerke mit zusammen 225 MWp sollen die Solarstromerzeugung vor allem im Osten und Nordosten des Landes erweitern.
Im Auftrag der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie MASEN errichtet Eiffage Énergie Systèmes die Anlagen Noor Ain Beni Mathar mit 121 MWp, Noor Enjil mit 42 MWp, Noor Boundnib mit 33 MWp und Noor Bouanane mit 29 MWp. Die Arbeiten haben Anfang 2026 begonnen, die Fertigstellung ist für Mitte 2027 vorgesehen. Eiffage übernimmt dabei nicht nur den Bau, sondern auch Planung, Lieferung, Installation und Inbetriebnahme sowie die Anbindung an das Stromnetz. Anschließend ist das Unternehmen sieben Jahre lang für Betrieb und Wartung verantwortlich.
Noor Atlas unterscheidet sich damit auch in seiner Struktur von den großen Solarkomplexen, mit denen Marokkos Energiewende international bekannt wurde. Statt die zusätzliche Leistung an einem einzigen Standort zu konzentrieren, verteilt das Programm die neuen Kapazitäten auf mehrere Regionen. Damit wächst die Solarenergie stärker in das nationale Stromnetz hinein.
Die vier Anlagen arbeiten mit Photovoltaik: Sonnenlicht wird unmittelbar in elektrischen Strom umgewandelt. Das unterscheidet sie von Teilen des Noor-Komplexes in Ouarzazate, bei denen konzentrierende Solarthermie eingesetzt wird. Der Ausbau der Photovoltaik erweitert damit nicht nur die geografische, sondern auch die technologische Basis der marokkanischen Solarstromerzeugung.
Für Marokko ist diese Entwicklung Teil einer größeren Aufgabe. Der Ausbau erneuerbarer Energien muss mit Netzen, Speichern und einer Stromversorgung Schritt halten, die auch bei wachsendem Verbrauch zuverlässig bleibt. Gleichzeitig gewinnt ausreichend verfügbare erneuerbare Energie für die industrielle Entwicklung des Landes an Bedeutung.
Noor Atlas allein wird das marokkanische Energiesystem nicht verändern. Die vier Anlagen zeigen jedoch, wie sich die Strategie weiterentwickelt: Aus einzelnen weithin sichtbaren Großprojekten entsteht zunehmend ein Netz erneuerbarer Erzeugungsstandorte über verschiedene Regionen des Landes hinweg. Mit weiteren 225 MWp erhält die Solarenergie darin einen neuen Baustein.
Ich finde diese Linie für marokko.com wesentlich stärker als die Eiffage-Halbjahreszahlen: Erst den Stand und das 52-Prozent-Ziel einordnen, dann Noor Atlas als konkreten Baustein dieser Entwicklung zeigen. Und mit knapp 500 Wörtern bleiben wir zugleich bei Journal 3 und vermeiden einen weiteren überladenen Energieartikel.
Quellen:
Eiffage Énergie Systèmes; Moroccan Agency for Sustainable Energy (MASEN); International Energy Agency (IEA).