Der Dokumentarfilm "Stille Zellen"

In seinem Film stützt sich Mohamed Nabil auf das Bild als gewalttätige Sprache, die die Grausamkeit und Bitterkeit des Alltagsim Gefängnis sichtbar macht. Szenen ohne Dialoge begleitet von Musik, die in ihrer dramatischen Dimension das Gefühl des Stillstandes erwecken. "Stille Zellen" folgt nicht der Methode der Verfremdung der Realität.

 

Der Dokumentarfilm "Stille Zellen" 2017 von Mohammed Nabil

Die letzten drei Filme des deutsch-marokkanischen Regisseurs und Journalisten Mohamed Nabil tragen den Namen „Stille Zellen“. Diese Stille ist jedoch nicht das einzige ausdrucksstarke filmische Instrument, mit dem der Regisseur das Bild einer Welt hinter Gefängnismauern zeigt.

"Stille Zellen" ist der zweite Teil von Mohamed Nabils Dokumentarfilmtrilogie über Frauen in Marokko. Der erste Teil, "Juwelen der Trauer", zeigt den Status alleinerziehender Mütter und ihr Leiden unter einem fragilen sozialen Zustand auf. Das Gefängnis im Dokumentarfilm „Stille Zellen“ ist ein Beispiel für das Schicksal von Frauen, die unter der Herrschaft einer männlich geprägten Gesellschaft auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter verloren gegangen sind.

Das Interesse an Frauen in seinen literarischen und medialen Schriften, sowie in seiner dokumentarisch filmischen Trilogie sind immer wieder spürbar, siehe beispielsweise den Dokumentarfilm "Frauenträume", in dem Mohamed Nabil über die Erfahrungen drei verschiedener Berliner Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten berichtet, und wie sie nach ihrem Bekenntnis zum Islam Familie und Gesellschaft erlebten.

Hoffnungen

"Ich wollte einen Film über Frauen in marokkanischen Gefängnissen drehen. Nach vielen Schwierigkeiten und zwei Jahren des Wartens auf eine Drehgenehmigung der marokkanischen Behörden, konnte ich schließlich diese geheime Welt betreten. ... Ich fühlte mich wie in einem Film", sagt Mohamed Nabil, als er das erste Mal ein Gefängnis von Innen sah. Dies sind auchdie Sätze mit denen der Film „Stille Zellen“ beginnt. Ein Film, der mit starken und bewegenden Bildern dokumentiert, was eine Gefängnisstrafe für Frauen in Marokko bedeutet.

Die Frauen sprechen über das Schreiben als Zuflucht, um der Isolation zu entrinnen. Sie schreiben über ihr eigenes Leid, über Schuldgefühle, über die unerträglichen Bedingungen, unter denen sie leben und über die Sehnsucht nach Freiheit und Familienleben.

Es sind Geschichten und Gespräche, die Angst offenbaren. Sie spiegeln die Traurigkeit dessen wider, was innerhalb der Gefängnismauern vor sich geht.

Drei Frauen aus Fes und Casablanca berichten über die weit verbreitete Korruption im Gefängnis und über die fehlende Anerkennung geringster menschlicher Bedürfnisse, über Schimmel und physische Folter, Bestechung und Vergewaltigung. Sie sprechen über die Klassenunterschiede bei der Behandlung der Gefangenen. Die offensichtliche Unterscheidung zwischen denen, die Geld oder Macht haben und denen, die nichts haben. So beschreiben sie in einer Szene, wie der König das Gefängnis besuchte und keine Frau sich traute, etwas zu sagen, aus Angst, später dafür büßen zu müssen.

Inhaftierung

"Stille Zellen" soll dem Zuschauer die Realität über die Folter dieser Frauen innerhalb und außerhalb des Gefängnisses vor Augen führen. Der Zuschauer soll Teil dieser grausamen Erfahrung werden …

Der Film bringt eine Art Paradoxon in die äußere und innere Sicht des Gefängnisses, zwischen Frauen aus einfachen Schichten der Gesellschaft mit bescheidenen Bedürfnissen und Frauen im Zentrum der Macht …

Die Menschenrechtsaktivistin und Schriftstellerin Fatna El Bouih spricht über die Fähigkeit der Frau, innerhalb und außerhalb des Gefängnisses, Widerstand zu leisten. Sie erzählt über die eigenen Erfahrungen, die sie als politische Gefangene in den siebziger Jahren gemacht hatte. Die Vergangenheit, die sie in ihrem Buch „Die Geschichte der Dunkelheit“ und später mit ihrem Ehemann Yusef Madad in „Atlanten“ aufzeichnet, erzählt von Frauen im Gefängnis und den Einschränkungen außerhalb des Gefängnisses. Hier hat die Frau jedoch die Fähigkeit, sich Freiräume zu schaffen und Beziehungen zu knüpfen.

El Bouih fordert die Schaffung menschlicher Bedingungen für Frauen in Gefängnissen und sagt: „Frauen schenken Leben. Wenn man Frauen in eine Zelle einsperrt, sperrt man das Leben ein … Gefängnis ist Brutalität.

Gefängnis

In seinem Film stützt sich Mohamed Nabil auf das Bild als gewalttätige Sprache, die die Grausamkeit und Bitterkeit des Alltagsim Gefängnis sichtbar macht. Szenen ohne Dialoge begleitet von Musik, die in ihrer dramatischen Dimension das Gefühl des Stillstandes erwecken.

Die wiederholte Fokussierung auf den Bereich der Nahaufnahme, der die Leinwand ausfüllt, wie Stahltüren, Fenster mit dicken Stäben, schwere Schlösser, Volltonfarben, Grün oder Dunkelgrau, lässt dem Auge in dem engen Horizont kaum Bewegungsfreiheit.

"Stille Zellen" folgt nicht der Methode der Verfremdung der Realität. Er schafft einen Raum, der durch sorgfältige Fragen das Leben in der marokkanischen Gesellschaft aufzeigt, die über „das Gefängnis der Frauen“ schweigt.


Stille der Zellen, Trailer 2017
https://www.youtube.com/watch?v=0uKfW4nj35I

Stille der Zellen, Ganzer Film
https://vimeo.com/190353516
Password: SilentCellsMaster_2017

Frauenträume, Ganzer Film
https://www.youtube.com/watch?v=IvGAqbuA3Ls&app=desktop

Interviews auf Arabisch mit Mohamed Nabil zum „Schweigen der Zellen“
https://www.youtube.com/watch?v=LTJl_J0NPSQ
https://www.youtube.com/watch?v=QqEWe7mMPoQ

Mehr über Mohamed Nabil erfahren Sie hier

 

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