Hallo liebe Marokko Fans, ich werde versuchen ihn möglichst objektiv zu halten. Bitte bedenkt beim Lesen, dass jede Individualreise, wie der Name schon sagt, auf individuellen Erfahrungen beruht.

Freitag:

Wir steigen abends um 23:00 h in ein kleines Flugzeug der Royal Air Maroc. Das Reisefieber und die Vorfreude hat nun ihren Höhepunkt erreicht. Ängstlich wird noch beim Start die eine oder andere Hand ge-(zer-)drückt und dann schweben wir schon durch die Nacht. Im Flieger ist es höllisch heiß, weil der Pilot die Belüftung abgestellt hat, wie sich später herausstellt. Dies ist aber auch der einzige Wehmutstropfen, ansonsten können wir der RAM nur ein dickes Lob aussprechen: 2 Surfbretter werden trotz massig Gepäck kostenlos transportiert, das Flugpersonal ist äußerst zuvorkommend und der Flug verläuft sehr ruhig. Nicht einmal die befürchteten Turbulenzen setzen ein und die Landung in Agadir ist so weich, dass wir sie beinah verschlafen haben. Inzwischen ist es

Samstag:

Die Zoll- bzw. Passkontrolle dauert sehr lange, alle werden gründlich kontrolliert. Die Zollbeamten werden zur ersten unfreundlichen Begegnung, da wir ihnen keinen Aufenthaltsort nennen können (Auto und Hotel/Appartement haben wir ja nicht gebucht). Schließlich dürfen wir nach einigem Hin- und Her doch passieren und da alle Autovermietungen geschlossen haben, machen wir es uns, bewacht von patrouillierendem und schlafendem Sicherheitspersonal, auf den Flughafenbänken gemütlich. Private Autovermietungen gibt es am Flughafen übrigens, abgesehen von den paar Buden im Flughafengebäude, nicht. Da sich die Bänke als äußerst ungemütlich erweisen, lassen wir unsere beiden Mädels bewacht schlafen und machen uns auf zur Erkundung der näheren Flughafenumgebung. Direkt vor dem Flughafen gibt es eine Tankstelle der Marke Afrique, an der wir gegen 4:00 h früh Achmed und seinen Bekannten kennenlernen. Ich spreche sie mit meinem Gebrochenen Französisch an und Achmed verspricht uns sich um einen günstigen Mietwagen früh am Morgen zu kümmern. Er erzählt uns, dass er während der Saison in der Küche eines Restaurants gearbeitet hat und dass er jemanden von der Autovermietung kennt. Uns gefällt seine nicht aufdringliche Art (schließlich haben wir ihn ja nachts um 4 angequatscht). Nach weiteren 2 Stunden Surfbrettmissbrauch als Schlafunterlage und einer flüchtigen Morgentoilette am Flughafen packen wir unser ganzes Gepäck inkl. Surfbretter auf einen Gepäckwagen und machen uns mit ihm auf den Weg zur Tankstelle. Dort werden wir zunächst wie Außerirdische angestarrt, danach aber sehr gut mit einem reichhaltigen Frühstück und unserem ersten Pfefferminztee versorgt. Noch wissen wir nicht, dass wir noch die nächsten 6 Stunden an dieser Tankstelle verbringen werden.

Um halb sieben machen wir uns gestärkt und mit Achmed im Schlepptau auf zur Autovermietung. Nach langem verhandeln einigen wir uns auf 30 Euro am Tag für einen Fiat Palio. Palio. Palio. Palio soll später noch zu einem der Unwörter des Urlaubs werden. Das Auto soll um halb acht geliefert werden. Um 9 ist es im Preis auf 33 Euro, später so gegen 10 bereits auf 35 Euro am Tag gestiegen und noch nirgendwo zu sehen. Auch andere Anbieter lassen uns hängen und schließlich machen wir Männer uns auf nach Agadir und lassen die Mädels an der Tankstelle zurück. Die Reise mit dem alten Bus für 3DH ist ein unbezahlbares Erlebnis. Unsere alten Ossibusse in Tschechien sind modern gegen das Modell mit dem wir in die Stadt fahren. Wieder sind alle sehr sehr zuvorkommend zu uns. Interessant auch: der Bus wird mit 3 Personen betrieben: 1 Fahrer, 1 Fahrkartenverkäufer und ein Kontrolleur, der hinter dem Fahrkartenverkäufer hinterherläuft und den Bus auf halber Strecke verlässt. Schließlich steigen wir in Inezgane auf ein Grandtaxi (blau-weißer Merceds mit 5 weiteren Personen) um. Wir sind bestürzt über die slumartigen Zustände der Vororte von Agadir, an die wir uns aber mit der Zeit gewöhnen werden, wie wir nach 2 Wochen feststellen werden.

Bei der zweiten Autovermietung in Agadir werden wir uns schließlich einig: der Vermieter verlangt 28 Euro für einen Fiat Uno all inkl. laut Papieren sogar Baujahr 2003. Komisch nur, dass die Unos seit ca. 5 Jahren nicht mehr gebaut werden aber entscheidend ist der äußere Eindruck. Das Auto ist gepflegt, weiß (gut wegen Hitze), die Reifen für marok. Verhältnisse nicht allzu runter gefahren (ca. 2mm) und auch Ersatzrad und Wagenheber sind vorhanden. Das Bisschen Rost an den Türen stört uns nicht und die Surfsachen dürfen wir auch auf das Dach schnallen. Um 13:00 h sind wir zurück am Flughafen mit einem Auto, dass uns Dank Wechselkurs und 7 Stunden Suche letztendlich 27,83 Euro am Tag kostet.

Leider benötigen wir noch einmal 1,5 Stunden bis wir das Softrack am Dach befestigt haben und ich lerne: zu Hause einmal Auspacken und Anleitung lesen (vor allem: verstehen!) ist immer besser als bei 30°C im Schatten für Marokkaner eine Big Brother Live-Show zu veranstalten (mit dem Unterschied: wir draußen und die im klimatisierten Tankstellencontainer hinter Glasscheiben).

