Marokkos Rohstoffe rücken stärker in den Fokus internationaler Investoren
Marokkos Rohstoffe rücken stärker in den Fokus internationaler Investoren. Der chinesische Bergbaukonzern Xingye treibt das Zinnprojekt Achmmach bei Meknès in Richtung industrieller Förderung und nimmt zugleich neue Explorationsarbeiten an mehreren Standorten auf.

Marokko gewinnt nicht nur als Standort für Automobil-, Luftfahrt- und Batterieindustrie an Bedeutung. Auch die mineralischen Rohstoffe des Landes ziehen zunehmend internationale Investoren an. Ende August eröffnete Inner Mongolia Xingye Silver & Tin Mining eine neue Explorationskampagne für vier marokkanische Bergbauprojekte: Achmmach, Samine und Bou El Jaj im Raum Meknès sowie Tamlalt im Osten des Landes. Für Tamlalt wurde zusätzlich ein Auftrag für geologische Bohrungen ausgeschrieben, mit denen die dort bereits früher nachgewiesenen Hinweise auf Goldvorkommen weiter untersucht werden sollen. Es handelt sich also nicht um neu entdeckte Lagerstätten, sondern um die Wiederaufnahme und Vertiefung bereits umfangreicher geologischer Arbeiten.
Unter den vier Projekten nimmt Achmmach eine besondere Stellung ein. Das Zinnvorkommen rund 40 Kilometer südwestlich von Meknès wird seit Jahrzehnten untersucht. Seit 2007 wurden dort unter der früheren australischen Projektgesellschaft umfangreiche Bohrprogramme durchgeführt. Trotzdem gelang der Schritt zu einer produzierenden Mine lange Zeit nicht.
Von der Lagerstätte zum Bergwerk
Mit dem Einstieg von Xingye hat sich die Situation verändert. Der chinesische Konzern übernahm 2025 Atlantic Tin und damit zunächst 75 Prozent der Projektgesellschaft Atlas Tin. Ende Juni 2026 vereinbarte Xingye anschließend für rund 23 Millionen Dollar den Erwerb der restlichen Anteile von Toyota Tsusho und Nittetsu Mining. Damit wird das Achmmach-Projekt vollständig unter der Kontrolle des chinesischen Bergbaukonzerns gebündelt.
Entscheidender als der Eigentümerwechsel ist jedoch die industrielle Perspektive. Eine neue Machbarkeitsstudie vom April 2026 sieht für Achmmach eine unterirdische Mine und eine Verarbeitungskapazität von bis zu 1,2 Millionen Tonnen Erz jährlich vor. Neben der eigentlichen Förderung sind unter anderem Aufbereitungsanlagen, Wasserbehandlung sowie die notwendige Energie- und Verkehrsinfrastruktur vorgesehen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorbereitung auf die Bauphase.
Auch die Größenordnung der Lagerstätte erklärt das Interesse. Eine 2026 nach internationalem JORC-Standard vorgenommene Bewertung weist 27,3 Millionen Tonnen gemessene und angezeigte Mineralressourcen mit einem durchschnittlichen Zinngehalt von rund 0,64 Prozent aus. Hinzu kommen weitere abgeleitete Ressourcen. Dabei handelt es sich um geologisch bewertete Ressourcen und nicht vollständig nachgewiesene förderbare Reserven – eine für die wirtschaftliche Bewertung eines Bergbauprojekts wichtige Unterscheidung.
Ein Rohstoff mit industrieller Bedeutung
Zinn gehört nicht zu den Rohstoffen, die regelmäßig große öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Für moderne Industrieproduktion ist das Metall dennoch von erheblicher Bedeutung. Ein wesentlicher Teil der weltweiten Nachfrage entfällt auf Lote, mit denen elektronische Bauteile und Leiterplatten verbunden werden. Damit findet sich Zinn in zahlreichen Produkten der Elektronik-, Kommunikations- und zunehmend digitalisierten Industrie.
Für Xingye ist Achmmach zudem nicht mehr nur ein einzelnes Bergbauprojekt. In unmittelbarer Umgebung liegen Samine und Bou El Jaj. Samine umfasst die ehemalige El-Hammam-Mine, deren bestehende Infrastruktur für die weitere Entwicklung des Gebiets von Bedeutung sein kann. Zwischen Achmmach, Samine und Bou El Jaj entsteht damit ein zusammenhängender Schwerpunkt für die Erkundung und mögliche Verarbeitung von Zinn und weiteren Mineralien.
Tamlalt erweitert dieses Portfolio um einen anderen Rohstoff. Das Gebiet im Osten Marokkos wird auf Gold untersucht und war bereits Gegenstand früherer Bohrungen. Die jetzt ausgeschriebenen Arbeiten sollen die geologische Datengrundlage erweitern; eine ausreichend gesicherte Ressourcenschätzung, die bereits eine Entscheidung über einen späteren Abbau erlauben würde, liegt dort bislang nicht vor.
Marokkos industrielle Entwicklung lenkt den Blick zunehmend auch auf die eigene Rohstoffbasis: Internationale Unternehmen investieren nicht mehr nur dort, wo Automobile, Batterien oder elektronische Komponenten entstehen, sondern auch am Anfang dieser Wertschöpfungsketten. Achmmach zeigt das exemplarisch – nach Jahrzehnten der Exploration steht das Projekt heute vor dem Übergang zur industriellen Umsetzung. Die jüngsten Investitionen und die erneute Exploration im Umfeld von Meknès machen zugleich deutlich, dass Xingye seine Präsenz in Marokko langfristig ausrichtet.