Zum Tod des Fotografen Bruno Barbey

Der in Marokko geborene Fotograf Bruno Barbey schuf zwei herausragende Bildbände über sein Heimatland. Wie die Académie des Beaux-Arts in Paris mitteilte starb am 9. November der Magnum-Fotograf Bruno Barbey im Alter von 79 Jahren.

 

In der Medina von Fes, Foto: Eberhard HahneBruno Barbey in Sale und Rabat, in Marrakesch und Tanger aufgewachsen, kehrte er 1970 in das Land seiner Kindheit zurück, um über 30 Jahre an einem fotografischen Portrait seines Heimatlandes zu arbeiten. Sein unvergleichlicher Umgang mit Licht, Farben und Formen schuf Momentaufnahmen jenseits des fotografischen Mainstreams.

Seine Bildauffassung bewegt sich im sicheren Gang auf dem Grad zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Der Betrachter kann in seinen Aufnahmen die Hitze der Lehmwände, den Geruch der Gewürzmärkte und die Vitalität und Liebeswürdigkeit der Menschen spüren. Barbey verstand es zufälligen Situationen ihre fotografische Substanz zu entlocken. Im Laufe der Jahre hat er eine, nur ihm zuzuordnende Bildsprache geschaffen. Seine Fotografien erinnern an die in Marokko entstandenen Skizzen von Delacroix oder an die Gemälde von Matisse.

In seinem 1996 veröffentlichten großformatigen Bildband „Fes, immobile, immortelle“ nimmt Bruno Barbey den Leser mit auf einem Spaziergang durch das Gassenlabyrinth der Medina von Fes, in die Privathäuser, die Werkstätten, Heiligtümer und sogar in den Königspalast. Es gewährt mit diesem großformatigen Bildband einen intimen Einblick in die traditionellste aller marokkanischen Städte, der westlichen Besuchern meist verwehrt bleibt.

Bereits mit 25 Jahren wurde er Mitglied der berühmten Fotoagentur Magnum, deren Direktor er später wurde. Über 40 Jahre hat er alle Kontinente bereist und schuf Reportagen vor allem von kriegerischen Ereignissen, obwohl er sich selbst ausdrücklich nicht als Kriegsfotograf sah. Seine Fotos wurden in allen bedeutenden Zeitungen und Magazinen veröffentlicht, darunter Time, Paris Match, Stern, Vogue, Life und National Geographic. Sie erhielten viele Auszeichnungen (u.a. French National Order of Merit) und wurden weltweit in Museen ausgestellt. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte Barbey über 30 Bücher. Am 13. April 2016 wurde Barbey in die Académie des Beaux-Arts gewählt. Bis zu seinem Tod lebte und arbeite er in Paris.

Bruno Barbey spricht über seine legendäre Arbeit an der FFF-Akademie 2017, siehe unter https://vimeo.com/325906631

Marokko, Portrait meines Landes, Knesebeck, 183 Seiten, Querformat, Knesebeck-Verlag 2004; ISBN 3-89660-202-0.

Fes, immobile, immortelle, Editions Imprimerie Nationale, 155 Seiten, Frankreich 1996.

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