Gegen 14:30 h dann endlich abfahrt. Im Nachhinein zweifle ich ein wenig am Sinn der Suche (Rechnung: 7 Stunden Zeitverlust + 30 Euro Essen und Trinken an der Tankstelle + Spesen (Bus, Grandtaxi, 10 Euro Achmeds Hilfe + meine(schnief) Nutellareserve für seine Tochter) = 93,21 Euro Wenigerkosten für billigen Mietwagen ???) aber die Rechnung kann auch anders aufgestellt werden: Netten Achmed, Pfefferminztee Shukram und einige arabische Floskeln kennen gelernt, Grandtaxi und Bus gefahren, Agadir Vorort gesehen, Handeln gelernt und dass alles in nur sieben Stunden und für einen 93,21 Euro billigeren Mietwagen

Ok, zugegeben, der Uno hatte von Anfang an einen Radlagerschaden am linken Vorderrad hat aber trotzdem 1200 km bis nach Marakkesh und in den Atlas gehalten ;-) und uns wieder heil nach Agadir zurückgebracht.

Dort wo die Schnellstrasse in Agadir am Hafen auf die Küstenstrasse anbindet dann noch ein Schock: eine hellhäutige Frau mit dunklen Locken steht mitten auf der stark befahrenen Strasse. Sie ist ca. 40 Jahre alt, splitternackt, der Asphalt glüht und sie rauft sich die Haare. Wir haben nicht mehr die Kraft anzuhalten und ihr zu helfen. Nein, um ehrlich zu sein, uns kommt es nicht in den Sinn ihr zu helfen und eigentlich weiß ich auch jetzt im Nachhinein so richtig wie. Ich hoffe nur dass ihr jemand geholfen hat, denn bei uns hat sie vor allem Mitleid geweckt. So ein Bisschen sah sie aus wie ein Althippie, der die falschen Drogen genommen hat...aber das wird jetzt zu subjektiv.

Strassencafes Wir folgen der Küstenstrasse über Taghazoute bis nach Essouira und verpassen es nicht trotz Übermüdung und der fortgeschrittenen Zeit uns noch ein paar Strände anzuschauen, die von der Küstenstrasse aus zu erreichen sind. Taghazoute gefällt uns beim Durchfahren nicht so besonders, aber wir haben auch nur die Hauptstrasse gesehen.

Gegen 20:00 h erreichen wir Essouira und parken auf dem großen Parkplatz am Hafen. Der Parkplatzwächter bietet uns ein Appartement in der Medina an aber wir wollen lieber außerhalb wohnen und lernen Chirif kennen. Er verwaltet Appartements von französischen Investoren und Einheimischen und für 50 Euro bekommen wir ein ca. 80qm Appartement fast am Strand. Eigentlich wollte ich etwas mit Blick aufs Meer, aber den haben wir nur von der Dachterrasse. Trotz des nicht ganz billigen Preises bin ich aber zufrieden, da uns 2 Schlafzimmer, Küche, Bad und Wohnzimmer zur Verfügung stehen und alles sehr gemütlich eingerichtet ist. Die Zimmer sind alle mit Stuck verziert und die typisch marokkanische Einrichtung lässt uns an die Märchen aus 1001 Nacht denken. Die erste Nacht schlafen wir aber noch in einem anderen Appartement für 30 Euro, da unser Appartement noch bis Sonntag belegt ist.

Sonntag:

Nach dem Aufstehen können wir uns erst mal ein schönes Frühstück in einem Kaffee mit Espresso (wirklich sehr sehr lecker) und dem süßen Minzetee.

Ausgeruht und Ausgeschlafen packen wir dann wieder alles in unseren Uno und ziehen in das Appartement aus 1001 Nacht. Als wir es uns gestern angeschaut haben, war es noch von zwei Französinnen bewohnt und so ein Bisschen tut es uns Machos leid, dass die Mädels nicht zum Aufräumen und Kochen bleiben konnten (NUR EIN SPASS!) -tatsächlich teilen wir uns während des ganzen Aufenthalts alle täglichen Arbeiten.

Danach geht es erst mal an den Strand direkt vor unserer Tür. Besonders angenehm fällt uns auf, dass wir (und besonders die Mädels) von niemandem belästigt werden. Der Strand bietet eine wunderbare Mischung aus Einheimischen und marokkanischen Touristen, überwiegend spanischen und französischen Touris, verhüllten und fast nackt Badenden, Windsurfern, Kittsurfern und spielenden Kindern. Schon gleich an dieser Stelle: ein Kopftuch hat mein blonder Liebling zu keinem Zeitpunkt benötigt und an den Hintern ist man ihr auch nur einmal gegangen. Wellenreiten lässt sich an diesem Strand nicht, dafür lassen wir aber einen mitgebrachten Drachen steigen und der Nachmittag vergeht wie im Flug. Zum Schluss werde ich dann noch beinah von einem Kitte eines Surfers erschlagen, der sich erst nach einem Anschiss auf einen einsameren Strandabschnitt verzieht.

Montag:

Inzwischen hat sich bei uns allen Durchfall eingestellt der uns dann auch für den Rest des Urlaubs begleitet. Wir schieben es aber auf die Übermüdung und da er im Rahmen des erträglichen bleibt, machen wir uns auf zum Strand nach Sidi Kouki, ca. 20 km südlich von Essouira. Dieser Strand ist nicht nur perfekt zum Windsurfen und Kiten, sondern bietet auch gute Bedingungen zum Wellenreiten. Außer Marokkanern gibt es hier nur wenig ausländische Touristen und von einem Souvenirhändler erstehen wir gleich am Morgen ein schönes Andenken, aus angeblich echtem Silber. Überhaupt wird Sidi Kouki später zu einem unserer Lieblingsstrände, weil er mit seinen Kaffees, seinem langen Sandstrand, bewachten Parkplatz und wenig Menschen fast alle nötigen Voraussetzungen für den perfekten Tag am Meer bietet. Abends besuchen unsere Freunde noch die Medina, in der bis Mittwoch noch ein Volksfest veranstaltet wird, aber ich bleibe wegen Magenkrämpfen zu Hause und verschiebe es auf den nächsten Vormittag. Zum Abendessen gibt es übrigens ein leckeres Sandwich (Poulet grille) von einem Straßenkaffee gegenüber, dass ich nur jedem wärmstens empfehlen kann.

