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Frieden als Auftrag: Warum Marokko international an Bedeutung gewinnt

Mit der Wahl von Omar Hilale zum Präsidenten der UN-Friedenskonsolidierungskommission rückt Marokko 2026 ins Zentrum der internationalen Friedenspolitik. Das Mandat ist mehr als symbolisch: Es überträgt dem Königreich Verantwortung in einer Phase wachsender Konflikte, geopolitischer Spannungen und geschwächten Vertrauens in multilaterale Institutionen. Die zentrale Frage lautet dabei, wie nachhaltige Stabilität jenseits militärischer Lösungen gestaltet werden kann.

 

Omar HilalDie Entscheidung der UN-Mitgliedstaaten gilt als Ausdruck des Vertrauens in Marokkos diplomatischen Ansatz, der in den vergangenen Jahren zunehmend auf Vermittlung, Dialog und langfristige Stabilitätsstrategien gesetzt hat. Die 2005 geschaffene Friedenskonsolidierungskommission nimmt dabei eine Schlüsselrolle im UN-System ein: Sie verbindet Sicherheitsrat, Generalversammlung und Wirtschafts- und Sozialrat und begleitet Staaten beim Übergang von Konflikt zu dauerhafter politischer und gesellschaftlicher Stabilität.

Omar Hilale, seit 2014 Ständiger Vertreter Marokkos bei den Vereinten Nationen, skizzierte in seiner Antrittsrede eine klare Leitlinie: Frieden lasse sich nicht nach einem einheitlichen Modell verordnen. Stattdessen müsse er aus regionalen Erfahrungen, nationaler Eigenverantwortung und lokaler Verankerung entstehen. Afrika, Lateinamerika und Asien verfügten jeweils über eigenständige Traditionen der Konfliktbewältigung, die nicht nivelliert, sondern miteinander verknüpft werden sollten.

Dieser Ansatz entspricht der außenpolitischen Grundhaltung Marokkos unter König Mohammed VI. Das Königreich setzt auf präventive Diplomatie, Süd-Süd-Kooperation und institutionelle Partnerschaften und versteht sich dabei nicht als normativer Lehrmeister, sondern als pragmatischer Akteur, der Stabilität aus konkreter Erfahrung heraus denkt.

Für 2026 verfolgt die Kommission unter marokkanischer Führung das Ziel, Friedenskonsolidierung als langfristige politische Aufgabe zu stärken. Im Fokus stehen die Mobilisierung finanzieller Mittel, die bessere Abstimmung internationaler Akteure und die Stärkung nationaler Institutionen. Frieden wird dabei nicht als abstraktes Ideal begriffen, sondern als Prozess, der soziale Kohäsion, wirtschaftliche Perspektiven und funktionierende staatliche Strukturen voraussetzt.

Marokkos Präsidentschaft wird daher weniger als Auszeichnung denn als Bewährungsprobe verstanden. Ihr Erfolg wird sich nicht an Erklärungen oder Resolutionen messen lassen, sondern an konkreten Fortschritten für Menschen in fragilen Gesellschaften - dort, wo Vertrauen erst langsam wieder entsteht. Genau hier setzt der Anspruch der marokkanischen Präsidentschaft an: Frieden nicht nur zu verwalten, sondern ihn als gemeinsamen, verantwortungsvollen Prozess neu zu denken.