Gespräch mit Mohammadi Akhabach zu den Themen Integration und Islam:

Was versteht man unter Integration?

Auf die Frage wird es wohl eine oder mehrere wissenschaftliche Antworten geben. Für mich ist Integration aktiv am Leben in diesem Land mitzuwirken, ohne meine Wurzeln zu verleugnen. Ich fühle mich integriert, weil ich die Sprache beherrsche und beruflich erfolgreich bin. Sehr wichtig ist es die Gesetze und Regeln des Landes zu achten und zu akzeptieren. Die kulturelle Vielfalt in Deutschland muss als Gewinn, ja als Bereicherung verstanden werden. Hier liegt ein hohes Potenzial an gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung.

Was steckt hinter dem Wort Migrationshintergrund?

Das ist die politisch korrekte Beschreibung von Menschen, die ausländische Wurzeln haben. Die entweder in einem anderen Land geboren wurden und mit den Eltern nach Deutschland kamen, oder deren Eltern aus einem anderen Land kamen. Migrationshintergrund bedeutet nur, dass man selbst eine Aus- bzw. eine Einwanderung erlebt hat, oder die Eltern bzw. die Generationen davor so etwas erlebt haben. Der Begriff wird aber auch gebraucht für Deutsche, die eingebürgert oder hier geboren wurden, um darzustellen, dass die Familien ursprünglich nicht aus Deutschland kommen.

Sind Türken und Araber wirklich nicht integrationsfähig?

Das ist Unsinn. Es gibt zahllose Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Menschen aus den genannten Nationen, die erfolgreich „integriert“ sind und ihre Leistung als selbstverständlichen Beitrag für dieses Land betrachten. Leider sind die vielen positiven Beispiele kaum bekannt. Ich habe häufig das Gefühl, dass die Medien weniger an positiver Darstellung solcher Fälle interessiert sind. Auch die Debatten kreisen häufig um Menschen, die eher Probleme haben, sich nach deutscher Vorstellung zu integrieren. Ich würde mir mehr Anerkennung für gelungene Integration wünschen, weil sie Vorbilder sein könnten.

Natürlich gibt es Menschen, die extreme Schwierigkeiten mit Integration haben oder diese teilweise als Zumutung verstehen, weil sie vermutlich befürchten, Abschied von den eigenen Lebens- und Denkweisen nehmen müssen, die mit der hiesigen Gesellschaft teilweise kollidieren.

Sarrazin stellt mit seiner Gen-Theorie die Intelligenz einzelner Volksgruppen in Frage. Kann man hier von einer geistig-intellektuellen Auseinandersetzung reden, oder ist das die Einstellung gesellschaftlicher Betroffenheit der Deutschen gegenüber Moslems?

Ich habe Sarrazins Buch nicht gelesen und möchte es auch nicht lesen, jedoch habe ich einige Stimmen zu seiner These gehört. Es sieht so aus als habe dieser Herr an einigen Stellen über die Stränge geschlagen. Er hat die eine oder andere Grenze überschritten, ob bewusst oder unbewusst sei hingestellt! Er hat es jedenfalls geschafft viel Aufmerksam auf sich zu lenken und sein Buch ist auch ein Bestseller geworden. Ich möchte hier noch einmal an die vielen Menschen mit Migrationshintergrund erinnern, die Beachtliches leisten und die so eine Debatte nicht verdient haben.

Horst Seehofer spricht von Integrationsprobleme bei manchen Volksgruppen. Es klingt so als wären die Moslems an ihrem schlechten Bild in der Öffentlichkeit selbst schuld, ist das eine höchstpersönliche Machtstellung eines bestürzten Politikers oder steckt was anders dahinter?

Ich denke, Herr Seehofer hat nach einem Thema gesucht und gefunden. Er konnte sich mit dem Thema politisch positionieren. Das bring auch Wählerstimmen! Leider auf Kosten von einigen Minderheiten in diesem Land.

Fr. Merkel meint, die Multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert. Wer trägt die Mitschuld?

Hierzulande galt „Multikulti“ lange Zeit als etwas Positives. Multikulti sollte das friedliche Miteinander betonen sowie die Vorstellung von etwas Positivem, Buntem und Lebhaftem. Das war vielleicht etwas naiv. Ich glaube Deutschland hat zu spät erkannt, dass Integration auch bedeutet, Angebote zu machen, wie Sprachkurse für Einwanderer. Aber auch viele Migranten haben zu lange gezögert, die Chancen, die dieses Land bietet, zu ergreifen, um mehr aus ihrem Leben in diesem Land zu machen, was sicherlich allen genutzt hätte.

Manche Kritiker sehen die ablehnende Haltung gegenüber dem Islam vom Islam selbst genährt. Werden die Fakten und Realität des Islams und der Moslems in Deutschland ganz anderes dargestellt oder ist das eine reine konservative Einstellung, die auf ein geistiges und Wahrnehmungsproblem mit dem Islam zurückzuführen ist?

Es gibt viele Vorbehalte. Aus meiner Sicht gehöhrt der Islam leider noch nicht so dazu, wie Bundespräsident Christian Wulff vermittelt hat. Denn, wenn eine Mehrheit das so sehen würde, würde dies einiges an Problemen entgegen wirken. Man meint über den Islam einiges zu wissen, siehe die vielen Beiträge in den Nachrichten! In Wirklichkeit wird ein so schiefes Bild vermittelt; da weiß ich wirklich nicht, wo ich mit den Erklärungen anfangen soll, wenn man mich nach meiner Religion fragt. Da wird ein Begriff erfunden „Islamismus“, was häufig mit „Islam“ in einem Topf geworfen wird. Man verbindet dieses Wort mit Terror, Anschlägen, Entführungen und was auch immer. Alles Dinge, die der Islam aufs strengste ablehnt. Deutschland hat allerdings auch ein Problem, Regeln des Islams zu verstehen und folglich zu akzeptieren, was eine weitere Distanz zu den Gläubigen schafft.

Mohammadi AkhabachWie kann man die Feindschaften gegenüber dem Islam minimieren?

Dazu müssen beide Seiten beitragen. Wir müssen miteinander reden und immer wieder unsere Lebensweisen und Philosophien erklären. Wir können viel voneinander lernen. Ich kann sagen, dass ich von den Deutschen sehr viel gelernt habe und hoffe, dass auch ich meinen Beitrag geleistet habe und leiste. Integration hin oder her. Wenn wir uns verstehen, ergibt sich alles andere von alleine.

Über Mohammadi Akhabach:

Mohammadi Akhabach ist geboren 1974, er arbeitet als Werbekaufmann und Kommunikationswirt und ist Unternehmer und Gründer des Internet-Netzwerkes http://www.iverein.de

Vor seiner Selbstständigkeit, zeichnete sich Mohammadi Akhabach für den Aufbau verschiedener Vertriebs- und Marketingabteilungen aus. Zu den von ihm betreuten Kunden zählen u. a. die Deutsche Post AG, Unilever Deutschland, Nestlé Deutschland AG und Coca-Cola GmbH, für die er zahlreiche Crossmediale Kampagnen entwickelte und umsetzte.

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