Dienstag:

Kurz ein paar Worte zum Frühstück da hier im Forum schon öfters die Frage der Selbstverpflegung diskutiert wurde: aus meiner Sicht und Erfahrung mit dem marokkanischen Frühstücksangebot kann ich nur jedem empfehlen das Frühstück selbst zuzubereiten. Im Supermarkt ist fast alles zu bekommen und so gab es bei uns jeden Tag: frische Melone, Tee aus abgekochtem Wasser, immer(!) frischen Brötchen, Butter, Erstaznutella (schnief), Marmelade, Käse, Wurst und selbst Philadelphia die wir mit halbwegs guten Tomaten gewürzt haben. Überhaupt halte ich Selbstverpflegung auch in Marokko für sinnvoller, als das Kaufen von zwar sehr billigem aber oft hygienisch und qualitativ sehr zweifelhaftem Essen, es sei denn man möchte/kann in Restaurants mit westlichen Preisen speisen.

Na ja, auf jeden Fall ziehen wir nach dem Frühstück los um Cap Sim zu finden. Irgendwie verfahren wir uns und landen schließlich auf einer Wüsten/Feldpiste, auf der wir nach 5 km mit Tempo 10 km/h ins Nichts fahrend schließlich wenden, nicht ohne vorher aber einen Spaziergang querfeldein zu machen. Das absolute Highlight des Tages ist dann ein von uns aufgeschrecktes Chamäleon, das extra für uns reglos zum Fotografieren posiert , bevor es in seinem Steinbau verschwindet. Vorsichtig heben wir den obersten Stein an und Entdecken in seinem Nest noch ein kleines junges Chamäleon, dass natürlich ebenfalls von allen Seiten fotografiert wird, bevor wir das Nest vorsichtig wieder zudecken. Anschließend erkunden wir noch einen Teil der nördlich von Essouira verlaufenden Aussichtsplattform, da es zum Surfen inzwischen sowieso zu spät geworden ist. Ca. 3 km nördlich von Essouira gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit Blick auf die gesamte Stadt und weiter nördlich gibt es einen Strand namens Mulay, den wir am nächsten Tag besuchen wollen.

Mittwoch:

Mulay: ca. 15 km nördlich von Essouira. Zu erreichen über einen nicht geteerten aber für PKW noch passierbaren Weg, der von der Küstenstrasse abbiegt. Sehr schöner Strand mit ein paar Bauten die sich zu einem Dorf zusammenschließen. Hier kann man zu sehr niedrigen Preisen alles aus Schaffswolle kaufen, was in Essouira das Doppelte und Dreifache kostet. Neben Mützen bietet die Einheimischen vor allem Pullover und Korbwaren an.

Wellenreiten macht nur bei Flut sinn, da der Weg ins Wasser sonst steinig wird und auch der Brake dann einen sehr steinigen Untergrund hat -bei Ebbe also nur etwas für Könner mit Schuhen :-) Im Dorf gibt es einen kleinen Surfershop und 1-2 Kaffees. Für uns war es interessant die Einheimischen beim Tintenfischangeln zu beobachten. Die Ebbe hinterlässt Flutpfützen auf dem steinigen Untergrund, in dem sich die Tintenfische verstecken. Einer wird gefangen und auf einen Holzstock mit Haken aufgespießt. Danach wird er wieder in die Pfütze gehalten, die Artgenossen stürzen sich auf ihn und schon hat man zwei, drei, vier... Für mich alles ein Bisschen zu grausam aber so ist der Mensch: ein Fleischfresser eben und ich gehöre dazu.

Donnerstag:

Wir schlafen sehr lange und verbringen den Rest des Tages in der Medina von Essouira. Dank eines Arabers namens Abdi in unserem Alter bekommen wir eine kostenlose Hafenführung, bei der wir nicht nur den Fischmarkt sondern auch den Fischereibetrieb im Detail erklärt bekommen. Sehr interessant ist auch der Bau von neuen Schiffen sowie die römischen Anlagen auf der Insel vor Essouira auf der früher Purpurfärbereien standen, die später zu einem Gefängnis umfunktioniert wurden. In der Medina gibt es für uns sehr viel Neues zu entdecken, zumal wir noch nie eine arabische Medina besucht haben. Neben den klassische Lampen, Teppichen und Holzsouvenirs besuchen wir auch das Geschäft eines Malers, der sich inzwischen über Essouira hinaus einen Namen gemacht hat. Er zeigt uns Fotos von seiner Ausstellung in Casablanca und wir diskutieren mit ihm über die Motive seiner Bilder. Er malt überwiegend arabischen Buchstaben und Worte, die er mit der Zeichensprache der Berber zu Gemälden vermischt. Ich muss lachen, weil er auch ein Bild mit dem arabischen Alphabet anbietet und ich mir vorzustellen versuche, welcher Araber so ein Bild wohl kauft. Als ich ihm das sage, erklärt er mir, dass es vor allem Franzosen und Ausländer kaufen, die gerne Arabisch lernen vollen, aber auch arabische Eltern, die es ihren Kindern schenken. Alles in allem verbringen wir über 12 Stunden in den Gassen und Gässchen der Medina, sprechen viel mit den Einheimischen und Händlern und kaufen schließlich einen sehr schönen Spiegel aus Kamelgebein und Messing. Besondere Freude bereitet mir ein Spitzname, den mir mit der Zeit viele Händler geben: Le Berbe Czeche! Natürlich werden wir trotzdem übers Ohr gehauen aber abgesehen von ein paar Ausnahmen zahlen wir für das meiste keine allzu überzogenen Preise. Zumindest bemerke ich dass viele Araber den selben Preis bezahlen wie ich, wenn sie denn ein Souvenir kaufen. Auch bekommen wir mit der Zeit immer realistischere Preise genannt, statt des klassische "Hello my frient", "good price for you and good price for me" und "tell me your price". Irgendwie hat man zum Schluss auf jeden Fall das Gefühl, dass das Handeln nur für Touris erfunden wurde. Auf der anderen Seite sind wir selbst wohl aber auch eine Kuriosität, da sich Tschechen nicht allzu oft nach Marokko bzw. speziell Essouria zu verirren scheinen. Später am Abend werden wir dann noch von einem Gewürzhändler in den Bann gezogen, der uns alle möglichen Kräuter gegen alle möglichen Wehwehchen anbietet. Er ist es dann auch, der meiner Freundin beim gemeinsamen Foto (auf dem er bestanden hat) an den Hintern geht, sich aber dann brüskiert zurück zieht nach dem wir ihn darum höflichst bitten. Wenigstens macht er dann zur Entschuldigung noch ein paar Geschenke locker mit denen er sich ein wenig für seine Dreistigkeit entschuldigt. ...

