Astrid Daerr, Trekking in Marokko„Bonjour, ça va?“ ruft uns der kleine Berberjunge in abgerissener Kleidung vom Rücken eines dickbäuchigen Esels entgegen und grinst. Wir winken ihm zu und setzen unseren Weg entlang grüner, von Bewässerungskanälen durchzogener Terrassenfelder mit Mandel-, Walnuss- und Apfelbäumen fort.

Eine mehrtätige Trekkingtour führt durch karge Gebirgslandschaften, über Pässe mit knorrigem Wacholder, der sich in Windrichtung neigt, auf bis zu 4000 m hohe Gipfel, in grüne Flusstäler mit blühendem Oleander und durch abgelegene Berberdörfer ohne Strom und fließend Wasser, in denen die freundlichen Menschen in erdfarbenen Hütten aus Lehm oder Bruchstein noch zu leben scheinen wie vor Hundert Jahren. Unterwegs campen wir inmitten der großartigen Natur des marokkanischen Atlasgebirges, meist nahe einfacher Schäfereien, die Hirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden im Sommer als Zwischenquartier bei ihrem Zug über die Hochweiden nutzen. Nach ein paar Tagen haben wir eine Dusche nötig und übernachten in einem Dorf auf dem Weg in einer Gîte d´etape. Im bescheidenen, aber blitzsauberen Haus einer Berberfamilie richten wir auf Matratzen am Boden unser Lager ein und genießen eine ausführliche Körperwäsche im kleinen Hammam oder der extra für uns eingeheizten Dusche.

Unser Koch Ibrahim überrascht uns jeden Abend aufs neue mit einem drei Gänge Menü aus frischen Zutaten: Suppe, dann Tajine, Couscous, Nudeln oder Reis und eine Nachspeise. Natürlich darf dazu der Thé à la menthe bzw. abends der Eisenkrauttee für einen guten Schlaf nicht fehlen. Mittagsrast halten wir stets an einem idyllischen Platz an einem kleinen Gebirgsbach, wo wir die strapazierten Füße ins Wasser halten und wie die hungrigen Raubtiere über eine riesige Salatplatte herfallen.

Astrid Daerr, Trekking in MarokkoIm gemütlichen Tempo mit fantastischen Ausblicken auf Täler, Gipfel und an den Hängen klebende Dörfer marschieren wir jeden Tag etwa drei Stunden vormittags und zwei bis drei Stunden nachmittags. Die Orientierung auf den vielen verzweigten und unmarkierten Hirtenpfaden fällt schwer, zumal auch keine detaillierten Karten für Wanderer in Marokko erhältlich sind. Dafür begleitet uns ein lizenzierter Bergführer (guide de montagne brevetés), der die marokkanische Bergwelt wie seine Westenstasche kennt. Die marokkanischen Bergführer werden nach einem vom französischen Alpenverein in Marokko etablierten Programm ausgebildet und geprüft. Unser Gepäck, die Zelte, Matten, Lebensmittel, Wasser und Küchenausrüstung transportieren gutmütige Maultiere, die sich täglich von den einheimischen Maultiertreibern geduldig neu bepacken lassen. Ohne diese Mannschaft wäre eine Trekkingtour nur unter größeren Strapazen möglich und eine Verständigung mit der lokalen Bevölkerung, die in den abgelegenen Gebirgsregionen meist nur Berberdialekte spricht, schwierig. Zudem sichern wir den Mulitreibern, dem Koch, den Helfern und dem Guide auf diese Weise ein bescheidenes Einkommen im Tourismus.

Als beste Zeit für Trekkingtouren gilt das Frühjahr (März, April, Mai) und der Herbst (September, Oktober). Im Sommer kann es sehr heiß werden und körperliche Anstrengungen fallen doppelt schwer. Touren in höheren Lagen (Jbel Mgoun, Jbel Toubkal, Atlas-Durchquerung) sind auch in den Sommermonaten möglich und sinnvoll, da im März und Okt./Nov. noch mit Schneefällen zu rechnen ist. Die Camping- und Kochausrüstung für die Trekkingtour wird von der Agentur gestellt. Diese kümmert sich auch um den Einkauf der Lebensmittel und der Wasserflaschen. Selbst mitbringen sollten die Teilnehmer einen Schlafsack, gut eingelaufene Wanderstiefel sowie je nach Jahreszeit ausreichend warme Kleidung und Regenbekleidung.

 

Astrid Daerr, Trekking in MarokkoDie schönsten Trekkingtouren in Marokko:

Jbel Toubkal Besteigung: Imlil – Toubkal Hütte – Jbel Toubkal Gipfel – Toubkal Hütte od. Imlil, 3 Tage, max. Höhe 4167 m

Jbel Saghro Durchquerung: Tagdilt – Almoun´n´Ouarg – Igli – Bab´n´Ali – Tifdassine – Nekob, 5 Tage, max. Höhe 2592 m

Trekking im Hohen Atlas: verschiedene Routen möglich, z.B. Oukaimeden – Ouaneskra – Imi Oughlad - Azib Tamsoult – Imlil (anschließende Jbel Toubkal Besteigung möglich), 4 Tage, max. Höhe 2960 m

hoher_atlas_trekking_marokkoIghil Mgoun-Überschreitung: Tabant – Azib´n´Ikiss – Terkkeddit Plateau – Ighil Mgoun – Oulilimt-Tal – Ouzighimit-Tal - Achaabou-Schlucht – Valée des Roses – Boumalne du Dadès, 8 Tage, max. Höhe 4068 m

Große Atlasdurchquerung: Imilchil – Quellen von Aghbaloul – Batli – Assif Melloul - Hochplateau von Kousser - Zaouiat Ahançal – Assem Souk – Aït Bougoummez-Tal – Timit – Oulilimt-Tal – Ighil Mgoun – Terkkeddit Plateau – Tessaout-Tal – Tifardzine – Tamda-See – Ounila-Tal / Telouèt, 16 Tage, max. Höhe 4068 m

Autor: Astrid Därr
http://www.daerr.net  

 

 

   

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