Marokko im Klimastress: Regen und Schnee nach Jahren der Dürre
Nach mehreren Jahren ausgeprägter Trockenheit erlebt Marokko zu Beginn des Jahres 2026 eine außergewöhnliche Wetterphase. Anhaltender Regen, Schneefälle im Atlasgebirge und starke Winde prägen derzeit große Teile des Landes. Die Niederschläge bringen kurzfristige Entlastung, machen aber zugleich deutlich, wie verletzlich Marokko gegenüber klimatischen Extremen geworden ist.

Seit Ende Dezember wird Marokko von einer instabilen Wetterlage erfasst, die in vielen Regionen zu ununterbrochenem Regen, stürmischen Böen und Schneefall in höheren Lagen geführt hat. Besonders betroffen sind Teile des Atlasgebirges, wo in Höhen über etwa 1.600 Metern teils erhebliche Schneemengen gefallen sind. In tiefer gelegenen Regionen kam es stellenweise zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Einschränkungen im Straßenverkehr.
Die zuständigen Behörden warnten zeitweise vor schwierigen Wetterbedingungen und riefen insbesondere in Berg- und Flussregionen zu erhöhter Vorsicht auf. Der Winter zeigt sich damit deutlich rauer und wechselhafter als in vielen Jahren zuvor.
Regen nach der Dürre - Entlastung mit Grenzen
So willkommen die aktuellen Niederschläge erscheinen, sie stehen im starken Kontrast zu den vergangenen Jahren ausgeprägter Dürre, die Marokko tief geprägt haben. Über mehrere aufeinanderfolgende Winter hinweg blieben die Regenmengen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Stauseen, Grundwasserreserven und landwirtschaftliche Flächen gerieten zunehmend unter Druck.
Die Folgen waren landesweit spürbar: sinkende Ernteerträge, Wasserrestriktionen in Städten und ländlichen Gebieten sowie eine zunehmende Belastung für die Landwirtschaft, einen der wichtigsten Wirtschafts- und Beschäftigungssektoren des Landes. Die aktuelle Wetterphase kann diese strukturellen Defizite lediglich abmildern.
Klimatische Einordnung
Fachkreise ordnen die derzeitigen Extreme in einen längerfristigen Klimawandel ein, der sich in Nordafrika besonders deutlich bemerkbar macht. Marokko liegt in einer Übergangszone zwischen mediterranem und aridem Klima und reagiert empfindlich auf steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster.
Charakteristisch ist dabei ein scheinbarer Widerspruch: Während die durchschnittlichen Niederschläge langfristig abnehmen, treten Starkregenereignisse in kurzer Zeit häufiger und intensiver auf. Regen fällt damit nicht gleichmäßig und nachhaltig, sondern punktuell und mit erhöhtem Schadenspotenzial.
Ein Land im Anpassungsprozess
Die aktuellen Wetterereignisse verdeutlichen, dass Marokko zunehmend mit einem Klima leben muss, das weniger berechenbar ist als früher. Investitionen in Wassermanagement, Infrastruktur, Katastrophenschutz und nachhaltige Landwirtschaft gewinnen vor diesem Hintergrund weiter an Bedeutung.
Kurzfristig bringen Regen und Schnee Hoffnung auf eine Entspannung der angespannten Wasserlage. Langfristig jedoch bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: sich an ein Klima anzupassen, das zwischen Mangel und Überfluss schwankt.
Der Winter 2025/26 steht sinnbildlich für die neue klimatische Realität in Marokko. Die aktuellen Regen- und Schneefälle sind kein Zeichen einer Rückkehr zur Normalität, sondern Ausdruck wachsender Extreme. Zwischen den Spuren jahrelanger Dürre und plötzlichen Wetterumschwüngen wird deutlich, dass Klimaanpassung zu einer der zentralen Zukunftsfragen des Landes geworden ist.