Nach über 12 Stunden Medinabesichtigung macht sich unser Magen mit einem lauten Knurren bemerkbar. Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen landen wir schließlich auf der Dachterrasse einer Pizzeria im Zentrum der Medina. In dieser europäischen Oase (was für ein Widerspruch ) finden wir nicht nur sehr leckeres Essen (Mozarella-Tomaten-Salat, Pizza a la Carte und sehr guten marokkanischen Wein) sondern vor allem auch endlich ein Bisschen Ruhe für uns selbst. Obwohl das Essen für 2 Personen mit 30 Euro zu Buche schlägt, bereuen wir keinen Cent, denn Ruhe und Privatsphäre scheint mit das teuerste Gut in Marokko zu sein. Denn egal wo wir uns zuvor niedergelassen haben, es ist praktisch unmöglich nicht mit einem der (netten!) Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Obwohl wir während des ganzen Urlaubs gerade von dieser Kontaktfreudigkeit der Marokkaner profitieren (die besten Ausflugtipps, die schönsten und interessantesten Plätze haben wir nur Dank der Einheimischen gefunden) sind wir nun froh unsere Eindrücke selbst reflektieren zu können. Interessant aber auch hier wieder der Gegensatz zwischen Arabischer und Europäischer Welt: der Besitzer und vermutlich gleichzeitig auch Koch des Restaurants ist allem Anschein nach Franzose. Er kümmert sich um die Bestellung, seine marokkanische Frau bedient und räumt die Tische ab. Beide sind ausgesprochen freundlich und die Frau lächelt den ganzen Abend, obwohl sie keine Wort französisch zu sprechen scheint oder es nicht will. Das Restaurant ist äußerst gemütlich, lediglich die niedrigen Tische und die ungemütlichen alu McDonaldstühle trüben ein wenig die Heimeligkeit. Zum Schluss kaufen wir noch eine weitere Flasche des marokkanischen Weins für unsere Weinsammlung zu Hause, den wir sogar 2 Euro günstiger als auf der Karte bekommen. Leicht beschwipst aber zufrieden machen wir uns auf den Heimweg entlang der Stadtmauer. Als wir ein Bisschen allzu neugierig in einen Schuppen in der Stadtmauer lunsen werden wir sofort hinein gebeten und bekommen zum Schluss des Abends noch gezeigt, wie in Marokko Teppiche gewebt werden. Die beiden jungen Marokkaner sind wieder äußerst zuvorkommend und lassen es sich nicht nehmen auf alle Tourifragen ausgiebig Auskunft zu geben. Unter anderem erfahren wir, dass man für einen Sofaüberzug ca. 6 Stunden weben muss.

Freitag:

Obwohl dieser Tag wieder mit einem ausgiebigen Mittagsfrühstück und in bester Laune seinen Anfang nimmt, soll er zu einem der traurigsten in meinem Leben werden. Wir fahren mit dem Auto entlang der Küste Richtung Norden, weil uns dort Abdi aus dem Hafen in Essouira einen sehr schönen Strand empfohlen hat. Ca. 15 km hinter Mulay finden wir tatsächlich eine Abzweigung hinunter ans Meer, die sich mit unserem Uno gerade noch bewältigen lässt. Ein paar Mal müssen wir aussteigen damit wir mit dem Auto nicht aufsetzen und auch Schieben ist angesagt, nach dem wir ein paar Mal im Sand stecken bleiben. Die Mühe scheint sich aber zu lohnen, denn nach ca. 20 Minuten erreichen wir einen Strand, wie ihn sich die Werbung nicht hätten besser ausdenken können: ein riesiger Sandstrand mündet in einer kleinen Bucht mit vorgelagerten Felsen, zur unserer Rechten ein paar Häuser auf einem Felsplateau, danach beginnt eine felsige Küstenlinie. In der Bucht haben Fischer ihre kleinen hölzernen Boote auf den feinen Sand gezogen und Kinder spielen Fußball. Voller Vorfreude packen wir unsere Strand- und Surfsachen unter den Arm und machen uns auf die Suche nach einer schönen Liegestelle auf den Weg. Plötzlich sammeln sich die Kinder um eine am Boden liegende Gestalt und auch aus dem Häuser laufen immer mehr Menschen zusammen. Jemand hebt und senkt die Arme der am Boden liegenden Gestalt aber da wir nicht wissen was passiert ist und ja bereits viele Menschen dort sind, wollen wir uns nicht einmischen. Wir sind schon vorbei, als mich plötzlich ein ca. 40 jähriger Mann mit einem leblosen Körper über die Schulter überholt. Auf mein Nachfragen wo er denn hinläuft und was passiert sei, ruft er mir nur "une voiture - je cherche un voiture" zu und läuft weiter auf den Strand hinaus -scheinbar ins Nichts. Der leblose Körper in seinem Arm ist ein kleiner Junge, vielleicht 8,10 oder 12 Jahre alt und ich bitte ihn den Jungen auf den nassen Sand zu legen. Er atmet nicht, kein Puls und nach dem ich ihm den Mund ausgeräumt und den Kopf überstreckt habe, beginne ich mit Wiederbelebungsversuchen. Erfolglos. Er ist entweder ertrunken oder an seinem Erbrochenem erstickt und uns packt Wut und Trauer zugleich: Erste Hilfe? Fehlanzeige -kennt hier niemand. Rettungswagen? Fehlanzeige. Krankenhaus? Fehlanzeige - 63% der marokkanischen Bevölkerung leben nicht in der unmittelbaren Erreichbarkeit medizinischer Hilfe. Der Junge stirbt und ich zweifle bis heute, ob ich ihn nicht hätte länger wiederbeleben sollen. Hier in Deutschland haben wir gelernt: Wiederbelebungsversuch werden bis zum eintreffen des Arztes fortgesetzt. Nur ein Arzt kann entscheiden, wann mit den Rettungsmaßnahmen aufgehört wird. Vermutlich wäre ich dann noch heute an diesem Strand. Genauso traurig: ich habe weder gesehen, wie der Junge aus dem Wasser gezogen wurde, was genau passiert ist und wie lange der Atemstillstand schon eingesetzt hatte, bevor ich mir seiner Notlage bewusst wurde.

