Diplomatische Großoffensive für die Souveränität Marokkos über seine Sahara
In der Frage der marokkanischen Sahara zeichnet sich auf internationaler Bühne eine bemerkenswerte Entwicklung ab. Bei der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf haben 40 Staaten in einer gemeinsamen Erklärung ihre Unterstützung für die territoriale Integrität des Königreichs Marokko und dessen Autonomieinitiative für die südlichen Provinzen bekräftigt.
Die Erklärung unterstreicht die Bedeutung des politischen Prozesses unter Führung der Vereinten Nationen und verweist ausdrücklich auf die Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats als maßgeblichen Rahmen für eine politische Lösung. Gleichzeitig stärkt sie den marokkanischen Autonomieplan von 2007 als zentrale Grundlage der laufenden Verhandlungen.
Eine gewachsene Allianz der Unterstützung
Die Gruppe der 40 Unterzeichnerstaaten - im diplomatischen Umfeld häufig als Unterstützer der territorialen Integrität Marokkos bezeichnet - verdeutlicht den wachsenden internationalen Rückhalt für die marokkanische Position.
Zu ihr gehören die Golfstaaten und zahlreiche arabische Partner, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Hinzu kommen zahlreiche afrikanische Staaten wie Senegal, Gabun oder die Elfenbeinküste. Viele dieser Länder haben ihre Unterstützung bereits durch die Eröffnung von Generalkonsulaten in Laâyoune und Dakhla sichtbar gemacht. Auch mehrere Staaten aus Mittelamerika, der Karibik und dem Pazifikraum beteiligen sich an dieser diplomatischen Allianz.
Die Erklärung von Genf zeigt damit nicht nur eine politische Unterstützung einzelner Staaten, sondern spiegelt eine breitere Entwicklung wider, die sich in den vergangenen Jahren innerhalb der internationalen Gemeinschaft herausgebildet hat.
Die Bedeutung der Resolution 2797 und die Rolle der Vereinigten Staaten
Besondere Aufmerksamkeit verdient die wiederholte Bezugnahme auf die Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats, die Ende Oktober 2025 verabschiedet wurde und das Mandat der UN-Mission MINURSO bis Ende Oktober 2026 verlängert.
Die Resolution gilt als wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Dossiers. Erstmals enthält eine Resolution des Sicherheitsrats keinen Verweis auf ein Referendum mit Unabhängigkeitsoption und konzentriert sich stattdessen auf einen politischen Prozess auf Grundlage realistischer, pragmatischer und dauerhaft tragfähiger Lösungen. Zugleich würdigt die Resolution die Dynamik, die der marokkanische Autonomieplan in den vergangenen Jahren gewonnen hat. Der Sicherheitsrat bekräftigt darin seine Unterstützung für eine politische Lösung unter Führung der Vereinten Nationen und ruft alle Beteiligten dazu auf, den Verhandlungsprozess fortzusetzen.
Die besondere Bedeutung der Resolution 2797 erklärt sich auch durch die Rolle der Vereinigten Staaten. Bereits im Dezember 2020 erkannten die USA die marokkanische Souveränität über die Sahara an. Diese Entscheidung wurde bislang von keiner nachfolgenden US-Regierung zurückgenommen und bleibt ein wichtiger Bezugspunkt der amerikanischen Politik in dieser Frage.
Als traditioneller Federführer des Westsahara-Dossiers im Sicherheitsrat waren die Vereinigten Staaten auch maßgeblich an der Ausarbeitung der Resolution 2797 beteiligt. Für viele Beobachter unterstreicht dies die Kontinuität des amerikanischen Engagements in diesem Konflikt.
Neue Dynamik am Rande des Oslo-Forums
Dass die diplomatischen Bemühungen weiter an Intensität gewinnen, zeigte sich auch am Rande des Oslo-Forums in Norwegen. Dort führte UN-Sondergesandter Staffan de Mistura Gespräche mit zahlreichen internationalen Akteuren, darunter Massad Boulos, Berater des US-Präsidenten für afrikanische und arabische Angelegenheiten.
Die Konsultationen verdeutlichen die Bemühungen, den politischen Prozess vor den nächsten Beratungen des Sicherheitsrats weiter voranzubringen. Ziel bleibt es, die beteiligten Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen und eine politische Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen zu fördern.
Hintergrund: Worum geht es im Sahara-Konflikt?
Nach dem Rückzug Spaniens aus der ehemaligen Spanisch-Sahara im Jahr 1975 entstand ein Konflikt zwischen Marokko und der Polisario-Front. Während Marokko die Sahara als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets betrachtet, fordert die Polisario die Selbstbestimmung der sahrauischen Bevölkerung.
Seit dem Waffenstillstand von 1991 überwacht die UN-Mission MINURSO die Lage. In den vergangenen Jahren hat sich die internationale Debatte zunehmend auf den marokkanischen Autonomieplan konzentriert, der den südlichen Provinzen weitreichende Selbstverwaltungsrechte innerhalb der marokkanischen Souveränität einräumen würde.
Die Entwicklungen in Genf, die Resolution 2797 und die fortgesetzten diplomatischen Initiativen zeigen, dass sich der Schwerpunkt der internationalen Bemühungen auf eine politische Lösung konzentriert, die auf Realismus, Kompromissbereitschaft und langfristiger Stabilität basiert.