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Frieden braucht mehr als Worte - Rabat setzt auf Hoffnung und Verantwortung

Wenn König Mohammed VI. über den Nahostkonflikt spricht, schwingt selten nur Diplomatie mit. Sein jüngster Appell wirkt wie ein Ruf, der die Schwelle zwischen politischer Strategie und moralischer Verantwortung bewusst überschreitet. Marokko fordert nicht nur Verhandlungen - Rabat fordert eine Perspektive. Denn ohne Aussicht auf einen eigenen Staat bleibt für viele Palästinenser nur Stillstand.

Al Aqsa Moschee in Jerusalem. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstellt

Seiner Majestät König Mohammed VI.

In seiner Rolle als Vorsitzender des Al-Quds-Komitees brachte der König die Lage auf einen Punkt, der unbequem, aber unüberhörbar ist: Frieden bleibt Illusion, solange die Zweistaatenlösung nicht ernsthaft verfolgt wird. Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines souveränen palästinensischen Staates sei dabei keine Option, sondern Bedingung. Was nach einer formalen Forderung klingt, beschreibt in Wahrheit das Fundament jeder realistischen Zukunftsvision.

Für viele Menschen in der Region ist der Nahostkonflikt keine Nachricht - es ist Alltag. Eine Normalität, die keine ist. Wer in Gaza oder im Westjordanland aufwächst, kennt Ausgangssperren statt Möglichkeiten, Grenzübergänge statt Horizonte. Und für diejenigen, die unter Besatzung oder Perspektivlosigkeit leben, sind politische Stellungnahmen nicht abstrakt - sie entscheiden über Leben, Würde, Hoffnung.

Darauf zielt Rabat, wenn es vor einem „verlorenen politischen Horizont“ warnt. Der König spricht von einer Generation, die ohne Zukunftsbild aufwächst - und die genau deshalb gefährlich empfänglich für Radikalisierung oder Resignation werden kann. Frieden, so der Kern seiner Worte, ist nicht nur ein diplomatisches Konstrukt. Frieden ist ein Schutzraum, in dem Kinder ohne Angst groß werden sollen.

Marokko als Brücke, nicht als Beobachter

Viele internationale Stimmen teilen diese Sicht. In mehreren Berichten wurde Marokkos Rolle ausdrücklich als vermittelnd und vertrauensbildend beschrieben. Eine Einschätzung fasst diese Haltung präzise zusammen: „Marokko ist der politisch glaubwürdigste Vermittler zwischen Israel und Palästina.“, so beispielsweise Morocco World News.

Das Königreich ist eines der wenigen Länder, das Beziehungen zu beiden Seiten hält - nicht, weil es zwischen ihnen steht, sondern um zwischen ihnen sprechen zu können. Diese Haltung ist selten, und gerade dadurch zunehmend wertvoll. Humanitäre Maßnahmen untermauern diese Position. Marokko hat mehrfach Hilfslieferungen entsendet - Medikamente, Nahrung, medizinische Versorgung für Kinder und Familien. Es sind kleine Brücken in einem Fluss aus Misstrauen. Aber Brücken beginnen nun einmal schmal, bevor sie tragfähig werden.

Ein Weg, der Mut verlangt

Marokkos Botschaft an die internationale Gemeinschaft ist kein moralischer Fingerzeig. Sie ist eine Einladung - mit dem leisen Unterton, dass Abwarten keine Strategie mehr ist. Wer Frieden will, braucht Mut, Initiative und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dialog ist kein Luxus, sondern Pflicht.

Ob in Verhandlungssälen oder zerstörten Wohnvierteln - Hoffnung ist nur dann mehr als ein Wort, wenn sie politisch umgesetzt wird. Marokko erinnert daran, dass Geschichte nicht zwangsläufig Wiederholung heißen muss. Manchmal beginnt Veränderung mit etwas so Fragilem wie einem Gespräch…. Und genau dafür fordert Rabat jetzt Raum.