Ich weiß nicht was danach passiert ist, denn wir wurden von allen nur angestarrt und haben recht schnell unsere Sachen gepackt und sind gefahren. Autos gab es vor Ort genug aber ich glaube nicht, dass man noch irgend etwas für den Jungen tun konnte. Mein letzter Eindruck von diesem Strand war der Vater des Jungen, der hilflos und traurig aufs Meer starrt.

Samstag:

wir stehen bereits um 5:00 h auf und machen uns um halb sieben auf den Weg nach Marrakech. Bisher war es die ganze Zeit bewölkt aber heute scheint die Sonne und wir haben zum ersten Mal wirklich blauen Himmel. Um halb zehn erreichen wir ein chaotisches und heißes Marrakech. Den Weg ins Zentrum finden wir recht schell und nach dem wir uns nach der Parkgebühr erkundigt haben (10DH für den ganzen Tag) parken wir unsere Luxuskarosse direkt an der Stadtbibliothek. Von dort laufen wir zum Djemaa el Fna-Platz wo wir von den am Morgen noch trägen Souvenirhändlern überfallen werde. Da sich die Souvenirs nicht im Wesentlichen von dem Angebot in Essouira unterscheiden, kaufen wir nach zähen Verhandlungen lediglich eine hölzerne Klapperschlange für 15DH. Wieder mache ich dabei meinem Spitznamen alle Ehre, denn unter 20DH war sie in Essouira nicht zu bekommen und schon gar nicht das seltene Modell mit dem großen Schlangenkopf (die mit den kleinen Köpfen gibt es nämlich an jeder Ecke). Das besondere an dieser Schlange ist, dass sie auch lauter kleinen Holzwirbeln besteht, die alle mit einem Faden und Kleber zusammengehalten werden. Durch diese Bauweise imitiert das Spielzeug täuschend echt die Bewegungen einer echten Schlange und fast tut es mir leid, dass ich nicht auch eine für mich gekauft habe. Die von uns erstandene ist nun auf jeden Fall im Besitz eines 10 jährigen ukrainischen Jungen aus unserem Bekanntenkreis, dem sie hoffentlich genauso viel Freude bereitet. Das letzte was ich von ihr gehört habe ist, dass sie ihre Gummizunge (die wohl abgefallen ist) im Mund versteckt hat

Wer nun auf die Beschreibung der vielen Sehenswürdigkeiten wartet, den muss ich leider enttäuschen und an die Homepage und Linkliste von Edith Kohlbach verweisen. Wir durchqueren zwar die halbe Stadt und laufen vom Djemaa el Fna-Platz bis zum heutigen Königspalast und den Jardins sehen aber keinen der vielen Paläste von Innen, weil sie über Mittag geschlossen sind. Dafür besuchen wir aber einige der Gässchen das jüdische Viertels, treffen einen echten arabischen Computerverkäufer und unterhalten uns mit der königlichen Palastgarde. Das von uns durch Zufall entdeckte Computergeschäft besteht aus einem kleinen Pult in einer überdachten Galerie, in der alle nur erdenklichen Modelle vor allem neuerer PC Generationen sowie der ein oder andere Flachbildschirm ausgestellt sind. Außerdem entdecken wir echtes Recycling an dem sich selbst Deutschland noch ein Beispiel nehmen kann. In zahlreichen Geschäften werden alle nur erdenklichen Waren aus gehrecycelten Autoreifen angeboten. Über Sandalen, Schuhe, Bilderrahmen, Töpfe und Eimer gibt es hier fast nichts, was nicht aus dem alten Gummi hergestellt wird. Die aus Danone und anderen Plastikverpackungen hergestellten Tüten und Taschen haben wir aber auch schon in Essouira gesehen. Vor dem El-Badi Palast werden wir von recht unsympathischen, dicken, bis auf die Augen verhüllten Frauen zum Kauf einer ihrer Souvenirs gedrängt. Nach dem wir freundlich (na ja nicht mehr so ganz freundlich) ablehnen um sie loszuwerden, drücken sie uns Geschenke in die Hand. Nach dem wir ihnen aber kein Gegengeschenk geben wollen, reißen sie es uns auf der Hand und ziehen endlich ab. Später beobachten wir wie sie nach dem Verkauf eines Souvenirs ihren "Umsatz" bei einem noch unsympathischeren Mann abliefern (müssen?). Besonderen Gefallen finden wir auf diesem Platz aber an den Storchennester, die überall auf den Palastmauern zu sehen sind und nach einer Weile bekommen wir sogar einen Storch vor die Linse unserer immer hungriger Fotoapparate. Inzwischen ist es 11 Uhr und da leider alle Paläste über die Mittagspause geschlossen haben entscheiden wir uns in einer klimatisierten Bar einzukehren. Inzwischen liegen unsere Nerven blank, die Hitze tut das Seine und ich erinnere mich an die Ratschläge vieler Marokkoreisenden Marrakech nur oder besser hauptsächlich nachts zu besuchen. Nachdem sich auch die Bedienung in unserer Bar äußerst unfreundlich zeigt (was sie letztendlich das Trinkgeld kostet) beschließen wir aus Marrakech in das Atlasgebirge zu fliehen. Zuvor müssen wir uns aber noch einmal mit unserem Parkwächter rumstreiten, der nun auf einmal 25DH verlangt, sie aber schließlich nicht bekommt.

