ElMasrar50 Jahre ist es nun her, dass die deutsche und die marokkanische Regierung ein Anwerbeabkommen „über die vorübergehende Beschäftigung marokkanischer Arbeitnehmer in der BRD“ unterzeichneten. Die bekannte deutsch-marokkanische Autorin und Journalistin Sineb El Masrar sprach aus diesem Anlass über die Gestaltung des Zusammenlebens zwischen Deutschen und Zuwanderern. Dieses Zusammenleben ist auch nach 50 Jahren immer noch geprägt von mehr oder weniger starker, wechselseitiger Annäherung. In einem Interview mit marokko.com sprach sie von einem „Prozess, der nicht zu lange dauern darf.“

Es sind politische Rahmenbedingungen, durch die dieser Prozess stabilisiert wird. Islamkonferenz oder Integrationskonferenz übernehmen dabei die wichtige Funktion ein Forum zu sein, das die beteiligten Akteure zusammenführt und Entscheidungen vorbereitet. Sineb El Masrar, die in beiden Gremien tätig war, versteht sich dabei als jemand, der „Leben abbildet“ und so zur Verständigung und „Empathie“ beiträgt.

Für die Autorin geht es auch darum, dem Bedrohungsgefühl zu begegnen, das sie innerhalb bestimmter Eliten in Deutschland wahrnimmt. Für sie sind es häufig die Alltagserfahrungen im Zusammenleben, die für Antipathien verantwortlich sind. Faktische, gegenseitige Unkenntnis der Kulturen, Konkurrenz um die knappe Ressource „Job“ oder Gewalterfahrungen: Daraus ergeben sich schlechte, persönliche Erfahrungen. Wenn die medial weitergetragen werden, transportiert von prominenten Persönlichkeiten wie zuletzt im Fall von Thilo Sarrazin, kann das die Stimmung gegen Zuwanderer aufheizen. 

Hier hat die Stadtplanung eine wichtige Aufgabe. Es darf keine Ghettoisierung geben, keine Viertel, die mehrheitlich nur von einer bestimmten Zuwanderergruppe bewohnt werden und die zunehmend für alle anderen zum No-Go-Area werden. Integration fängt an der Haustür, in der Nachbarschaft, in der Schule, im Kollegenkreis oder im Sportverein an. Die Annäherung funktioniert über „gemeinsame Interessen“, meint die Autorin und dazu muss man „Gelegenheiten bieten“.

Auch wenn Sineb El Masrar in Deutschland zuhause ist, „Marokko“ ist ein „unheimlich interessantes Land“. Hier sind ihre Wurzeln, und ihrer Meinung nach kommt für jeden Marokkaner, der im Ausland lebt, irgendwann der Punkt, an dem er zurück und diesen Teil seiner Identität kennen lernen will. Deutsche NGOs wie das CIM in Frankfurt/M. helfen bei solchen Vorhaben. Sineb El Masrar fühlt sich in mehr als zwei Kulturen zuhause. Insofern geht es ihr nicht darum, welche Nationalität jemand hat, sondern ob alle Beteiligten gelernt haben, sich zu verstehen.

Brigitte Brinkmann
www.marokko.com

   

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