Marokko ist zurzeit ein Ort für gute Geschäfte. Seit sechs Jahren hat die marokkanische Wirtschaft ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, 2006 lag es mit 8,5 Prozent an der Spitze der Maghreb-Staaten. In Tanger herrscht Goldgräberstimmung.

Driss Jettou stand der Stolz ins Gesicht geschrieben, als er kurz nach Jahresbeginn verkündete: Die Projekte der Regierung werden zwischen 2008 und 2010 Früchte tragen und unserer Wirtschaft einen nie dagewesenen Schub verleihen.

Der Optimismus des marokkanischen Ministerpräsidenten kommt nicht von ungefähr: Seit sechs Jahren wächst die Wirtschaft solide, im Durchschnitt mehr als viereinhalb Prozent jährlich. Mit 8,5 Prozent Rekord-Wachstum lag das Königreich 2006 an der Spitze aller Maghreb-Staaten. Die Inflation liegt derzeit bei rund zwei, die offizielle Arbeitslosenquote bei neun Prozent. Schon länger gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass Marokko in Zukunft eine Führungsrolle im Maghreb spielen wird.

Die flotte Entwicklung des Königreichs trägt nicht zuletzt die Handschrift des Monarchen höchstpersönlich. Seit er 1999 seinem verstorbenen Vater auf den Thron gefolgt ist, hat König Mohamed VI. sein Land in allen Lebensbereichen Schritt für Schritt modernisiert – und den Markt für ausländische Investoren geöffnet.

Inzwischen ist das ganze Land im Aufbruch: Insgesamt neun Milliarden Euro pumpen öffentliche und private Investoren in dieses Jahrhundert-Projekt. Vor allem für die Schaffung der Infrastruktur. Immerhin müssen 3.500 Kilometer Küste auf den bald schon erhofften Besucheransturm vorbereitet werden. "Das ganze Land ist eine große Baustelle", staunt auch Marco Wiedemann, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer Marokko. Dies gilt besonders für Tanger. Hier ist Marokkos ehrgeizigstes Großprojekt zu Hause: Tanger Méditerranée. Für die gigantische Summe von umgerechnet 4,11 Milliarden Euro entsteht zwischen Tanger und Tetouan bis Ende 2007 einer der größten Häfen im Mittelmeer. 15 Kilometer entfernt verfolgt man im spanischen Algeciras das Wachsen der neuen Konkurrenz mit nervösem Blick.

Nun setzt Marokko zum großen Sprung an: Bis spätestens 2010 will es sich im Mittelmeerraum in Position bringen – und seinen europäischen Nachbarn Paroli bieten. Das Kernstück ihres umfassenden Investitions- und Reformpaketes hat die Regierung ‘Plan Azur’ getauft. Diese Zauberformel, die Akteure aus Politik und Wirtschaft bei jeder Gelegenheit beschwören, verkörpert nicht nur Marokkos unbedingten Willen zum Wachstum, sondern auch ein ganz konkretes Ziel: Zehn Millionen Touristen jährlich ab dem Jahre 2010.

Unterdessen herrscht in Tanger Goldgräberstimmung. In einer beispiellosen Erneuerungsoffensive wird die Stadt für den künftigen Besucherschwarm zurechtgeschminkt. Auf 17.000 Quadratmetern wird für umgerechent 90 Millionen Euro restauriert und ausgebessert. Tangers Strandpromenade ist kaum wiederzuerkennen. Investoren aus Europa, den USA und dem Mittleren Osten bauen hier Hotel um Hotel. Gleichzeitig schießen die Immobilienpreise in die Höhe, seit Seit sechs Jahren hat die marokkanische Wirtschaft ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, 2006 lag es mit 8,5 Prozent an der Spitze der Maghreb-Staaten.

Zurecht, meint Thomas Eckelmann. Der Geschäftsführer des Bremer Unternehmens EUROGATE, das als Konsortialführer beim Bau und Betrieb des zweiten Teils des Containerterminals in Tanger fungiert: «Die Lohnkosten liegen bei nur 20 Prozent der vergleichbaren Nachbarterminals in Spanien. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einem schnellen Erfolg dieses neuen Projekts.

In Tanger herrscht Goldgräberstimmung – im Jahr 2012 will man in der geschichtsträchtigen Hafenstadt die Weltausstellung beherbergen sich hier betuchte Ausländer wie Yves Saint-Laurent oder Felipe González einen Wettlauf um die schönsten Zweitwohnsitze liefern. Unternehmensberater Hicham Aarif aus Marrakesch bezeichnet Wohneigentum denn auch «als derzeit beste Lebensversicherung in Marokko.

Doch nicht nur in Tanger, im ganzen Land schreitet die Modernisierung systematisch voran. Sechs strategisch wichtige geografische Punkte in Marokko sollen, so sieht es der ‘Plan Azur’ vor, zu Tourismuspolen ausgebaut werden. Dort bauen internationale Unternehmen sechs Groß-Badezentren – und schielen dabei stets mit einem Auge nach Marrakesch. Die ‘Rote Stadt’ gilt im Land als Musterbeispiel für erfolgreichen Tourismus und ist mit Abstand Besucher-Magnet Nummer Eins. Die durchschnittliche Wachstumsrate der ehemaligen Hauptstadt Andalusiens liegt bei stolzen sieben Prozent, und auch die Marke von 5.333.831 Übernachtungen im vergangenen Jahr legt die Messlatte für die Nacheiferer sehr hoch.

Während Marokkos systematische Öffnung für das Ausland bei einem Teil der Bevölkerung Skepsis auslöst, teilt eine große Mehrheit den Optimismus im Land. Viele erhoffen sich vom wachsenden Einfluss des Auslandes neue Ideen und Impulse. So wie Aziz Lebbar, Besitzer eines der renommiertesten Hotels in Marrakesch und Fes: "Die Ausländer, die hier Häuser erwerben oder Geschäfte eröffnen, bringen oft eine nützliche Kombination aus Geld und ökologischem Bewusstsein mit." Dies ist längst auch für Marokko bares Geld wert. Investitionen in umweltfreundliche Zukunftstechnologien etwa könnten sich zu einem zweiten wirtschaftlichen Standbein neben dem Tourismus entwickeln. In Marokko ist die.

Erschließung der regenerativen Energiequellen zur Stromerzeugung weiter fortgeschritten als in allen übrigen Maghreb-Staaten.

Bis 2011 soll ihr Anteil auf zehn, bis 2020 auf 20 Prozent gesteigert werden. Bereits geplant ist der Bau eines Windparks bei Tanger, für den das spanische Unternehmen Gamesa 165 Turbinen liefern wird. Nach dem zweiten Windpark bei Essaouira haben schon mehrere europäische Firmen ihre Fühler ausgestreckt. Mit zahlreichen anderen Unternehmen aus der ganzen Welt habe sie eines gemeinsam: Sie wittern gute Geschäfte in Marokko.

Verfasst in 2008
Der Autor, Jörg Müller-Brandes, lebt als freier Journalist in Spanien. Neben lokalen Themen bildet Marokko einen wichtigen Schwerpunkt seiner Arbeit. Spezialgebiete: Tourismusentwicklung allgemein, Golf-Tourismus, städtische Entwicklung, alternative Energien, Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne, Situation der Frauen.

   

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