Alleine die Fahrt in die Berge entschädigt uns schon für das laute, schmutzige und agressive Marrakech. Zweimal nieselt es leicht und ich halte die ersten Tropfen zunächst für das Scheibenwischwasser des vorausfahrenden Fahrzeugs bevor ich einen großen Regenbogen am diesigen Himmel entdecke. Wir passieren romantische Bergdörfer und zahlreiche Aussichtspunkte und biegen schließlich von der Hauptstrasse nach Oukaimeden ab, an einer Abzweigung die wir zunächst wegen den gerade durchgeführten Straßenarbeiten beinah übersehen hätten. Die Strasse schlängelt sich von hier noch ca. 30 km bis zu einer grünen Hochebene. Gleich zu Anfang wurde ein kleiner Stausee (mehr ein Teich) angelegt und überall weiden Kühe und Schafe auf den Wiesen. Es gibt hier auch einen Skilift der für marokkanische Verhältnisse sicherlich eine Attraktion für echte Alpinisten im Winter aber eher eine Enttäuschung darstellen dürfte. Begeistert sind wir jedoch von der Almhütte eines Franzosen am Fuße der Hochebene, die uns in einem Quantensprung auf eine Alm in den Alpen versetzt. Leider können wir die Aussicht zunächst nicht allzu lange genießen, da wir vor sehr sehr aufdringlichen Einheimischen in das Bergrestaurant flüchten müssen. Nach einer kurzen Rast verlassen wir gestärkt das Restaurant und nach dem wir auch wirklich unsere allerletzten DH für irgendwelchen Ramsch ausgegeben haben, dürfen wir endlich weiterziehen. Da wir nur sehr wenig Zeit mitgebracht haben nehmen wir, obwohl eigentlich recht sportlich, unsere Luxuslimousine und funktionieren sie zu einem Geländewagen um. Das heißt an einigen Stellen aussteigen, damit wir nicht den Auspuff auf dem Berg lassen und nach dem wir auch noch den letzten Händler der uns mit einem Mofa verfolgt durch Steinwürfe vertrieben haben (auf Worte reagiert er leider nicht ) nimmt uns der Ausblick vom Gipfel auf das Atlasgebirge den Atem.

Der Besuch der Berge wird für uns allen zu einer der schönsten Erinnerung Marokkos, obwohl wir nur knappe 2 Stunden bleiben können, bevor wir uns wieder auf den Weg ins Tal machen. Die spielenden Kinder am Straßenrand erinnern uns noch oft an das traurige Erlebnis vom Vortag aber die Berge geben der arabischen Floskel "Inshallah" irgendwie eine tiefere Bedeutung.

Beim Durchqueren von Marrakesh setzt das Schicksal dann aber noch einen drauf. Der Verkehr nimmt abends extrem zu, aus einspurigen Fahrspuren werden 3 spurige Schnellstrassen ohne Verkehrsregeln. Autos kämpfen mit Busen, Eseln und Mofas um ihre Existenz und (ich stütze mich hier auf einen anderen Reisebericht) Fußgänger haben in Marakkesh ein wenig mehr Rechte als Ziegen, die im Stellenwert immerhin noch über dem Hund stehen. Tatsächlich kommen wir auch prompt in einen Stau. An seinem Anfang halten 2 Männer einen auf der Strasse liegenden Mann unter den Armen, der von Blut überströmt uns scheinbar bewusstlos ist. Daneben steht ein Polizist der sich etwas notiert, aber von "stabiler Seitenlage" geschweige denn Verbänden oder 1. Hilfe scheint auch in Marrakech noch niemand etwas gehört zu haben. Wir verlassen diese verrückte Stadt und erreichen gegen Mitternacht unser heimeliges Essouira.

Montag:

Nach dem Aufstehen brechen wir am frühen Vormittag noch einmal nach Norden entlang der Küstenstrasse auf. Wir passieren "den traurigen Strand" und gelangen nach ca. 15 km an eine riesige Bucht mit scheinbar idealen Surfbedingungen. Nachdem der Besitzer des kleinen Kaffees oberhalb der Strasse Geld für seinen Schotterparkplatz verlangt (unter der Woche war eine Rast noch kostenlos) parken wir schließlich direkt am Straßenrand und steigen an den Strand hinab. Wenig Leute und der feine Sand sind die absoluten Highlights dieses Strandes, zum Surfen und Baden mit Kindern ist er jedoch absolut nicht zu empfehlen, da ich noch nirgendwo auf der Welt eine so starke Strömung erlebt habe. In 10 Minuten wird man von einem Ende der Bucht bis fast aufs offene Meer am anderen Ende getrieben. Die Strömung ist so stark, dass man sie selbst in den auslaufenden Wellen noch deutlich spürt.

Abends sind wir bei unserem Vermieter Chirif zum Kuskusessen eingeladen. Wie sich das gehört bringen wir ein Gastgeschenk bestehend aus Schokolade und Keksen mit und lassen uns von ihm in die Tischbräuche der Marokkaner einweisen. Dazu wird mit der Hand in das Kuskus in der Mitte des Tischs gegriffen, die Hand umgedreht und durch eine Bewegung der Hände, die dem Bewegen von Yin-Yan-Kugeln gleicht ein Bällchen geformt, dass dann zum Mund geführt wird. Zum Glück bietet uns Chirif auch Teller und Besteck an, so dass keiner hungrig nach Hause geht. Entsprechend den Sitten nehmen wir das Essen nicht im Beisein seiner Frau zu uns, aber auch nach dem Essen bleiben wir mit Chirif alleine und so bietet sich keine Gelegenheit sich bei ihr für das vorzügliche Essen zu bedanken.

Montag und Dienstag der zweiten Woche verbringen wir am Strand in Sidi Kouki, finden endlich die Zufahrt nach Cap Sim und besuchen noch mehrmals die Medina von Essouira. Nach dem wir die ganze Medina verzweifelt nach einem Brillen Etui aus Holz abgesucht haben geben wir zwei Etuis bei einem Holzkünstler in Arbeit. Obwohl die gängigen Stiftetuis selten mehr als 40 DH kosten sind wir bereit 100 DH pro Etui zu bezahlen. Der Künstler ist sehr nett und scheint sein Handwerk zu verstehen, da er sehr schöne Arbeiten in seinem Atelier ausgestellt hat. Zuerst verlangt er eine Anzahlung und erzählt uns von Kunden die Auftragsarbeiten nicht abholen, doch dann geht es auch ohne.alt

Mittwoch:

wird zum schönsten Surftag unseres Urlaubs. Die Wellen sind in Sidi Kouki meterhoch und unsere Freunde machen einen Kamelausritt. Auch das Wetter spielt mit und so entstehen an diesem Tag sehr schöne Fotos mit einsamen Kamelen am Strand und einer Sonne die im Meer versinkt. Außerdem beobachten wir am Strand zwei Fischer die ihr Netz vorbereiten und kommen mit einem 18 jährigen Marokkaner ins Gespräch, dem ich mein Surfbrett leihe, wenn ich nicht gerade im Wasser bin. Später bringt er uns 3 arabische Buchstaben bei (j,ch,chr - oder so ähnlich) und wir fragen ihn besonders über das Verhältnis zwischen Mann und Frau in Marokko aus. Er erklärt uns, dass man in Marokko 4 Frauen haben kann, allerdings nur, wenn man es sich auch leisten kann, da alle 4 Frauen den Anspruch auf Gleichbehandlung haben. Wir verstehen dies zunächst nicht ganz aber er schildert uns das an einem sehr praktischen Beispiel: "Wenn Du eine Frau hast, musst Du 1 Paar Schuhe kaufen. Wenn Du 4 hast, musst Du 4 Paar Schuhe kaufen -das ist sehr teuer." Wenn ihm ein Mädchen gefällt (wobei uns nicht so klar geworden ist wo er sie denn eigentlich vorab treffen kann) muss er zu seinen Eltern gehen und diese kontaktieren die Eltern des Mädchens und vereinbaren die Hochzeit. So in etwa habe ich es zumindest in meinem gebrochenem französisch verstanden. Als wir ihn fragen was denn passiert wenn das Mädchen nicht will lacht er und sagt dass alle Mädchen in Marokko schnell heiraten wollen. Außerdem weicht er darauf aus, dass er das Mädchen ja zunächst einmal erst treffen und kennenlernen kann. Er erzählt uns auch etwas über seine Schule und den Unterricht, die Ferien und den Beruf seines Vaters, der Fischer ist und wohl sehr gut verdient, sich aber trotzdem nur eine Frau "hält". Er selbst will einmal Schiffsmechaniker werden, eine Arbeit die in Marokko gut bezahlt wird.

Donnerstag:

ist der letzte Tag vor unserer Abreise. Wir verbringen den Vormittag in Essouiras Medina und werde arg von unserem Holzkünstler enttäuscht, der einfach auf uns gepfiffen hat. Ich glaube es war Thomas der sich bereits in diesem Forum über die Zuverlässigkeit von Zusagen geäußert hat -uns hat es auf jeden Fall getroffen: wenn nicht heute, dann morgen, oder vielleicht übermorgen, das ist dann in einem Tag oder Monat - aber vielleicht auch erst im nächsten Jahr - Inshallah.

Wir verbringen noch einige Stunden mit der Suche nach einem passenden Stifteetui, dass uns eine andere Werkstatt in ein Brillenetui umarbeiten könnte, werden dabei verhöhnt (wir arbeiten ab 50 Stück aufwärts) aber treffen auch wieder sehr nette Menschen, die um eine Lösung bemüht sind uns aber in der kurzen noch verbleibenden Zeit nicht helfen können. Schließlich kaufen wir noch ein paar sehr schöne Lampen (einfach ein Muss) aus Ziegenhaut und Eisen und probieren noch ein zweites Mal unser Glück mit der Anfertigung einer Speziallampe bis zum Abend, passend zu einer Wandlampe die wir uns ausgesucht haben. Außerdem treffen wir noch einen sehr netten und jungen Gewürzhändler der mir als Berbe Czech sehr günstig echten Safran verkauft 8DH/gr und dem ich versprechen Muss ein T-Shirt und ein tschechisches Rezept zu schicken.

Den Nachmittag verbringen wir wieder in Sidi Kouki, ich surfe noch ein Bisschen, obwohl die Wellen heute nicht mehr viel hergeben und abends machen wir noch einen 2 stündigen Ausritt auf Pferden entlang des Strands. Dabei entdecken wir hinter dem Strand von Sidi Kouki (Richtung Süden) noch einen zweiten riesigen Strandabschnitt, der für Leute die Ruhe suchen wie geschaffen scheint. Allerdings ist mit dem Auto nur der Anfang zu erreichen, da der Zufahrtsweg aus irgendwelchen uns nicht ersichtlichen Gründen mit einem Erd- und Geröllhaufen versperrt wurde. Eine besondere Begegnung habe ich an diesem Tag auch noch: bei einem Strandspaziergang treffe ich auf einem etwas abgelegenen Strandabschnitt einen ca. 40 jährigen Araber der mit 4 komplett verhüllten(!) Frauen im Meer badet. Ich grüße freundlich aber halte höflich Abstand, werde von ihm aber sofort auf meine Herkunft angesprochen und in ein nettes Gespräch verwickelt. Es sind diese Kleinen freundlichen Gesten, die mir im Zusammenhang mit Marokko immer in Erinnerung bleiben werden.

Abends schließen wir unseren Urlaub mit einem letzte Spaziergang durch die Medina ab, glauben wieder versetzt worden zu sein da der Lampenhändler inzwischen geschlossen hat und treffen ihn durch Zufall auf der Strasse. Er hat die Lampe tatsächlich angefertigt und so haben wir zum Schluss doch noch ein persönliches Andenken in Form einer Kerzenlampe, die in arabische Zierschrift die Worte "Freiheit" und "Frieden" trägt.

Zuletzt Essen wir noch einen sehr leckeren Fisch in einem der Restaurants am Hauptplatz, bekommen aber um halb zwölf im wahrsten Sinne des Wortes die Stühle unter dem Hintern weggezogen, weil die Kellner früh aufstehen müssen, wie man uns sagt.

Freitag - Abreise:

Morgens um 8:30 h verlassen wir nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von Chirif Essouira. Auf der Rückreise nach Agadir lassen wir noch einmal alle Erlebnisse Revue passieren und ich möchte es nicht versäumen euch daran teilhaben zu lassen. Manche kommentiert und andere frei im virtuellen Raum stehend unsortiert und in beliebiger Reihenfolge:

Händchenhalten im Flieger

weiche Landung

die Stewardess mit diesen verführerischen Augen die so vielen Marokkanern(inen) eigen ist

der grabschende, auf einem Foto verewigte Gewürzhändler

Palio, Palio, Palio - grande voiture

Achmed (unser erster Guide in Agadir)

Ein Gewürzhändler der Che Chebara auf der Visitenkarte hat, dessen Bildnis vom alten König verboten war auszuhängen

der selbe Händler der uns von seiner kranken Tochter erzählt

Hühner, Kamele, Hunde und Ziegen die auf Bäume klettern

Tagine und Kuskus

der trinkende Holzkünstler

der äußerst redegewandte aber sehr nette Maler

Das Appartement aus 1001 Nacht

Radio DieuxM und die wunderbare arabische Musik

Abdi der Orangenverkäufer aus dem Hafen Essouiras

Essouira, Marrakech und das Atlasgebirge

Die verrückte Frau und der angefahrene Mann

der ertrunkene Junge

Kamelritte "my frient"

Le Berbe Czech

die tschechische Nationalmannschaft, deren Spieler fast allen Marokkanern ein Begriff waren

Schlafen auf dem Flughafen

Busfahren

die Slums um Agadir

Dünnpfiff und Magenkrämpfe

unvergessliche Wellen in Sidi Kouki

2 österreicher am Strand von Essouira

Drachensteigen

Handeln

Armut und Reichtum

Nutella

Pferdereiten am Strand

Essouiras Medina

das Chamäleon und sein Baby

Tintenfischangeln

Scamboarden und ein ausgeränkter Knöchel

Brillenetouis und perfekt gefälschte Ray Ben Brillen neben gefälschten Lacoste Hemden und absolut echten Burbery Hemden

der Lederschneider der uns zum Gemüsemarkt geführt hat

Schlägereien 2x in Essouira und der Verrückte der mit Wasser begossen wurde

die hölzerne Klapperschlange

das lächelnde Mädchen am Strand in Essouira

die beiden Mädels die mir aus dem Mercedes winken

Grandtaxi

alte, behinderte und verrückte Menschen die auf sich selbst gestellt sind

Petits taxi

der jaulende Sänger am Strand von Sidi Kouki

gefälschte CDs mit arabischen Liedern die nur halb funktionieren

eine Spinne im Schlafzimmer

Stuck an den Wänden und ein Innenverputz der in Deutschland eine Marktlücke füllen könnte

ein immer wieder explodierender, mit Gas betriebener Wassererwärmer

Gasflaschen auf einem Eselkarren in der engsten Gasse der Medina neben denen fleißig geraucht wird

Die Lampen, Spiegel und die marokkanische Handwerkskunst

Pssssst .. Haschisch my frient? = NEIN DANKE!

Überwiegend sehr, sehr freundliche Menschen mit ein paar unfreundlichen dazwischen (in keinem meiner Reiseländer habe ich bisher so nette Einheimische kennen gelernt)

Hygenie irgendwo wo bei nicht bekannt

Müll wird aus dem Fenster in den Hof entsorgt. ...

Na ja, die Liste ließe sich wohl endlos fortsetzen. Deshalb noch meine, diesmal rein subjektive Reiseempfehlung:

Ich glaube nicht ein einziges meiner Vorurteile über Marokko hat sich bestätigt. Ich habe ein Land mit sehr netten und offenen Menschen kennen gelernt, soweit das in knapp 2 Wochen möglich ist. Wie ich erfahren habe hat der neue König ein Tourismusgesetz erlassen, dass vorschreibt Touris "nett" zu behandeln. Nicht immer ließ sich genau sagen wer an unseren DH interessiert und wem wirklich an einem Erfahrungsaustausch gelegen war aber Marokko ist ein Land das man nicht vergisst (ich hoffe die "echten" Marokkokenner" verzeihen mir an dieser Stelle, dass ich von Marokko spreche, obwohl ich nur das Dreieck zwischen Essouira, Agadir und Marakkech bereist habe). Wer ein Hotel am Meer, Ruhe und Erholung sucht braucht nicht eine Individualreise nach Marokko sondern dem reicht ein Hotel in Agadir. Diesen Reisenden würde ich dann aber eher die Mittelmeerküste empfehlen, weil dort das Wasser aller Wahrscheinlichkeit nach wärmer ist. Mit meinen kleinen Kindern würde ich persönlich nicht nach Marokko reisen, da wir alle den ganzen Urlaub durch an Dünnpfiff und Magenkrämpfen gelitten haben -trotz selbst zum Zähneputzen abgekochtem Wasser- aber ich weiß auch dass Anne(?) aus dem Forum schon mit ihren kleinen Kind(ern?) in Marokko gewesen ist. Auch sollte man bei sportlichen (und vor allem extremsportlichen) Aktivitäten bedenken, dass kein Notarzt in der Nähe sein muss -so definieren manche aber auch Abenteuerreisen. Wie gesagt, dies ist subjektiv.

Wer aber einen Einblick in die arabische Welt bekommen möchte, sollte sich Marokko nicht entgehen lassen. Gerade für Nichterfahrene wie mich war Marokko das Land, welches mir die Größe und Vielfalt unserer Erde wieder vor Augen geführt hat, nach dem mir ein zusammenwachsendes Europa zu klein geworden ist und mir die Großstädte der Welt (von New York bis Prag) nichts wirklich neues mehr bieten konnten.

Manchmal zweifle ich auch ein Bisschen, wie viel tatsächliches Marokko und arabische Mentalität wir erlebt haben, da sich die Menschen auch und gerade in unserer Lieblingsstadt Essouira nach Saisonende zu verändern schienen. Die beiden Schlägerein fanden abends statt, als die Saison zu Ende war, die Preise fielen radikal um weit über 50% und die Menschen selbst schienen auf einmal eine Spur kälter und weniger interessiert, weniger zurückhaltend, lauter und agressiver. Warum und woher dieses subjektive Gefühl kommt kann ich euch leider nicht sagen.

Und eine letzte Anmerkung habe ich noch zu jemandem aus dem Forum, der sich eine Existenz in Marokko aufbauen wollte: in Essouira fehlt definitiv ein großer Supermarkt, obwohl die Stadt beständig wächst. Es gibt große Supermärkte in Marakkech und Agadir aber kein Metro oder etwas vergleichbares in Essouira. Ich würde, wollte ich mir dort eine Existenz aufbauen, eine der großen Handelsketten anschreiben und ihnen vorschlagen für sie dort ein Geschäft zu eröffnen. Voraussetzung wäre, ich würde die marokkanische Sprache beherrschen.

Vielleicht auch dies aber nur ein virtueller Traum, dessen Erfüllung einer der anderen Marokkokenner besser beurteilen kann als ich.

Auf ein Wiedersehen irgendwie, irgendwo, irgendwann - Inshalla.

Quelle: Marokkoforum 2009

   

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